Spitzenkräfte an die Spitze oder .Öffentlich., .Öffentlicher., .Flauger.

Es muss einmal gesagt werden: Unsere Landesspitzenpolitiker im niedersächsischen Landtag leisten wirklich Großartiges. So kämpfen sie im Parlament für mehr Feiertage und bestätigen damit einen Slogan des Braunschweiger Kreisverbandes, der da lautet: .Eine Partei für das arbeitende Volk.. Den Kinderfeiertag gab es schon in der DDR und was es in der DDR gab war gut, denn die DDR war ja bekanntlich der friedlichere deutsche Staat, zumindest für all jene, die nicht das Glück hatten in ihm zu leben. Deshalb ist es auch uninteressant, dass keine gesellschaftlich relevante Gruppe der Kinder- und Jugendwohlfahrt eine derartige Forderung nach eigenen Kinderfeiertagen gesellschaftlich ernstzunehmend diskutiert. Egal, als selbstgefühlte Avantgarde der beschäftigten Nichtbeschäftigung ist Symbolpolitik immer noch besser als gar keine Politik.

In Fragen innerparteilicher Demokratie scheinen vergangene Leitbilder auch noch das politische Selbstverständnis zu bestimmen. Denn öffentliche Debatten sind nicht etwa eine Errungenschaft der demokratischen Moderne, sondern die Wurzel allen Übels im innerparteilichen Arbeitstrott.

Dass facebook aber ein öffentlicher Raum ist, das scheint zumindest die Fraktionsvorsitzende der Linken im niedersächsischen Landtag übersehen zu haben. In einem facebook-Kommentar regt sie sich über die öffentliche Debatte um Klaus Ernst auf, um sodann mit folgender genialen Einschätzung zu punkten:

Tja, und die, die sich aufregen, dass Klaus Ernst 3500 . zusätzlich bekommt, regen sich nicht auf, dass Gregor auch 3500 . bekommt, wenn auch aus Fraktionsgeldern. Die Fraktion hätte auch entscheiden können, dies 3500 monatlich für was anderes auszugeben. Daran sieht man einmal mehr: es geht nicht um den Sachverhalt, es geht gegen Klaus Ernst bzw. gegen einen Flügel der Partei.

Verstehen wir Flaugers öffentliche Worte dahingehend richtig, dass sie nun auch eine Debatte um die Zusatzpauschalen des Fraktionsvorsitzenden im deutschen Bundestag will? Am besten öffentlich? Gegen Gregor? Damit die Kritik auch flügelübergreifend sauber bleibt? Oder ist dies alles nur ein Rachefeldzug gegen Bundesgrößen, weil Flauger es in Rostock nicht in den Bundesvorstand schaffte und zu vernehmen war, dass sie das auch schaffte?

Flauger, deren spannende persönliche und politische Biografie erhebende Höhepunkte, wie etwa die Tätigkeit als Arbeitsvermittlerin in einer Transfergesellschaft (2005 bis 2006) aufweist, hat damit eine neue Front aufgemacht. Gespannt darf Mann und Frau sein, wer diese Grundsatzdebatte um die Bezahlung des Genossen Gysi aufgreift, nachdem Bundesvorstandsmitglied Wawzyniak auf facebook auf Flauger reagierte und auf den öffentlichen Charakter dieses sozialen Internet-Netzwerkes aufmerksam machte.

Potemkin hingegen freut sich darüber, dass Flauger, entgegen ihrer eigentlichen Intention, nun auch über die Besoldung des Genossen Gysi diskutieren will. Oder haben wir das nur falsch verstanden. Die Verknüpfung zwischen politischem Amt und wirtschaftlichen Interessen beherrscht aber scheinbar auch Flauger. Interessant ist nämlich, dass Flauger auf ihrer privaten, aber durchaus politischen Homepage, das Logo der niedersächsischen Landtagsfraktion nutzt und in der Rubrik .Über mich. relativ unverhohlen auf ihren separaten Internethandel (gesonderte Webseite ohne Parteibezug, auf der sie Perlenschmuck verkauft) verlinkt. Davon haben wir doch immer geträumt. Bewegungslinke mit wirtschaftlichem Sachverstand. Na dann wird alles gut!
(jpsb)

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