Von dem Versuch des Okkupierens von “Occupy Hannover”

„Hoffentlich erkennt mich keiner. Hoffentlich weiß keiner, dass ich ein Mitglied der Linken bin. Oh, ist das wieder peinlich, warum muss man sich für seine Partei eigentlich immer schämen“, so oder so ähnlich werden sich die Mitglieder der Linken, die auf dem regelmäßigen Treffen des Bündnisses „Echte Demokratie jetzt“ am vergangenen Montag im Pavillon Hannover waren, gefühlt haben. Ein Bündnis, das sich an der Erfolgsstrategie der Occupy-Aktionen in den USA orientiert und diese Form des Protestes nach Hannover bringt.

Nein, die Linke hatte nicht kritisiert, dass der linke Ansatz, der eigentlich aus Spanien stammenden Aktion verloren gegangen ist, und nur der us-amerikanische unpolitische Anspruch der Kritik an den Banken übriggeblieben war. Stattdessen sind die Linken mal wieder, ohne auch nur an einem einzigen Bündnistreffen teilzunehmen, mit ihren Fahnen zur einer Demo gegangen, die sich nicht von parteipolitischen Organisationen okkupieren lassen möchte. Dass dies besonders unseren Linksruck/Marx21-Genossen sauer aufgestoßen ist, die in der Vergangenheit dafür bekannt waren Demos zu okkupieren, in dem sie mit 10 Leuten und 100 Plakaten aufschlagen, die sie einfach jedem in die Hand drücken, dürfte klar sein.

Solch Geschehen kennt der geneigte Linke, der über den Tellerrand der Partei, die sich den Namen eines Lebensgefühls einer ganzen Generation gegeben hat, leider schon länger. Debatten darüber sind nicht neu, sie gab es schon bei Anti-AKW-Bündnissen und auch beim Bildungsstreik. Leider sind es immer wieder die selben, die sich nicht an die Absprachen in den Bündnissen halten. Wie denn auch, wenn sie nie von Anfang an dabei waren, sondern immer erst dazu kommen, wenn die Bewegung erfolgversprechend in Bewegung ist.

Auf dem Bündnistreffen am Montag wurde dann auch folgerichtig und ausdrücklich noch einmal beschlossen, dass keine Organisation die Veranstaltungen des Bündnisses okkupieren soll, auch und gerade nicht die Linke und andere Parteien. Grund genug wohl für einen Kommentar auf der Seite der Linken Linden-Limmer, die im Occupy-Bündnis eine „sektenartige Psychogruppe“ am Werk vermutet und ernsthaft die Frage stellt: „Aus welcher politischen Ecke kamen sie, die jungen Männer in Schwarz“. Bezeichnend, dass die Mitglieder der Linken, die solche Kommentare verfassen, auf der Veranstaltung wohl weder ihre eigenen Genossen, noch bündnispolitisch bekannte Linksautonome erkennen. Möchte man seine eigenen Parteifahnen wirksam auf einer Veranstaltung sehen, muss man sich wohl endlich selbst in die Lage versetzen, mehr als das übliche traurige Häuflein zu mobilisieren. Das übliche Trittbrettfahren ist jedenfalls nicht im Sinne der Occupy-Aktivisten.
(twak)

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