Ratsherr Förste auf schlechtem Polittrip? Statt Politik 2.0 nur Peinlichkeit 2.0!

Es hätte alles so schön sein können. Die Norstadt-Connection erobert den Stadtrat und die Bürger feiern diesen großen Sieg als Befreiungsschlag des sozialen Gewissens in Hannover. Nun ist es mit 4.3 Prozent (-0,3 Prozent) doch etwas anders gekommen, nur das Feiern wollte nicht ausbleiben. Denn am Wahlabend der Kommunalwahl wurde auf der Wahlkampffete der Linken sehr ausgelassen und erheitert eine Niederlage zelebriert. Für Förste, Tannenberg & Co. kann es keine politische Rückstufung geben, solange sie vom Wähler nicht von den Futtertrögen verjagt werden. Und genau diese Herabstufung ist schlussendlich (noch) ausgeblieben. Da dieser Personenkreis das politische Alltagsgeschäft nur unter der Perspektive des persönlichen Fortkommens versteht (ein jeder mag selber schauen was die Damen und Herren so getan haben, bevor sie bei der Linken in Hannover untergekommen sind), scheint sich auch kein Sensorium dafür entwickelt zu haben, dass die Linke in Hannover allein durch die Niederlage der FDP begünstigt, formal an Möglichkeiten gewonnen hat, politisch jedoch erheblich Schaden genommen wurde.

Das alles interessiert Förste, der der Partei derzeit alles zu verdanken hat, wenig. Und so hat er scheinbar den Blick dafür verloren, dass die Tricks, die im Armenhaus der Intelligenz der politischen Szene in Hannover (Partei Die Linke) funktionieren, in der realen Welt zu einem Aufklatschen an der Realität führen. Nicht anders ist zu erklären, dass Förste Verhandlungstermine mit den Piraten öffentlich ankündigt, die von diesen postwendend als Hirngespinste zurückgewiesen werden. Ob Förste im Selbstüberhebungswahn Geisterschiffe gesehen hat, die mit ihm sprachen oder ob sich Capitano Oliver auch für die billigsten politischen Tricks nicht mehr zu schade ist, bleibt sein Geheimnis. Seine polit-nautischen Fähigkeiten erinnern derzeit jedoch mehr an die Fähigkeiten der Kapitäne der Amoco Cadiz oder der Exxon Valdez.

Das politische Schiff, das er da auftakelt ist dagegen eher ein Seelenverkäufer, da können die prosaischen und kommunalpolitisch entkernten Presseerklärungen der Ratsfraktion Bände sprechen. Denn auch das Kita-Thema in Hannover haben nun die Piraten geentert. Es bleibt abzuwarten, wer in Hannover Rot-Grün wirklich Dampf macht. Wer also ein eigenes schönes Segelschiff aufgetakelt hat, sollte kaum Interesse haben als Priesenmannschaft auf einem maroden und leckgeschlagenen Öltanker anzuheuern. Die Presseerklärungen der Piraten zum Thema der „Förstevision“ zeigen, dass es die hannoversche Szene eben nicht mit politischen Anfängern zu tun hat. Ob Förste begriffen hat, dass er sich seit diesem Wochenende in einem politischen Konkurrenzkampf befindet, der die Existenz der örtlichen Linken als tragende Oppositionspartei des alternativen Spektrums in Frage stellt? Wohl kaum. Ob allerdings die Landtagsfraktion begriffen hat, dass sie sich mit einem solchen Personal kaum schmücken kann, das ist die bedeutendere Frage. Denn neben den öffentlichen Peinlichkeiten, soll sich Förste auch interne Fehlschüsse leisten. In einer internen Mail soll er sich angeblich gegen die Anstellung der Landesgeschäftsführerin Kaminskis ausgesprochen haben, weil er sich ja dann gleich Diether Dehm in die Ratsfraktion hätte holen können. Es gibt viele politische Gründe die Kreisvorsitzende der Partei in Hannover nicht in die Hauptamtlichkeit der Ratsfraktion zu versetzen (zumal Kaminski immer eine berufliche Perspektive im Landesverband hat, ein jeder kann sich denken warum). Der von Förste vermeintlich genannte Grund ist jedoch abwegig und zeigt, dass Förste die Machtverhältnisse im Landesverband und in der Landtagsfraktion gegebenenfalls nicht einzuschätzen weiß. Es bleibt abzuwarten, wie lange sich Fraktionsgeschäftsführer Leidecker, Landesvorsitzender Sohn und Diether Dehm Förstes peinliche Aussetzer tatenlos anschauen werden. Nicht, dass am Ende Capitano Förste auf dem eigenem Schiff wieder als Heizer anheuern muss.
(jpsb)

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