Strahlende Zukunft? Warum der Linken als deideologisierter Protestpartei eine nur geringe Restlaufzeit beschieden sein könnte

Okay, das ist jetzt gemein. Wortspielchen mit Atomkatastrophen zu Lasten einer von Funktionären und Parteimitarbeitern getragenen Betroffenheitskakophonie anlässlich eines drohenden Super-GAUs in Fukushima? Darf das gerade jetzt sein, nur weil ein Tsunami die Gemütlichkeit des idealisierten Zauberhabitats der Ersten Welt fortspült und im gleichen .Wellenzug. feinste japanische Ingenieurskunst ad absurdum führt?

Nun, an große Schockwellen haben wir uns scheinbar noch nicht gewöhnt, wohl auch deshalb nicht, weil uns das tägliche zehntausendfache Hungersterben der Verlierer der profit- und mehrwertgesteuerten Ökonomien nicht so schön sondersendungsschwanger präsentiert wird. Daher faszinieren uns die effektvoll dahinsprengenden Atomreaktoren japanischer Bauart mehr als die verreckenden Kinder der Slumghettos dieser Welt. Und der ökogemästete deutsche Mittelstand fürchtet sich völlig zu Recht vor Fall-Out-Sushi aus dem japanischen Szenelokal im Besserverdienendenvorort. Dazu seiert noch der linke Dauerbarde Konstantin Wecker in bester Betroffenheitsprosa, dass er eigentlich vor Wut gar nicht schreiben könne, nur um zu zeigen, dass ihm auch jetzt noch etwas einfällt, was kein Mensch braucht.

Warum könnte diese medial perfekt aufbereitete Gemengelage aber gerade .DIE LINKE. in den kommenden Wochen in Schwierigkeiten bringen? Zum Einen zeigt sich, dass .LINKE. Fachpolitiker in dieser Zeit keine gefragten Ansprechpartner in der öffentlichen Debatte sind. Mit dem Thema Ausstieg aus der Atompolitik profilieren sich aktuell (ob zu Recht oder zu Unrecht) eben SPD und Grüne. Zum Anderen ist feststellbar, dass die Angst vor den Risiken einer reaktionären Energiepolitik nicht mit der .Parolik. einer .Immer-dagegen-Partei. politisch abgearbeitet werden können, sondern inhaltliche Umsetzungskompetenz gefragt ist. Genau diese Kompetenz wird der LINKEN im Westen weder personell noch inhaltlich zugetraut, weil mit Blödelprosa und dem Hinterhertrotten in Rot-Grün dominierten Protestbewegungen kein Kampf gegen die Energielobby gewonnen wird, sondern nur mit knallharter Fachkompetenz, das zähe Niederringen der geldgeschwängerten Atom-Beton-Fraktion gelingen kann. Diese Kompetenz, da ist sich die Meinungsforschung einig, wird der LINKEN aber von den Wählern nicht zugetraut.

Und deshalb wird die Partei, die sich derzeit nur als Protestpartei organisieren will und kann, auch immer dort verlieren, wo der Erwartungsdruck auf Veränderungen so groß ist, dass am Ende die Parteien gewählt werden, die sich nicht nur auf .Antistümperei. sondern auch auf die Definierung von politischen Prozessen und die Initiierung von Transformationssprüngen verstehen. Dass DIE LINKE diese Grundregeln nicht beherrscht, das könnte am 27.3.2011 bereits erste schmerzlich Folgen nach sich ziehen.
(jpsb)

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