Leserbrief: Grüße an die alte Heimat

Schön war’s, als Anfang der neunziger Jahre sich die PDS als Nachfolgepartei der gescheiterten SED gründete.

Man wollte Verantwortung übernehmen für die Vergangenheit. Aber man wollte aus den Fehlern lernen und den demokratischen und freiheitlichen Defiziten, die teils dem .kalten Krieg. aber auch einer unselbstkritischen Überheblichkeit geschuldet waren. Man wurde nicht müde, diese .Wende. anzumahnen, aber blieb dem Ziel einer demokratischen und sozialistischen Gesellschaft treu.

Große Teile der Menschen Ostdeutschlands wurden treue Wähler, weil auch sie einer solidarischen, sozialistischen Gesellschaft dem neoliberalen kapitalistischen System den Vorzug geben wollten. Die Partei ist dort fest verwurzelt als Volkspartei, die sich als seriöse (Mit)Regierungspartei auch beim politischen Gegner Achtung erworben hat.

Die Westausdehnung der Partei lief äußerst schleppend, dies war aber auch nicht anders zu erwarten. Diese Nichtakzeptanz im westdeutschen Wahlvolk hatte ja die bekannten geschichtlichen Ursachen.

Dies änderte sich mit der Ankündigung und dem Vollzug der Vereinigung mit der WASG, die sich als Antwort auf die Agenda-Politik der damaligen rot-grünen Regierung gegründet hatte.

Die Linke war geboren!

Mit viel Elan und euphorischer Begeisterung (und nicht zuletzt mit Oskar Lafontaine) erreichte Die Linke den Einzug in viele westliche Länderparlamente. Dieser Erfolg sollte noch gesteigert werden, meinten viele.

Doch die taktische Beschränkung auf die Verlierer der Gesellschaft (Hartz IV muss weg!), und die Formulierung zu radikaler klassenkämpferischer Forderungen, wird nicht mehr ziehen, bei Menschen, die sich nicht mit dem sozialen Abseits abfinden wollen. Eine, wenn auch fragwürdige, Belebung des Arbeitsmarktes hat sich negativ auf die Attraktivität einer Partei ausgewirkt, die zu vielem .Nein. sagt, aber keine fundierten Rezepte anbietet wie ein .Besser. realisiert werden soll.

Im Westen wirkt Die Linke oftmals wie ein Klub der Politikverweigerer, die nur aktiv werden wollen, wenn eine absolute Mehrheit errungen wird. Die potentiellen Wähler hingegen wollen in erster Linie weg von Schwarz-Gelb. Sie werden also nicht die wählen, für die eine Koalition mit der SPD und den Grünen Teufelszeug ist.

Für die Menschen, die für sich persönlich eine Verbesserung ihrer sozialen Situation wünschen, ist diese Linke keine Alternative. Ganz abgesehen von der fehlenden fachlichen Kompetenz und dem menschlichen Reifezustand vieler Westgenossen. Solange der Euro noch aufs Konto fließt, das Wasser aus der Leitung kommt und die Kneipen noch auf sind, wird nur noch der allerschlichteste im Geiste diese Partei mit Verantwortung für sein Leben betrauen!

Gespannt kann man sein, wie lange sich die Genossen, die eine verantwortliche Politik betreiben wollen (zumeist in Ostdeutschland) sich weiter in diesen Sumpf reinziehen und bevormunden lassen, von Leuten, die im Grunde immer Recht haben wollen, aber immer nur falsch liegen und erwiesenerweise schon einmal falsch gelegen haben!

In diesem Sinne , schöne Grüße!
Karl-Anton Plass

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