Leserbrief von Michael Hans Höntsch

Ja liebe Genossen!

Was soll das hier eigentlich werden? Ein Leserbrief? Ein politischer Rundumschlag? Ein strömungsübergreifender und solidarischer Artikel? Nein, nichts von alle dem.

Ich benutze eure Zeitschrift, um meine Meinung zu äußern. Was habe ich mich in den letzten Jahren über euch geärgert! Oft war ich sauer und ich denke mal, manchmal waren meine Gedanken euch gegenüber fast hasserfüllt. Das gab mir natürlich auch immer schwer zu denken, denn ich wußte auch schon vor drei Jahren, dass Hass ein schlechter Ratgeber ist. Aber da war natürlich auch die eigene Eitelkeit.

Erst die Seite jpsb, dann die Rote Wumpe und nun Potemkin. Ich bin ganz nebenbei erst durch diejenigen, die jetzt eure Abschaltung fordern, auf eure Vorgängerseiten aufmerksam gemacht worden. Also jetzt Potemkin, früher mehr ätzend als kritisch, heute ein wichtiger Ort für die Debatte. Ich ergreife hier heute das Wort, weil ich hier im kleinen auch solidarisch sein will mit einer Internetzeitung, deren Abschaltung der Sprecher der Sozialistischen Linken in Niedersachsen gefordert hat.

Wir sind beileibe nicht immer einer Meinung und damit sollten wir auch in der Zukunft kein Problem haben. Ich werde nicht versuchen meine Genossen davon zu überzeugen, dass Israel friedlich ist und im Gegenzug lasse ich mir auch von niemandem weißmachen, dass Hamas und Hizbollah die Caritas des Nahen Osten sind.

Auch hat für mich Hugo Chavez eher etwas von einem Despoten, als dass er als Heilsbringer für die Massen in Europa taugt.

Ich wähle diese Beispiele ganz bewusst. Das waren oft die Debatten, die wir uns um die Ohren geschlagen haben ohne uns um das Wesentliche zu kümmern. Das Wesentliche? Es ist gar nicht so schwer, sich um eben dieses Wesentliche zu kümmern, und das heißt vor allen Dingen im anderen nicht zuvorderst den Feind zu sehen und tatsächlich nach Gemeinsamkeiten zu suchen. Und diese gibt es in Hülle und Fülle. Nicht zuvorderst den Feind sehen? Ich habe eine sehr lange Zeit versucht und mir Mühe gegeben, so ein Verhältnis zu Genossen aus Linden zu erreichen. Ich möchte einige von ihnen auch jetzt nicht als Feinde sehen, zumal wir privat nichts miteinander zu tun haben, aber es gehört auch immer ein Mindestmaß an Übereinstimmung dazu. Und die einzige Übereinstimmung, die ich mit diesen Genossen habe, ist ganz offensichtlich die Parteimitgliedschaft.

Voraussetzungen für eine vernünftige Arbeit fangen und sollten immer anfangen beim Parteiverständnis, beim tatsächlich solidarischen Umgang miteinander. Ich gebe ganz offen meine Schwächen zu und wie hat doch unser OB anlässlich der Trauerfeier für Robert Enke so treffend formuliert, Schwächen zugeben bedeutet Stärke.

Ich kann es nicht ab, angebrüllt zu werden. Das war schon immer so, rumschreien schnürt mir die Kehle zu und mir wird schlecht. Das muss ich definitiv nicht haben und da ich nicht daran denke mit der Politik aufzuhören, werde ich alles daransetzen, dass wir künftig eine Parteiführung in Hannover bekommen, in der niemand schreit.

Ich mag es nicht, wenn unseren WählerInnen Versprechungen gemacht werden (das fängt auf der kommunalen Ebene an), die jenseits des Normalen sind.

Ich streite gegen Personenkult (ja, den gibts immer noch! 🙂 ) und ich will nach Kräften dazu beitragen, dass unsere Partei in der Region noch für viel mehr Menschen wählbar wird. Dies kann aber nur gelingen, wenn wir tatsächlich eine überzeugende Alternative aufbauen, programmatisch wie personell.

Ich habe als demokratischer Sozialist die SPD verlassen und ich bin es in der Linken! Mir wird mitunter vorgeworfen, ich sei ein bürgerlicher Linker. Was sollte ich denn sonst sein, als Gymnasiallehrer?

Ich habe zur Kenntnis genommen, dass diejenigen, die dem alten Kreisvorstand Versagen vorgeworfen haben, heute nicht einmal im Ansatz das Handwerkszeug besitzen einen Kreisverband zu leiten.

Ich habe ferner zur Kenntnis genommen, das diejenigen, für die schon ein 400 . Job bei der Partei Karrieristentum war, die Ersten sind, die Karriere gemacht haben.

Ich nehme – und das mehr als empört – zur Kenntnis, dass diejenigen, die die Ratsfraktion seit drei Jahren bekämpfen, jetzt auch vor der Landtagsfraktion nicht mehr halt machen.

Gelesen habe ich in der Erklärung des Sprecher der SL, dass es sogar Personalratsmitglieder in Hannover geben soll, die wegen euch nicht in die Partei eintreten. Nun, meine gewerkschaftlichen Kontakte sind nicht die schlechtesten und Personalrat bin ich neben bei auch. Ich wage mal zu behaupten, dass wir ohne den Krampf mit der sogenannten Hannoverschen Linken vielleicht der größte Kreisverband im Westen der Bundesrepublik geworden wären.

Ich hasse das Wort Burgfrieden, sowie ich das Wort Krieg hasse und ich gebe zu, ein wohl eher mittelmäßiger Stratege zu sein. Von daher liegen mir auch deshalb eher Bündnisse, die solide sind und nicht nur einen unwägbaren Zeitraum umfassen, also rein strategische Bündnisse. Verstanden?

Ansonsten bleibt wir ihr seid, seid vielleicht in eurer Schreibe etwas weniger intellektuell, das wirkt manchmal krampfhaft und seid nicht immer so verliebt in die eigenen Formulierungen. Es geht hier nicht um gute Deutschaufsätze, sondern um knallharte Analyse und Handlungsorientierung.

Frohe Weihnachten
Michael

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