Eine Linke zum Abgewöhnen: Wenn ich nicht mehr weiter weiß, schreib ich einen Sch… herbei…

Die Junge Welt zeigt wie es geht. Ob Mauerbau-Ode oder bierseliger Verdachtsjournalismus aus der Welt der Kneipengerüchte und subalternen Blogger, nichts ist dem erbärmlichen Blatt aus der Hauptstadt zu peinlich, um die glücklicherweise armselige Auflage zu steigern. So ist nach der Mauerbau- und DDR-Verklärung schnell ein neues Schlachtfeld aufgetan, um der Postille der „Ewig Gestrigen“ zwei, drei neue Genossenschaftler in die Arme zu treiben. Unter dem Titel „Sarrazin des Tages: Dietmar Bartsch“, werden dem ehemaligen Geschäftsführer der Partei Behauptungen in den Mund gelegt, die wenig mit den politischen Idealen zu tun haben, für die der Bundestagsabgeordnete bisher seine politische Lebenszeit verwendet hat. Als viele Gralshüter der richtigen Sache noch ihre SPD-Mitgliedschaften pflegten, war Bartsch bereit, mit persönlichem Risiko, gegen die ökonomische Abwicklung einer sozialistisch demokratischen Partei zu kämpfen. Und als Geschäftsführer der Partei hat er wesentlich zur Transferunion beigetragen, die es den Mitgliedern aus den östlichen Ladensverbänden aufbürdet, den aktuell stümperhaft betriebenen Westaufbau, auf ihrem Beitragsrücken zu stemmen. Der Westen der Partei zeigt sich wenig dankbar. Regelmäßig wird Bartsch, in überwiegend intelligenzbefreiten Beiträgen (s. Nele Hirsch und Inge Höger) unterstellt, dass er aus der Partei eine zweite SPD machen will. Dass dies kaum stimmen kann, zeigt der letzte SPD-Parteitag, der nur als Entwicklungshilfe für Die Linke richtig interpretiert werden kann.

Mit der neuen „Marketingprovokation“ dürfte die sog. JW allerdings über das Ziel hinausgeschossen sein. Solidarisierungseffekte zeichnen sich ab, und zwar für Bartsch. Der Sarrazin-Vergleich ist derart infam und abwegig, dass diese Zuspitzung die Sympathien für seine Kandidatur nur noch steigern wird. Und so schließt sich der Kreis zwischen JW-Boykott und ungewollter Unterstützung einer persönlichen Initiative, die offensichtlich für soviel Angst bei den Anhängern des „Fairplays der besonderen Art“ sorgt, dass ihnen jedes Maß verloren geht.

Und: All diejenigen die sich besonders verhemmt für die Existenz des Intrigenblattes gegen politisch Andersdenkende eingesetzt haben, wie etwa DDR-Beschöniger und Linken Landesvorsitzender Manfred Sohn (Niedersachsen), werden sich irgendwann fragen lassen müssen, wie sie mit einem möglichen Vorsitzenden Bartsch anständig und produktiv Politik machen wollen, wenn sie auf der anderen Seite diese Art von Journalismus finanziell unterstützen. Den überwiegend westlichen Kritikern sei empfohlen, die eigenen Hausaufgaben vor Ort zu lösen. Mit aktuellen Umfragewerten der Landesverbände Baden-Württemberg und Hessen von 2 bis 3 Prozent (jeweils 8.12.2011 infratest-dimap), hätten gerade die Bartsch-Kritiker aus den alten Bundesländern alle Hände voll zu tun, um in ihren Landesparteien existenzsichernde Maßnahmen zu ergreifen.
(jpsb)

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