Nachlese zur Mauerbaudanksagung

Da regt sich die „halbe“ Partei über die Junge Welt auf, nur eine Person kriegt das einfach nicht mit. Maren Kaminski, Landesgeschäftsführerin des Landesverbandes Niedersachsen und Mitarbeiterin der Regionsfraktion Hannover, darf mal wieder zeigen, was für ein knallharter politischer Profi sie ist. Am 15.8.2011, also zu einem Zeitpunkt an dem eine intensive Debatte über den Nutzen des JW-Artikels vom 13.8.2011 in der Partei tobt, jagt die bisher eigentlich dem Reformlager zugeordnete Kaminski folgende Mail über den Kreisverbändeverteiler des im Kommunalwahlkampf befindlichen Landesverbandes:

Liebe Genossinnen und Genossen,
bitte beachtet die Angebote der jw, die vielleicht im Wahlkampf nützlich sein könnten.

Nicht schlecht Genossin Kaminski. Die von der JW angepriesenen Probe-Abos und Freiexemplare dürften gerade in der Freien Volksrepublik Niedersachsen die Stimmungslage der Bevölkerung treffen, die sich nach dem Schutz bewaffneter Arbeiterarmeen und der Bespitzelung durch antiimperialistische Kundschafter des Friedens sehnt. Fehlt nur noch, dass die Geschäftsführerin einen Aufruf versendet Christel Wegner wieder in die Landtagsfraktion aufzunehmen. Perfekt ist die Harmonie der Arbeiter-und Bauernpartei im Landesverband Niedersachsen. Aber halt! Ob der Fraktionsvorsitzende der Linken im Landtag Hans-Henning Adler das mitmacht ist fraglich. Seine Reaktion auf die Mail von Kaminski lautete nämlich:

Hallo Maren,
aber nur, wenn die JW verspricht, die Ausgabe vom 13.August zu Werbezwecken nicht zu verbreiten…

Es ist leider nicht mehr dokumentiert, ob dieses Versprechen noch von der JW eingefordert wurde. Interessant ist jedoch, dass Adler einen Artikel elektoral für schädlich hält, der eigentlich doch nur die Gesinnungslage weiter Teile des Landesverbandes zum Ausdruck bringt. Wer jetzt vor dem Wähler verheimlichen muss, wie er wirklich „tickt“, der gibt mittelbar zu, dass die Partei als starke Alternative längst abgewirtschaftet hat. Und Kaminski kann man derweil nur einen Eintritt in die KPF vorschlagen. Eine Ehrenmitgliedschaft hat sie sich dort verdient, denn die unverbrüchliche Treue zum Mauerbau-Magazin ist wahrlich einen ideologischen Asbach-Uralt wert.
(twak)

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