Auswertung des Wahlergebnisses Hannover der LINKEN zur BTW 09

Liebe Genossinnen und Genossen,

die Bundestagswahl war insgesamt ein großer Erfolg für DIE LINKE. Die im Stadtgebiet von Hannover erreichten 10% sind auch beachtlich.

Hier zunächst die Gesamtergebnisse im Stadtgebiet Hannover (Zweitstimmen):

Wahlvorschlag 2009 2005
absolut in Prozent absolut in Prozent
SPD 82021 30,5 130481 45,8
CDU 68274 25,4 73412 25,7
FDP 32778 12,2 24038 8,4
GRÜNE 43724 16,2 35627 12,5
DIE LINKE 26900 10,0 14635 5,1
PIRATEN 7470 2,8 0 0,0
NPD 3092 1,1 3086 1,1

Die Wahlbeteiligung ist auf ein Tief von 73,4% gesunken. Rund 30.000 ehemalige SPD-Wähler sind schlicht zu Hause geblieben. Laut Wahlbericht konnte DIE LINKE hingegen 6.500 Nichtwähler mobilisieren.

Im Vergleich zur Bundestagswahl sind wir somit in Hannover die Wahlsieger. Die Mehrheit von SPD/Grüne ist nach einem dramatischen Absturz der SPD (-15,3%!!) somit dahin. Schwarz-Gelb aber auch nicht. Dies sollten wir im Hinblick auf die Kommunalwahlen 2011 nicht übersehen.

Im Wahlkreis 43 holte Heidrun Dittrich 9,3% der Erststimmen bei 10,6% Zweitstimmenanteil. Im Wahlkreis 42 holte Michael Höntsch 8,2% der Erststimmen bei 9,3% Zweitstimmenanteil. Beide liegen übrigens vor der FDP!

Deutlich über unserem Ergebnis von 10% liegen die Stadtteile:
Linden-Nord 18,7
Limmer 18,1
Linden-Süd 16,7
Linden-Mitte 16,5
Nordstadt 14,9
Hainholz 14,6
Vahrenheide 13,4
Bornum 13,0
Stöcken 12,9
Calenberger Neust.12,6
Mühlenberg 12,4
Herrenhausen 12,4
Vahrenwald 12,4
Marienwerder 12,1

Auffällig ist dabei das Ergebnis in Limmer mit nunmehr 18,1%. Hier waren schon zur Landtagswahl große Zuwächse zu verzeichnen. Limmer konnte sich mit diesem Ergebnis, vorbei an Linden-Mitte, Linden-Süd und der Nordstadt auf Platz 2 im Stadtteilvergleich setzen. Ursache hier ist die aktuelle kommunalpolitische Präsenz.

Auch Hainholz konnte sich im Stadtteilvergleich weiter nach oben orientieren. Auch in Hainholz liegt das sicherlich an der dortigen Präsenz. Dort war ebenfalls der erste große Zuwachs bereits zur letzten Landtagswahl zu verzeichnen. Hainholz zeichnet sich im übrigen durch die niedrigste Wahlbeteiligung (59,6%) und die größte Niedergangszone der SPD (21,6% Verlust!) aus.

Sehr gute Zuwächse gegenüber der Landtagswahl haben wir insbesondere in Vahrenheide, Mittelfeld zu verzeichnen. Vahrenheide und Mittelfeld sind früher öfter mal als Stadtteile mit überproportionalem Rechtswähleranteil aufgefallen. Ich vermute, dass wir hier ein schwankendes Protestwählerpotential auf unsere Seite ziehen konnten.

Gute Zuwächse hatten wir ansonsten in eher typischen SPD-Hochburgen wie Herrenhausen, Stöcken, Limmer, Ricklingen, Badenstedt, Mühlenberg, Bemerode, Misburg-Nord und Misburg-Süd.

Es gibt aber auch einen Wermutstropfen. Im Landesvergleich liegt der Wahlkreis Hannover II nicht mehr an erster Stelle. Ein näherer Vergleich mit früheren Ergebnissen zeigt auch sofort die “Problemzone”. In den Stadtteilen mit hohem Studierenden-Anteil haben wir gegenüber der Landtagswahl prozentuale Verluste hinnehmen müssen. Dies betrifft die drei Lindener Stadtteile, die Nordstadt und die Oststadt. Gleichzeitig sind das die Stadtteile, in denen die “Piraten” mit 6,1 (Nordstadt) 5,1-4,6 (Linden) und 3,6 (Oststadt) überproportional Stimmen gefischt haben. Wir sollten das Anliegen dieser Wähler ernst nehmen.

Hier unsere Ergebnisse im Detail (mit Vergleichszahlen früherer Wahlen):

Stadtteil BTW05 KW06 LTW08 BTW09 (Bundestagswahl 2005 / Kommunalwahl 2006 / Landtagswahl 2008 / Bundestagswahl 2009)
Mitte 4,8 4,9 8,9 9,0
Calenberger 6,8 7,1 12,0 12,6
Nordstadt 9,5 10,6 15,8 14,9
Südstadt 4,2 3,8 7,5 7,7
Waldhausen 2,2 1,8 5,1 4,2
Waldheim 2,2 1,6 5,1 5,1
Bult 2,7 2,4 5,9 4,7
Zoo 2,3 1,9 5,0 4,7
Oststadt 4,8 5,1 8,9 8,3
List 5,1 5,1 8,8 8,9
Vahrenwald 6,2 6,4 11,0 12,4
Vahrenheide 6,5 4,5 9,5 13,4
Hainholz 7,6 7,8 12,4 14,6
Herrenhausen 5,9 6,0 10,5 12,4
Burg 4,4 3,4 8,6 10,7
Leinhausen 4,6 3,2 7,8 9,7
Ledeburg 4,5 3,6 8,2 9,6
Stöcken 6,1 5,4 11,4 12,9
Marienwerder 6,1 4,3 9,0 12,1
Sahlkamp 5,0 2,9 8,6 10,5
Bothfeld 3,6 2,7 6,5 6,7
Lahe 3,5 4,8 7,3 7,2
Großbuchholz 4,7 5,2 7,8 9,0
Kleefeld 5,0 5,7 8,6 9,2
Heideviertel 3,5 2,8 6,9 7,3
Kirchrode 1,7 0,9 3,3 4,1
Döhren 4,4 4,0 8,9 9,3
Seelhorst 3,2 2,6 5,9 6,4
Wülfel 5,0 5,0 10,3 10,4
Mittelfeld 4,4 4,3 8,0 11,6
Linden-Nord 10,8 12,5 21,1 18,7
Linden-Mitte 10,0 10,9 17,2 16,5
Linden-Süd 8,1 10,7 17,0 16,7
Limmer 8,4 8,8 16,3 18,1
Davenstedt 4,4 3,2 9,0 10,2
Badenstedt 5,0 4,6 10,3 11,7
Bornum 3,9 5,0 10,6 13,0
Ricklingen 5,5 4,5 9,3 10,8
Oberricklingen 5,3 3,9 9,6 10,5
Mühlenberg 5,1 6,2 11,1 12,4
Wettbergen 3,9 2,4 7,7 8,1
Ahlem 4,7 3,4 9,1 10,3
Vinnhorst 4,6 3,4 7,5 8,4
Bemerode 4,2 2,7 7,7 9,0
Isernhagen 1,5 1,1 2,7 2,6
Misburg-N. 4,5 3,2 8,3 9,9
Misburg-Süd 5,5 1,8 8,3 10,5
Anderten 3,7 2,1 7,2 8,0
Wülferode 3,1 2,1 3,8 4,2

Im Wahlbericht der Stadt wird ferner folgendes ausgeführt:
Sozialstrukturelle Schwerpunktgebiete der LINKEN
Die LINKEN gewinnen in Hannover insgesamt am meisten hinzu (+4,9 Prozentpunkte; 10,0 Prozent). Die sozialstrukturellen Schwerpunktgebiete der LINKEN überschneiden sich in Teilen mit denen der SPD und der GRÜNEN. Die Bezirke mit hohen Ausländeranteilen
und vielen älteren Arbeitslosen kann man aber durchaus als eigenständige
LINKE-Hochburgen bezeichnen. Die sozialstrukturellen Hochburgen der LINKEN zeichnen sich aus durch

  • viele Ausländer (Wahlergebnis 2009: 16,0 Prozent; Gewinne: +8,3 Prozentpunkte)
  • viele Personen mit Migrationshintergrund (15,8 Prozent; +9,1 Prozentpunkte)
  • viele Empfänger von Transferleistungen (60 Jahre und älter) (15,8 Prozent; +8,8 Prozentpunkte)
  • viele Arbeitslose (15,6 Prozent; +8,6 Prozentpunkte)
  • viele Langzeitarbeitslosen (15,6 Prozent; +8,8 Prozentpunkte)
  • viele Altbauwohnungen (15,5 Prozent; +6,8 Prozentpunkte)


Kommen wir nun zum Umland:

SPD 112.716 31,7%
CDU 115.363 32,5%
FDP 46.477 13,1%
GRÜNE 35.933 10,1%
DIE LINKE 26.520 7,5%
PIRATEN 6.642 1,9%
NPD 4.827 1,4%

Die Wahlbeteiligung im Umland der Stadt Hannover ist um 5,6 Prozentpunkte von 81,7 Prozent auf 76,1 Prozent gesunken.

Auch im Umland hat nun SPD/Grüne keine Mehrheit mehr. Schwarz-Gelb aber auch nicht. Damit stellt sich auch für die Regionsversammlung die Frage zukünftiger Mehrheiten. Der Wahlbericht stellt hierzu weiter fest:
Die SPD verliert am stärksten in Gebieten mit niedriger Wahlbeteiligung, die in alten Industrieräumen mit einer starken Verflechtung mit der Großstadt Hannover liegen, die LINKE kann davon überdurchschnittlich profitieren.

Im Wahlkreis 44 erhielt Brigitta Runge 6,4% Erststimmen bei 7,2% Zweitstimmen. Im Wahlkreis 48 erhielt Gerhard-walter Schulz 6,6% Erstimmen bei 7,7% Zweitstimmen.

In den Umlandgemeinden haben wir mit Ausnahme der Wedemark ebenfalls überall zugelegt. Die besten Ergebnisse haben wir dabei in den Trabantenstädten: Seelze, Laatzen, Langenhagen, Garbsen und Ronnenberg(Empelde). Betrachtet man die absoluten Zahlen -53.000 Stimmen insgesamt in der Region Hannover bei ca 650 Mitgliedern – dann ist in der Region noch einiges zu holen. Prinzipiell sollte es möglich sein, in jeder Umlandgemeinde mit einer Basisorganisation vertreten zu sein.

Der Wahlbericht stellt dazu ferner fest: Die LINKE erhält im Umland 7,5 Prozent der Wählerstimmen. Das entspricht einer Steigerung von 3,5 Prozentpunkten gegenüber 2005. In Garbsen und Seelze erzielt sie .. sogar über 9,5 Prozent. Die stärksten Gewinne von über 5 Prozentpunkten erreicht die LINKE in den Kernstädten Empelde, Ronnenberg, Seelze, Letter und Garbsen.

Hier die Zahlen im Einzelnen (mit Vergleichszahlen früherer Wahlen):

Stadt/Gem. BTW05 KW06 LTW08 BTW09 (Bundestagswahl 2005 / Kommunalwahl 2006 /
Landtagswahl 2008 / Bundestagswahl 2009)
Barsinghausen 3,6 1,8 6,4 7,7
Burgdorf 3,9 3,8 6,9 7,7
Burgwedel 2,5 1,1 4,0 4,8
Garbsen 3,8 2,0 6,8 8,2
Gehrden 3,1 1,2 5,7 6,3
Hemmingen 2,2 1,4 5,3 5,5
Isernhagen 2,7 1,6 4,8 5,1
Laatzen 4,2 2,2 7,6 8,3
Langenhagen 4,1 1,9 7,2 8,3
Lehrte 4,0 2,8 7,4 8,1
Neustadt 3,7 1,7 6,5 7,8
Pattensen 3,2 1,5 5,8 6,7
Ronnenberg 4,0 2,1 7,0 8,2
Seelze 4,0 1,8 6,8 8,6
Sehnde 3,8 2,5 6,6 8
Springe 3,8 2,4 7,3 7,5
Uetze 3,6 2,0 6,4 8
Wedemark 3,2 0,9 5,3 6,2
Wennigsen 3,7 2,3 7,2 7
Wunstorf 3,3 1,6 6,1 7,2

Die obigen Zahlen beziehen sich immer auf das gesamte Gebiet der jeweiligen Stadt bzw. Gemeinde. In den Kernen sind die Ergebnisse in der Regel deutlich besser:
z.B.
Barsinghausen 9,3
Burgdorf 8,9
Empelde 10,0
Garbsen a.d.Horst 13,5
Laatzen 10,4
Langenhagen 9,2
Lehrte 9,3
Neustadt 9,0
Seelze 9,6
Sehnde 8,2
Springe 8,7
Wunstorf 7,8

mit sozialistischem Gruß
Rolf Köhne

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