Das Pannenduo Lötzsch/Ernst setzt noch eins drauf: Brief an den geliebten Führer

Personenkult gibt es in den unterschiedlichsten Ausführungen. Zumeist ist er staatlich verordnet und wird jenen zum Verhängnis, die sich zu den bedauernswerten Geschöpfen zählen, die im Herrschaftsbereich „begnadeter Anführer“ ihr Dasein fristen müssten. Dann gibt es ihn auch in Parteien. Vor allen Dingen da, wo Parteimitglieder der Meinung sind, dass der Wahlerfolg des eigenen Meinungsvereins von einer einzigen Person abhängt, neigen Menschen, die direkte Profiteure elektoraler Kampagnen sind dazu, Helmuts, Angelas oder Oskars hoch leben zu lassen.

Werden diese hier dargestellten Kultformen kombiniert, darf sich der geneigte Leser sicher sein, dass er sich bei der Linken mit ihrem Spaßpolitikduo Lötzsch und Ernst befindet. Denn die frönen nicht nur dem Personenkult um den Übervorsitzenden Lafontaine, sondern lassen es sich nicht nehmen, mit ihrer devoten Lobhudelei in Richtung des grenzdebilen (und wohl Multimillionär) Fidel Castro die Partei immer mehr in ein politisches Experiment abgleiten zu lassen. Denn entweder gelingt eine grundsätzliche Veränderung der politischen Stimmungslage in der Bevölkerung oder aber das Modell der Wiederbelebung revolutionärer Versatzstücke in Programm und politischer Aktion wird grandios scheitern.

Denn es dürfte in nächster Zeit interessant werden, ob die Indoktrination der Wahlbevölkerung, weg vom sozialen Protest hin zur ideologischen Erneuerung der kulturellen Versatzstücke des gescheiterten Realsozialismus (Mauerbau, Führerkult), gelingen wird. Der Brief zu Castros Geburtstag atmet jedoch bereits sprachlich die vergilbte und knöchrige Sprache der SED. Wenn Führerkult („Unter deiner Führung hat Kuba…“) und das gegeneinander Ausspielen von sozialen Ansprüchen und politischen Interessen wieder eine Chance haben in der Linken, dann muss sich das aktuelle Führungsduo sehr sicher sein, dass sich soziale Konfliktlagen sehr rasch und sehr nachhaltig dahingehend verdichten, dass die bestehende Systemloyalität in der Bundesrepublik in Frage gestellt wird. Es bleibt aber zweifelhaft, welche der anstehenden Wahlen in Deutschland bereits unter dem Eindruck eines solch epochalen Ereignisses stattfindet. Das Modell Kuba, Castro und Mauerbau nicht hartnäckig zu kritisieren, sondern als Option der Linken offen zu lassen, das ist der eigentliche Skandal. Schlimm ist, dass diese Optionen in der Partei erhobenen Hauptes vorgetragen werden. Und es darf als sicher gelten, dass die chinesische Vize-Außenministerin etlichen Mitgliedern von Marx 21 bis AKL im letzten Spiegel Interview aus dem Herzen spricht, wenn sie feststellt, dass Demokratie kein Essen auf den Tisch bringt. Warten wir also auf die Briefe an Kim Jong-il oder noch ganz schnell an Gaddafi?

Glücklicherweise gibt es nicht mehr viele überlebende Artekfakte aus der Zeit des kalten Krieges, denen heute noch Geburtstagswünsche auf den Weg gegeben werden könnten. In Nordafrika erhebt sich ganz aktuell die Bevölkerung gegen solche Despoten. Schade, wenn das Mauerbau-Si-Komitee und die AG Personenkult dies noch nicht zur Kenntnis genommen haben. Dieser Tage hätten ganz andere Briefe und Botschaften in die Welt verschickt werden können. Ärgerlich, dass dies verschlafen wurde. Verschlafen? Nein, das ganze Vorgehen hat Kampagnencharakter. Die Lebensbedingungen des linksbürgerlichen und linksdemokratischen Flügels in der Partei sollen zusehends sauerstoffarm gestaltet werden.
(jpsb)

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