Oskar L. und der Stalinismus – Geschichtsvergessenheit als Facette bornierter Lebensformen?

Bitte nicht das auch noch. Oskar L., langjähriger Vorsitzender der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands und nicht ganz so langjähriger Vorsitzender der Opposition links von der SPD, ist nun ins Geschäft der Leichenfledderei eingestiegen. Denn als nichts anderes kann der neue „Geniestreich“ des Saarländers bezeichnet werden, die nunmehr über zwanzigjährige Geschichtsaufarbeitung des Realsozialismus in der Partei Die Linke mittels eines verstorbenen Kronzeugen für beendet zu erklären. Michael Schumann, zu Lebzeiten Philosoph und einer der Architekten der Erneuerung der SED hin zum linksdemokratischen Projekt PDS, muss nun dafür herhalten, dass der Kapitalismus eine billige Kopie des Stalinismus ist. Dies, so zumindest eine denkbare Konsequenz der Vorstellungswelt des Saarländers, deligitimiere jede Kritik an klassenkämpferischen Weltbildern und führt dazu (in der Folge der bemühten Aussageinhalte), dass der Kampf gegen den „stalinistischen Kapitalismus“ eigentlich jedes Mittel erlaube, befinde man sich doch im Abwehrkampf gegen ein Modell, das alle Versatzstücke autoritärer Diktaturen beinhalte. Nun mag man Michael Schuhmann geschätzt haben oder nicht. Richtig ist, dass diese Ableitungen nichts mit Schuhmanns Arbeit zu tun haben, sondern eher parteipolitischen Erwägungen des Aushilfsphilosophen Lafontaine entspringen. Und natürlich geht es lediglich um den Programmparteitag in Erfurt. Lafontaine gewährt jenen Schützenhilfe, die um jeden Preis die Versatzstücke des Klassenkampfs im Programm durchpauken wollen. Nicht von ungefähr kommt diese Wortmeldung aus dem Saarland. Einem Landesverband, der mittlerweile nicht nur den Personenkult wieder eingeführt hat, sondern auch Satzungsbestimmungen zum linken Allgemeingut erheben will, die in der Tat an untergegangene Parteien erinnern. Parteien also, deren Erneuerung sich Schuhmann zur Lebensaufgabe gemacht hatte.

Oskar L. dagegen verfolgt mit diesem virtuosen Tänzchen zwischen der Hofierung von libertärer Wirtschaftsdoktrin und dem Versuch den Holzschnitt zum verbindlichen Analysemittel der Partei zu erheben, mal wieder nur persönliche Ziele. Die Lebensverhältnisse im Alternativen- und Linksintellektuellenmilieu in der Partei sollen scheinbar zunehmend anaerob gestaltet werden. Absolute Machtergreifung in der Partei als erster Schritt, um dann vermeintlich der SPD seine Vorstellungen aufzwingen zu können? Politik aus persönlicher Rache? Die Partei Die Linke als Vehikel für derlei Borniertheiten?

Ist dies wirklich die Taktik? Oder ist der Saarländer Lafontaine mittlerweile so abgehoben, dass er meint, dass die öffentliche Meinung ihm auch jetzt noch jedes politische Hakenschlagen verzeiht, weil er als selbstberauschter Redner der große Zampano der bundesdeutschen Politik ist. Was hat Lafontaine dann aber Jahrzehnte in der SPD gemacht, wo er u.a. so „bedeutende“ Werke wie „Keine Angst vor der Globalisierung“ geschrieben hat? Mimikry? Alles deutet daraufhin, dass Lafontaine es in seinem Alter allen zeigen will, dass nur er das Vorhaben DKP 2.0 in Deutschland zum Erfolg führen kann. Zumindest eins hat Lafontaine damit geschafft: Ein Projekt, das die Partei flügelübergreifend vereint. Und zwar die Sorge um den Gesundheitszustand des Saarländers.
(jpsb)

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