Traumpaar gefunden – Linke zwischen Liebesgeflüster und Bratwürstchen!

Allen Kritikern zum trotz, die Inszenierung des Erfurter Parteitags als Ereignis von wenigen Zentristen, die einen strukturentmündigten Delegiertenkörper mittels Zuruf und Versprechungen beherrschten, hat zumindest vorläufig den Abwärtstrend in der Meinungsforschung gestoppt. Folgerichtig geben sich jetzt die Architekten dieser kompletten Übernahme des maroden Parteidampfers auch mit der dazugehörigen persönlichen Grandezza zum Besten. Ein gewisser Gregor Gysi soll auf dem Parteitag den Restgenossen gezeigt haben, was er von ihnen und dem Schlange stehen hält (komisch für einen Ossi) und Lafontaine, für viele Mitglieder längst „die Sonne des Volkes“, meint sich genötigt zu sehen, Partei, Welt und Deutschland seine „letzte“ männliche Eroberung zu präsentieren. Dereinst musste ein politisch erprobter Bundesgeschäftsführer das Feld räumen, weil er ein vermeintliches Liebesgeflüster für politische Ränkespiele genutzt haben soll. Nun setzen sich der Saarländer und die Hoffnungsträgerin des „linken“ Flügels als neue Parteiführung der Herzen in Szene.

Dass diese Liebesbotschaft nicht in der Bild-Zeitung oder in einer Burda-Publikation der interessierten „Weltöffentlichkeit“ annonciert wurde, zeigt erneut, dass Lafontaine Privatsphäre und politisches Signal gerne vermischt. Ob Alkohol schlürfend als Männerfreundschafts-Lafontaine mit Kanzler Schröder, ob nach rückgratslosem Ministerrücktritt als Familien-Oskar (mit Kind auf Schulter) oder nun als greiser Zar Ivan von der Saar und rückkehrwilliger Alleinherrscher (Eisenstein lässt grüßen) samt Eelektrakomplex geschwängerter Etatismus-Ikone Wagenknecht im Schlepptau, alle großen Schritte gilt es mit bildhafter Wirkungsmacht zu unterlegen.

Dass Lafontaine, Wagenknecht und Gysi der Zustand der Partei und der in ihr agierenden Karrieristen und Parteilohnabhängigen längst zu Kopf steigt, wen stört es? Auch im Reformlager werden die drei von der Staatstankstelle als Garanten des eigenen beruflichen Fortkommens begriffen und anerkannt. Wirklich unabhängige Kritiker einer Parteikultur, die sich gefährlich nah an den Sumpf zentralistischer und antiemanzipatorischer Traditionen heranarbeitet, gibt es kaum noch. Selbst analytisch richtige Kritik, wie in dem Text „Die nervöse Partei“, muss sich immer wieder in die Logik falsch verstandener Solidarität flüchten. Die Partei ist nicht nervös und sie besitzt auch klare Besitzverhältnisse. Weder gibt es Zweifel darüber, dass der Machtkampf in der Partei entschieden ist, noch zweifeln die Anhänger des staats- und lohnarbeitsfixierten Spektrums darüber, dass das neue Triumvirat aus Schlangenvordrängler, Mini-Napoleon und Luxemburgimitat-Imitat die Partei zu alter Stärke, wenigstens aber über die 5%-Hürde führen wird.

Richtig ist aber auch, dass nun abgewartet werden muss, ob das Erreichen des Umfragetals und die langsam sichtbare Erholung in den Meinungstrends von Dauer sein werden. Und das neue Dreigestirn muss sehr schnell Erfolge liefern. Die Landtagswahl in Schleswig-Holstein ist ein erster Prüfstein, ob die neue Familienkitsch-Linke eine unerwartete Aufholjagd starten kann. Den Kritikern und Gegnern des Starkultes um das neue Zentralkomitee muss daher angeraten werden, die nächsten Meilensteine auf dem Weg zur Bundestagswahl gelassen abzuwarten. Vorgezogene Wahlen zum Bundesvorstand machen nämlich da keinen Sinn, wo die tatsächliche Parteiführung ohnehin nicht von der Partei gewählt wird. Die Macht der neuen Führungsriege in der Linken ist eine direkte Folge der inhaltlichen und organisatorischen Schwächen der Partei. Diesen Mängeln folgt eine nachgeordnete Personalfindung, die vorhandene Defizite noch verstärkt. Fortschreitend entsendet die Partei dabei immer weniger befähigtes Personal in die Parlamente. Insbesondere im Westen ist die Eigenattraktivität der „Kader“ derartig gering, dass die Selbsterkenntnis reift, dass es
ohne die einzigen Stars der Partei weder in Schleswig-Holstein noch in Niedersachsen zum Wiedereinzug in die Landesparlamente reichen wird. Somit haben überholte Programmthesen und mangelnde Organisationsattraktivität viel mit dem um sich greifenden Personenkult zu tun (im Saarland stehen die Delegierten angeblich bereits auf, wenn Lafontaine und Wagenknecht den Saal betreten). Eine gefährliche Rückkopplungssequenz wird da in Gang gesetzt, deren Wirkung nicht von ungefähr, von Außen noch bestärkt wird.

Gerade die viel gescholtene bürgerliche Presse gehört zu den verlässlichsten Partnern der linken Politstars. Bei der Dramaturgie der Verelendung einer antiautoritären Parteikultur kommt der veröffentlichten Meinung nicht von ungefähr eine wichtige Bedeutung zu. Mit der Fixierung auf Verstaatlichung und Arbeitsfetisch spielt dieses Linke Führungstrio der kommenden etatistischen Phase bürgerlicher Herrschaft mehr als nur in die Hände. Die grundsätzliche Neudurchdenkung einer emanzipatorischen Gesellschaft, wird aber an den Fesseln einer allgemeinen Abhängigkeit von den Institutionen von Warenfetisch und Lohnarbeitsgesellschaft nicht gelingen. Aber dieses Einrichten im Falschen unter vermeintlich besseren Verwertungsbedingungen (Mindestlohn und Staatskontrolle) bilden das Credo der staatstragend ausgebildeten Politiker Lafontaine und Gysi. Dass nun der bürgerliche Politbetrieb Forderungen nach Mindestlöhnen und Finanzmarktkontrolle vermeintlich von der Linken übernimmt, ist also kein gutes Zeichen, sondern ein Rückgriff auf vormonetaristische Lenkungsinstrumente des Bürgertums selbst. Die Linke wirkt aktuell nur als vermeintlicher Vorreiter, weil sie in den letzten dreißig monetaristischen Jahren, qua eigenem arbeiterbewegten Erbes, im etatistischen hängen geblieben ist. Die Übernahme von Standardforderungen der Gewerkschaften und der Sozialdemokratie durch bürgerliche Volksparteien bleibt in der historischen Betrachtung ein Einholen durch Überholen. Das Lafontaine von einer solchen Überrundung nichts mitbekommen hat, kann gegebenenfalls an seinem Ego oder seiner widersprüchlichen Biografie liegen. Mit der Verkündung einer persönlichen Liaison zwischen ihm und der nicht weniger staatstragenden Wagenknecht hofft sich Lafontaine wohl auch neu zu erfinden. Dass sich die Partei dabei immer mehr in einen Familienbetrieb verwandelt, wenn stört es. Wirkungsvolle innerparteiliche Kritik kommt seit dem Erfurter Parteitag auf derlei leisen Sohlen daher, dass sie als Kritik kaum noch kenntlich ist. Jetzt hat der Wähler das Wort. Immerhin, das kann noch für Spannung bei der Linken sorgen.
(jpsb)

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One Response to Traumpaar gefunden – Linke zwischen Liebesgeflüster und Bratwürstchen!

  1. Muemmel Treitinger sagt:

    Weil mir folgender Text gefällt und zumindest ein wenig zum Thema passt.

    Ein Kabinettstück – DIE LINKE ehamals kommunsitisch, ex-sozialdemokratisch (nach einer wahren Begebenheit):
    Naktar: Hallo Ptelaj, schön dich zu sehen. Wie gehts? Mir geht es gut und dir scheint es nicht schlechter zu gehen als sonst. Wenn ich dich schon mal sehe, da hab ich doch gleich eine Frage an dich,….

    Ptelaj: An mich? Wie kommt’s?

    Naktar: Du bist ja politisch und so und ich will mcih da jetzt auch mal engagieren. Und ich will das auch so richtig konsqeuent machen. Es liegt ja soviel im Argen…

    Ptelaj:… im Argen…

    Naktar: Ja im Argen. Und ich denke, dass alles geändert werden muss…

    Ptelaj:…alles….

    Naktar: Ja alles. Keiner soll mir mehr befehlen oder was rauben, mich ausbeuten oder mir schaden….

    Ptelaj: … dir schaden …

    Naktar: Genau, mir nicht und dir natürlich auch nicht und niemanden von unserem Freunden und niemanden, der das nicht verdient…

    Ptelaj: …verdient…

    Naktar: Na und da dachte ich, red doch mal mit Ptelaj. Hat ja Ahnung von sowas, macht sowas ja schon lang. Und ich dachte mir, Ptelaj wird mir bestimmt sagen, dass ich links werden soll – und richtig so. Und du kennst mich ja…

    Ptelaj:…ja…

    Naktar: Und du weißt ja, dass ich immer 100%ig hinter dem stehe zu was ich mich entscheide…

    Ptelaj:…100%ig… außer du schläftst.

    Naktar: Aber das tue ich ja gerade nicht und so ein Nickerchen kann mir ja schon gönnen.

    Ptelaj: Ich gönn dir alles.

    Naktar: Nun lass mich aber endlich mal zur Sache kommen. Ich will jetzt links sein – hab ich ja schon gesagt. Aber so richtig. Wenn sollte ich da denn unterstützen? Sozialdemokraten geht natürlich nicht, da sagen sogar die Nachbarn, dass die nicht mehr links sind….

    Ptelaj: Waren die jemals links?

    Naktar: Die Sozialdemokraten?

    Ptelaj: Die Nachbarn.

    Naktar: Keine Ahnung, die sind ja auch nicht wichtig. Da dachte ich an die Grünen, aber die Kollegen habe mich aufgeklärt, dass die auch nicht mehr links sind.

    Ptelaj: Waren die jemals links?

    Naktar: Die Grünen?

    Ptelaj: Die Kollegen.

    Naktar: Nun dachte ich an die LINKEN, immerhin nennen die sich ja auch noch links. Und da wird schon was dran sein.

    Ptelaj: Da ist was dran.

    Naktar: Aber du verstehst mich sicher, dass ich da nicht enttäuscht werden will. Also will ich diejenigen dort unterstützen die noch linker sind, damit die LINKE nicht wie die Grünen oder die Sozialdemokraten wird…

    Ptelaj:..oder wie die Nachbarn und Kollegen.

    Naktar: Wie jetzt? Ist ja auch egal. Nun wen soll ich da bei den Linken untersützten? Sicher doch den Lafontaine – der hat die Sozialdemokraten verlassen, als die nicht mehr links waren…

    Ptelaj: So alt ist der schon?

    Naktar: Ist doch keine Frage vom Alter. Der redet auch gut. Dem hören die Leute zu.

    Ptelaj: Für was braucht der dich dann?

    Naktar: Na damit ihm noch mehr zuhören.

    Ptelaj: Was sagt er denn so.

    Naktar: Viel gutes und er klagt Unrecht an.

    Ptelaj: Meinst du jetzt Folter und so und die Lage von Flüchtlingen und fremde Arbeiter?

    Naktar: Genau, da sagt er viel Gutes zu. Der redet richtig gut.

    Ptelaj: Aber ich glaub der ist nicht links….

    Naktar: Wie kommst du denn darauf? Natürlich ist der links, sogar sehr links,….

    Ptelaj: Ich mein ja nur, dass jemand der viel Gutes zur Folter sagt, mir jetzt nicht so links vorkommt.

    Naktar: Vielleicht hast du recht, er könnte echt schon zu alt sein. Aber die Wagenknecht… hast du die letztens im Fernsehen gesehen?

    Ptelaj: Nein,…

    Naktar: Die war da doch hervorragend, fandest du nicht auch?

    Ptelaj: Ich habe es nicht gesehen.

    Naktar: Musst du aber. Von der kann man eine Menge lernen…

    Ptelaj: Z.b. wie man hervorragend im Fernsehen ist?

    Naktar: Genau, aber noch viel mehr. Die erklärt die Wirtschaft und ähnliche Dinge.

    Ptelaj: Is aber nett von ihr.

    Naktar: Eben … und das macht die nicht mal für Geld.

    Ptelaj: Hervorragend… von was lebt die eigentlich?

    Naktar: Weiß ich jetzt nicht, aber so hervorragende Leute müssens ich um sowas keine Sorgen machen.

    Ptelaj: Ich wär auch gern hervorragend.

    Naktar: Die war sogar mal Kommunistin. Das ist doch jetzt mal so richtig links.

    Ptelaj: So wie beim Lafontaine, der war auch mal Sozialdemokrat.

    Naktar: Eben. Aber die braucht Unterstützung, die hat in ihrer Partei Kritiker.

    Ptelaj: Bestimmt keine ehemaligen Kommunisten und Ex-Sozialdemokraten.

    Naktar: Genau. Gegen die müssen wir ihr doch beistehen. Sie ist doch so hervorragend.

    Ptelaj: Aber wie können wir ihr denn helfen, sie ist doch so hervorragend und wir so einfach?

    Naktar: Das wird sie uns schon sagen.

    Ptelaj: Hervorragend…. Aber Naktar , sag mal, ist die nicht auch dagegen, dass alle Leute in der Partei bei Urwahlen mitabstimmen. Will die wirklich unsere Hilfe?

    Naktar: Aber natürlich will sie die, solange du links bist und nicht niemals ex-sozialdemokratisch oder ehemals kommunistisch warst. Nur die anderen sollten besser nicht abstimmen, deine Stimme will sie bestimmt. Du warst ja schon immer links.

    Ptelaj: Ich verstehe. Wem sollen wir da eigentlich noch helfen, wenn wir schon dabei sind.

    Naktar: Ich hab da so ein paar Namen gehört…

    Ptelaj: Zoe, Claude, Erasmus, Pippi, Ludwig, Sandra…

    Naktar: Nein, nein – richtige Namen von richtigen Menschen; Dehm, Dagdelen, Ernst, Dreibus, Maurer….denen müssen wir helfen.

    Ptelaj: Warum?

    Naktar: Die helfen Wagenknecht.

    Ptelaj: Das sind dann also unsere Kampfgenossen?

    Naktar: Genau Kampfgenossen…

    Ptelaj: Und gegen wen kämpfen wir dann?

    Naktar: Na gegen deren innerparteilichen Gegner.

    Ptelaj: Wir müssen also mit unseren Kampfgenossen gegen andere Genossen kämpfen?

    Naktar: Exakt.

    Ptelaj: Das sind dann also die Bekämpfungsgenossen.

    Naktar: Sicher – die bekämpfen unsere Genossen. Aber wir müssen gewinnen.

    Ptelaj: Und wenn wir verlieren?

    Naktar: Dann wird die LINKE nicht mehr links sein.

    Ptelaj: Also nicht mehr ehemals kommunistisch und ex-sozialdemokratisch.

    Naktar: Richitg. Also ich trete morgen ein .. du doch auch – wir sehen uns morgen. (geht ab)

    Ptelaj: Ich trete morgen also in die LINKE mit Naktar ein, damit die ex-sozialdemokratisch und ehemals kommunistisch wird. Und weil hier auch mal jemand zuhören muss. Und um Genossen zu bekämpfen.