Kommentar: Die Partei hat die Wahl! Fast!

Das Ergebnis liest sich wie eine abstrakte Zahlenfolge. 6-4-1 ist die Formel, die ausdrückt, dass die Partei Die Linke ihre eigenen partizipativen Demokratievorstellungen nur dort angewendet sehen möchte, wo sie selber am wenigsten stören: Woanders!

Hätten beide Vorsitzende Kurs gehalten und für ihre eigenen Ideen gestimmt, der Antrag auf die Durchführung einer beratenden Mitgliederbefragung über den zukünftigen Parteivorsitz hätte im geschäftsführenden Parteivorstand eine Mehrheit gefunden. Der 12. Januar lässt keinen Zweifel darüber, dass die Linke zwei neue Vorsitzende braucht. Lötzschs Enthaltung ist skandalöser als Ernsts Ablehnung des Mitgliederentscheids. Weder braucht die Partei Vorsitzende, die keine taktische Gradlinigkeit besitzen, noch ist es sinnvoll einen Kapitän Gaga auf der Brücke zu belassen, der (nach nun eigener Meinung) halbgare Ideen in den öffentlichen Raum posaunt, um sie nur wenige Monate später im Vorstand zu widerrufen.

Mit dem 12. Januar hat sich aber auch das „Modell gewisser Kreise“ erledigt, denn es war ja Gysi, der dieses katastrophale Führungsduo inthronisiert hatte. Ob nun die Stunde der großen Beratungsrunden kommt (Landesvorsitzende etc. pp.), wie sie etwa Katina Schubert vom FdS vorgeschlagen hatte, bleibt abzuwarten. Blauäugig ist es aber zu meinen, dass ein solcher Zirkel zu besseren Ergebnissen kommt, als die gewissen Kreise. Ob nun die Vorsitzendenrunde oder Gysis Politbüroverschnitt, in beiden informellen Gremien sind die Einflussgrößen klar. Dies zu verkennen ist ein Privileg derer, die ohnehin nach allen Seiten offen sind.

Bleibt also zu hoffen, dass der Teilerfolg des gestrigen Tages (Regionalkonferenzen, frühzeitige Kandidaturenfindung etc.) einen basisdemokratischen Personalfindungsmodus mit anderen Mitteln herbeiführt. Insofern kann den Verhandlungsführern der Antragsteller und den Unterstützern des Antrages im geschäftsführenden Parteivorstand ein großes Lob ausgesprochen werden, da sie mit diesem belastbaren Ergebnis die Würde der Partei gerettet haben.

Sofern Lafontaine nicht wieder „mannheimern“ will, muss er bald Flagge zeigen, vor allen Dingen dann, wenn Bartsch auf Werbe- und Unterstützungstour geht. Der Parteivorstand hat am gestrigen Donnerstag zumindest dafür Sorge getragen, dass er dies nun ganz offiziell tun kann. Wie sollen informelle Gremien parallel zu Regionalkonferenzen tagen, in denen sich die Kandidaten gerade der Basis präsentieren. Nimmt also Lafontaine die Tour de Force durch Regional- und Kreiskonferenzen an? Dies bleibt die Frage, die es zu klären gilt. Dagegen spricht Lafontaines Rüffel in Richtung Gysi. Der hatte den Saarländer schon Vorlaut als nächsten Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl 2013 ins Rennen geschickt. Wer so etwas in die Öffentlichkeit setzt, schadet bewusst oder unbewusst Lafontaine, dem es jetzt nur um eines gehen kann: Bartsch verhindern. Dies kann unter Umständen bedeuten in Göttingen selber nach dem Parteivorsitz zu greifen. Parteivorsitz und Spitzenkandidatur (Fraktionsvorsitz) in der Hand eines Endsechzigers? Wer in der Partei will sich auf ein solches Szenario wirklich einlassen zu Deutschlands erfolgreichster Rentnerpartei zu werden.
(jpsb)

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3 Responses to Kommentar: Die Partei hat die Wahl! Fast!

  1. Frank Heinze sagt:

    “Chinesenficker” – LINKE MdL verurteilt

    Bartsch wurde ja neulich auch wegen angeblicher diffamierender Äusserungen in Bezug auf Hartz4-Empfänger angegriffen.

    Tatsächlich kam es nun im Saarland wegen tatsächlicher sexistischer und rassistischer Äusserungen zu eine Verurteilung von LINKE MdL und stellv. Landesvorsitzender Dagmar Ensch-Engel.

    Sie muss künftig darauf verzichten, einen mittlerweile ausgeschlossenen Parteigenossen – welch ein Zufall! – als „Chinesenficker“ zu bezeichnen, da ihr bei Zuwiderhandlung ein empfindliches Ordnungsgeld droht.
    http://www.scharf-links.de/90.0.html?&tx_ttnews%5Btt_news%5D=21044&cHash=ab0d0bee23

    und

    http://www.demokratisch-links.de/das-chinesenficker-urteil

    Ich habe bisher keine Rücktrittsforderungen vernommen… .

  2. Pingback: Jahresauftakt der LINKEN 2012 | bo valentin

  3. Rolf Köhne sagt:

    Bis Göttingen ist noch genügend Zeit. Bis Ende Januar könnte aus dem Kreise der juristisch gebildeten ME-Befürworter ein Antrag auf Satzungsänderung (u. ggf. Einberufung eines Sonderparteitages) erarbeitet werden. Bis Ende Februar werden 5000 Unterschriften zur Erzwingung eines Mitgliederentscheides gesammelt. Bis Ende April könnte die Satzungsänderung erfolgt sein. Unmittelbar danach kann die (ggf. empfehlende) Wahl der Vorsitzenden per ME erfolgen.

    Meine Adresse zwecks Unterschrift:
    28C Graceful Mansion
    Discovery Bay
    Hong Kong