Kreisvorstand Hannover: Die ersten hundert Tage haben wir hinter uns . Die Überwindung einer kruden Debattenkultur wohl noch vor uns!

Ist der Ruf erst mal ruiniert, dann lebt es sich – einer Bauernweisheit nach völlig – ungeniert. Dass man sich in Hannover in der Partei auch mal Beleidigungen anhören muss und der Ton etwas härter ist als anderen Ortes, ist sogar der Landesschiedskommission bekannt. Diese folgerte im Verfahren gegen Nikoleit & Co., dass auf einen groben Klotz ein grober Keil gehört. Wie aber der endgültigen Erodierung der Debattenkultur entgegengearbeitet werden soll, dies zu erklären sah sich die dafür eigentlich zuständige Kommission außerstande.

Dass dieses Schweigen der Politlämmer auch für den frisch gewählten Kreisvorstand zu Hannover gilt ist allerdings neu. War man nicht angetreten die örtlichen Verhältnisse neu aufzurollen und allenthalben Professionalität und eine neue Debattenkultur einzufordern? Diese Linie scheint aber nicht jeden einzubeziehen. Wer vermeintlich nicht in die schöne neue Konsenswelt passt und sich mit Klärungsbedarf an den Vorstand wendet, der darf auch schon mal erfahren, dass Vorstandsmitglieder ganz privat ungare und menschenverachtende Inhalte in der öffentlichen Halbwelt von facebook ausleben dürfen und die Vorstandskollegen derlei zurückgebliebene und menschenverachtende .persönliche Meinungen. zumindest als politisches Kollektiv zu tolerieren bereit sind.

Vorstandsmitglied Maik R. ist dabei sicherlich nicht politisch überzubewerten. Er gehört zur sog. Dittrich-Liste und hatte sich für deren letztlich erfolglose Kandidatur zum weiblichen Vorsitz stark gemacht. Im Verband gilt er freilich nicht als intellektuelles Schwergewicht; er wird bestimmt andere Stärken haben. Dass er sich jüngst im sozialen Netzwerk facebook der Mitgliedschaft in einer mittlerweile gelöschten Gruppe dieser Internetplattform rühmte, zeigt, dass seine Stärken aber auch nicht im Bereich Trennschärfe zu menschenverachtenden Grundeinstellungen liegen. Denn es bleibt schleierhaft warum dem Kreisvorstand die Mitgliedschaft Maik Rs. in der ehemaligen facebook-Gruppe .Stoppt Tierversuche, nehmt Kinderschänder. keinerlei Debatte wert war, zumal er sich auf diese Mitgliedschaft angesprochen, im Internet eben dieser Teilhabe an antidemokratischen und menschenverachtender Ideologie auch noch brüstet.

Diese – wie gesagt nun gelöschteGruppe – hatte offen faschistoide Tendenzen, nicht nur weil sie Menschen zu Objekten degradierte und offen zur Folterung und grausamer Tötung aufrief. Natürlich stellen derlei populistische Forderungen auch einen Teil des Agitationspotentials der neofaschistischen Szene dar und bedürfen daher einer klaren Verurteilung im eigenen linken politischen Betrieb.

Aber wie gesagt, wenn es die .falschen Mitglieder. sind, die den Vorstand auf solche Probleme aufmerksam machen, dann wird im Sinne eines einenden Korpsgeistes schon mal lapidar resümiert, dass die Befassung mit dem Einzelvorgang vom Kreisvorstand nicht in Erwägung gezogen wurde. Warum dem so ist? Eine Begründung vermisst der geneigte Anfrager bei der Antwort des Kreisvorsitzenden auf seine Mail.

Es bleibt zu hoffen, dass die Mitglieder des Vorstandes den durchaus notwendigen Konsens nicht mit einer argumentativen Schockstarre verwechseln, nur um bloß keine Auseinandersetzungen mit möglichen Konkurrenten um die Fleischtröge austragen zu müssen. Wer so mit Mitgliederanfragen umgeht, der muss sich nicht wundern im kritischen solidarischen Umfeld des Kreisverbandes auch mal eine Veröffentlichung wie diese zu kassieren. Wie soll sich das einzelne Mitglied denn sonst wehren, wenn ein falscher Korpsgeist von Vorstandsmitgliedern die Grenzen des politischen Anstandes verletzt. Von Maik R. keine Distanzierung von seiner Mitgliedschaft in dieser menschenverachtenden und schwer rechtslastigen facebook-Gruppe zu fordern, dürfte vor dem Hintergrund seiner angeblich beabsichtigen Kandidatur zu kommunalparlamentarischen Vertretungen nicht haltbar sein. Denn spätestens 2011 droht der Partei dann ein schwerer Schaden in der Öffentlichkeit. Gerade in Laatzen!
(twak)

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