Kommentar zum Artikel “Wo das Bundestagsmandat zum Copy-Shop wird”

Es ist sicherlich journalistische Pflicht, Skandale und Skandälchen auch in den eigenen Reihen aufzudecken. Nicht auszudenken, wenn es nicht ein kritisches linkes Publikationsangebot gewesen wäre, welches in den eigenen Reihen die Finger in die Wunde politischen Dilettantismus legt, sondern ggf. die Panorama-Redaktion selber für eine politische Sommerlochglosse die Urheberschaft beansprucht hätte, die Manuel Böhm nun auf Potemkin aufgelegt hat.

Nur spaßig ist dieser Vorgang um die bisherige Pannenlegislatur der Genossen Dittrich auch diesmal nicht. Ob frau nun vergessen hat, dass Sie als Ersatzdelegierte für ihre Strömung für den Bundesparteitag nominiert wurde und sich daher vom Kreisverband praktisch doppeldelegieren lässt oder ob Parlamente aufgelöst werden, wenn linke Mehrheiten dies im Bundestag möglich machen. Immer hat der geneigte Politbeobachter das Gefühl, dass Genossin Dietrich das Kurventempolimit im eigenem politischen Schlangenkurs ständig überschreitet. Gleichsam muss sie sich doch sicher fühlen in der Bundestagsfraktion, wenn sie sich auch noch in Hannover kommunalpolitischer Themen annimmt ohne die dafür zuständigen kommunalen Mandatsträger und Basisorganisationen zu konsultieren.

Sollte letzteres Engagement zur Vorbereitung einer kommunalen Kandidatur für das Jahr 2011 dienen, kann nur noch endgültig angeraten werden, den sich abzeichnenden politischen Verzettelungskurs endlich aufzugeben. Peinlichkeiten, wie die Verletzung von Urheberrechten, wenn es denn mal konkret fachpolitisch werden soll, deuten doch an, dass die inhaltliche Kapazitätsfähigkeiten des Büros Dittrich bei weitem überschritten sind. Und wer scheinbar seine ureigenen Fachthemen nur noch ausgoogelt, um dann Schnurstracks den erstbesten ausgewiesenen Text zu .plagiatieren., dem fehlt letztlich wirklich das Gespür und die Fähigkeit für den intellektuellen Ausbau fachpolitischer Kompetenz. Handwerklich stellt diese Art von Öffentlichkeitsarbeit einen Imageschaden für die Partei dar, der bei Verfestigung derlei Arbeitsmethoden direkt in eine parteischädigende Mandatsausübung münden würde.

Es wäre jedoch unfair den gesamten Mitarbeiterstab politisch an den Pranger zu stellen. Die Gerüchteküche lässt eh vermuten, dass der Arbeitssegen im Lindener Wahlkreisbüro schief hängt. Das passiert immer, wenn es erhebliche Ungleichgewichte in einer Bürohierarchie gibt. Vor allen wenn Einige für wenig viel und Andere für viel wenig arbeiten müssen. Dies kann an der Motivationsschraube kräftig nagen, mit dem Ergebnis, dass Genius durch Plagiatus ersetzt wird. Wer jetzt also Hohn oder Spott über alle Mitarbeiter prasseln lässt, sollte vorsichtig sein, ob dies politisch gerecht ist. Sollten nämlich die Gerüchte aus der Lindener Kneipen- und Parteiwelt stimmen, dann gibt es im Büro Dittrich einen sehr privilegierten Mitarbeiter mit einer Urlaubsanspruchsgarantie im Arbeitsvertrag, die an politische Vorteilsnahme grenzt. Und es ist auch falsch anzunehmen, dass die Partei keinen politischen Anspruch hat über derlei Ungereimtheiten aufgeklärt zu werden, wenn unter einem politischen Büromanagement das Image eines ganzen Kreisverbandes zu leiden hat. Es darf also gespannt gefragt werden, ob nun dieser Ausrutscher, für den allein Dittrich die politische Verantwortung trägt, nicht endlich auch mal die richtigen Fragen zu Dittrichs Mandatsausübung aufkommen lässt. Es ist auf jeden Fall sehr bedauerlich, dass Dittrich ihre Wahlniederlage zum Kreisvorsitz vom 24.4.2010 nicht dazu genutzt hat, um sich als kommunikatives Schwergewicht zur Überwindung der politischen Gräben in Hannover neu zu erfinden. Angebote für offene Gespräche mit ihr soll es nämlich gegeben haben.

Derweil inszeniert sich Dittrich lieber als .Mutter aller Demonstrationszüge.. Dieser Agitationsansatz ist sicherlich mitgliederstimmenträchtig. Reicht er aber 2013 auch für eine aussichtsreiche Kandidatur auf der Landesliste, wenn von einer Bundestagsabgeordneten richtigerweise auch ein ausgeprägtes fachpolitisches Profil verlangt werden darf? Noch hat Dittrich Zeit ihre Rolle auch in Hannover zu finden. Setzt sie weiterhin auf Konfrontation, könnte das die eine Verzettelung zu viel in ihrer politischen Laufbahn sein.
(jpsb)

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