Dehms “Affenarsch”!

“Affenarsch” ist das Wort, das die Genossen momentan bewegt. So gesprochen, von Diether Dehm, vor dem Hintergrund der gemischten Gefühle und der hektischen Dynamik von Wahlkampfzeiten. Wem nun der “Affenarsch” galt, darüber rätseln Journalisten, Kriminalisten, und Reformisten in unermüdlicher Redseligkeit.

Für all diejenigen, die beim bis Zwölf zählen nicht ihre Hände benutzen müssen, hat dieser “Ausbruch” des Diether Dehm jedoch einen durchweg sympathischen Einschlag. Eine menschliche Reaktion, die man von vielen Plaste-Elaste Politikern und Sprechrobotern, wie etwa FDP-Mann Rösler, nicht erwartet. Das unterscheidet eben einen echten Linken von angepassten bürgerlichen Politik-Darstellern, das Mensch sein können, und auch mal Dampf abzulassen.

Dass eine gewisse Egozentrik im politischen Geschäft nicht unbedingt schädlich ist, beweist Dehm dabei selber. Der Landesverband Niedersachsen wählt Dehm auch deshalb immer wieder an die Spitze des Verbandes, weil er unterhaltsamer ist, als die innerparteiliche Konkurrenz in Niedersachsen. Jetzt eine Debatte darum zu führen, wer denn mit dem “Affenarsch” gemeint war (wie es die bürgerlichen Presse gerade macht), ist eine Ablenkung vom eigentlichen Themen in Niedersachsen, wie etwa dem Atom-Klo der Nation Asse und dem politischen und ökologischen Scheitern von Schwarz-Gelb und der sozialdemokratischen Alternative in Niedersachsen.

Trotzdem sympathisch sind derlei “Menschlichkeiten” nur als Ausnahmeerscheinungen. Werden sie institutionalisiert, verlieren sie an Wert und Wertigkeit. Und wer meint, ein Abgeordnetenausweis sei eine Legitimierungsmarke für Beleidigungskakophonien, sollte seine persönliche Integrität prüfen. Der Fall Humpke-Focks zeigt, dass die Medienlandschaft nur danach dürstet sich nicht mit linken Inhalten, sondern mit linken Peinlichkeiten zu beschäftigen. Das Schießen von Steilvorlagen sollten also nicht das Geschäft unserer Parlamentsneulinge sein, damit es am Ende der Legislatur nicht heißt: Außer Beleidigungen nichts gewesen mit den Linken im Parlament (unabhängig davon, ob an den Vorwürfen gegen Humpke-Focks etwas dran ist oder nicht).

Endgültig geklärt sollte der “Affenarsch” bei einer der Richtersendungen von RTL werden. Wäre das nicht auch ein besserer Rahmen gewesen für die vielen Prozesse, bei denen Dehm Verfahrensbeteiligter war? Wer die bürgerliche Justiz und bürgerliche Anwälte bemüht, um seine vermeintlichen Interessen zu wahren, der muss sich über den zweiten Teil dieses Ablenkungsdramas jetzt nicht verwundert zeigen.

Vielleicht sehen wir aber auch bald von jedem Laternenfahl blitzen “Affenärsche würden die Linke wählen”. Für die SPD wird dies nicht viel bringen, denn jenseits von Tiergesäßen heißt es wohl bald eher: “Niemand” würde SPD wählen.
(twak)

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