62 Prozent der Saarländer unzufrieden mit Lafontaine. OLAF sucht neues 90 Prozent-Volk

Während in der Auslaufzone des menschlichen Verstandes, also in einem webbekannten Forum eines bekannten Blogs zur Partei Die Linke, die aktuelle infratest-dimap Umfrage für das Saarland (Die Linke 15 Prozent) noch als großer Erfolg gefeiert wird, erkennen andere Beobachter im neuen Zahlenwerk Widersprüchliches. Denn neben der reinen Sonntagsfrage haben die Meinungsforscher für den Saarländischen Rundfunk in Erfahrung gebracht, dass rund 62 Prozent der Saarländer mit dem Spitzenpolitiker Lafontaine „gar nicht“ oder „weniger zufrieden“ zu sein scheinen.

Damit liegt Volkstribun Lafontaine nur auf Platz 4 des aus 5 Spitzenpolitikern des Saarlandes bestehenden Rankings. Selbst Grünen-Frau Simone Peter rangiert vor der linken Lichtgestalt, der sich sowohl auf Weihnachtsmärkten als auch auf Faschingssitzungen als (klein)bürgerlicher Berufspolitiker zu inszenieren weiß. Die Saarländer danken es ihm nicht persönlich, denn Lafontaine muss hinsichtlich der persönlichen Zustimmungswerte die meisten Federn im Vergleich zum vorherigen Erhebungszeitraum lassen (- 7 Prozent). Für den Anführer der selbsternannten 90-Prozent-Bewegung sicherlich eine herbe Enttäuschung. Da das Saarland ja aber nur ein Zwischenstopp für die Reinkarnation Napoleons ist (s. Faschingskostüm), klappt es vielleicht in Restdeutschland mit der Einparteien-, sorry, Einpersonenherrschaft. In der Linken dürfte dieser Zustand ggf. eher erreicht sein.

Geneigte Kreise lassen im parteiinternen twitter-Gewitter bereits vermelden, dass Lafontaine bei einem Ergebnis von über 20 Prozent, auf dem Parteitag unschlagbar sei. Ganz genau wie Napoleon, bis zu dieser einen Schlacht, aber lassen wir das. Was sich wie die Kakophonie des Personenkultes anhört, ist in Wirklichkeit das Pfeifen im dunklen Karrierewald. Lafontaine gilt mittlerweile auch etlichen Reformern als eigentlicher Garant für das Weiterexistieren als Teil der politischen Klasse der Bundesrepublik. Ob das Ergebnis im Saarland noch wirklich eine Rolle für den nächsten Parteitag spielen wird, darf damit angezweifelt werden. Was interessanter erscheint ist jedoch die Tatsache, dass die SPD im Saarland auch nach der letzten Umfrage, im Vergleich zur letzten Landtagswahl, gut 12 Prozent zugelegt hat. Trotz der Dauerpräsenz Lafontaines in der Landespolitik, trotz der defacto Festlegung der SPD auf eine große Koalition und trotz der Tatsache dass sich Lafontaine als Steigbügelhalter für Maas geradezu andienert, bleibt es dabei, dass in den letzten Jahren die SPD in Lafontaines Stammland politischen Boden auf Kosten der Linken wieder gut gemacht hat. Lafontaine hat zumindest im Saarland seinen Ruf als SPD-Schreck verloren. Die vom Umfeld des verehrten Anführers indes proklamierte Sogwirkung der Wahlen im Saarland für die Genossinnen und Genossen in Schleswig-Holstein, könnte dann die selbe sein, wie die, die von der sinkenden Titanic ausging.
(jpsb)

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