Macht – Ein Essay

Über menschliche Abgründe, Ziele und Hoffnungen
Einige Gedanken von Linda Block

„Der Mensch ist dessen nicht mächtig, worüber er verfügt.“
Helmut Thielicke (1908-86), dt. ev. Theologe

1.Einführung
„Keine Macht für Niemand“ forderte schon 1972 Rio Reiser mit seiner Punkband „Ton Steine Scherben“. Doch was ist Macht eigentlich? Wer besitzt Macht? Kann man sie kaufen oder nur erhalten? Kann überhaupt jeder zu Macht gelangen oder nur einige wenige? Warum sollte sie nach Reiser niemand innehaben? Und ist innehaben überhaupt der richtige Ausdruck dafür?

Nur eins ist sicher: Macht existiert. Und zwar überall und das schon seit Jahrtausenden. Nicht umsonst beschäftigen sich viele literarische Werke mit den verschiedenen Formen der Macht – und andersherum wird Literatur auch zur Ausübung eben jener genutzt. Macht ist etwas, mit dem man sich ungern beschäftigt. Sie ist etwas schlechtes, dreckiges, ja gar verrufenes. Am liebsten würde man sie völlig ausblenden. Doch das ist nicht möglich.

Wenn man nun, wie ich es hier tun werde, davon ausgeht, dass Macht immer und überall existiert, dann stellt man sich doch ganz automatisch die Frage: Warum ist es für uns dann so etwas schlechtes? Spontan fällt mir nichts anderes ein, was so nah mit uns zu tun hat, was wir auch nur ansatzweise mit solch schlechten Attributen betiteln. Aber warum ändern wir dann nichts daran? Es gibt zwei Wege etwas am Ansehen der Macht zu ändern. Entweder die Sichtweise oder die Art der Ausübung.

Im Laufe dieses Essays werde ich auf die Macht in der Geschichte und die Macht in der Moderne eingehen. Werde Fragen stellen und hoffentlich auch Antworten auf sie geben können. Werde lesen, erforschen, in Frage stellen. Und werde hoffentlich bisher unbekannte Schlüsse ziehen – wenn auch nur für mich selbst.

Ich hoffe dieser Text kann Sie begeistern, sie neugierig machen selbst zu hinterfragen. Nicht alles so hinzunehmen wie es Ihnen hingelegt wird. Vielleicht sogar sich selbst in Frage zu stellen.

Nun denn, schreiten wir voran getreu dem Motto: „Wer nicht wagt,.der nicht gewinnt“ und schauen wohin uns unsere kleine Exkursion in menschliche Abgründe führen wird.

2. Vorbereitung
Zur Vorbereitung nutzte ich mehrere Bücher ganz oder ausschnittweise, informierte mich im Internet oder dachte einfach über bereits gelerntes nach. Zum einen geschichtliches, zum anderen Dinge, die mir im Leben bereits begegneten.

Ich empfehle zur Vorbereitung auf dieses Essay, auch wenn ich hoffe, dass alles auch ohne Vorwissen verständlich ist, sich in Leon Manns Buch „Sozialpsychologie“ einzulesen und eine Mitgliederveranstaltung mit Wahlen der Linken zu besuchen. Einfach, damit man in Stimmung kommt.

3. Was ist Macht?
3.1 Definition
a) Soziologisch

„Als sozialwissenschaftlicher Begriff bezeichnet Macht einerseits die Fähigkeit, auf das Verhalten und Denken von Personen und sozialen Gruppen einzuwirken, andererseits die Fähigkeit, Ziele zu erreichen, ohne sich äußeren Ansprüchen unterwerfen zu müssen. Die beiden Sichtweisen werden auch als „Macht über“ und „Macht zu“ bezeichnet. Macht gilt als zentraler Begriff der Sozialwissenschaften und ist als solcher in ihrem Bedeutungsumfang umstritten (essentially contested).“ http://de.wikipedia.org/wiki/Macht

Also kann man kurz unterteilen in „Macht über sich“ und „Macht über Andere“ („Macht über“ und „Macht zu“). In diesem Essay werde ich mich rein dem „Macht über Andere“ widmen, denn „Macht über sich“ hätte auch noch tiefgreifendere, spirituelle Abzweigungen, denen man nachgehen müsste.

Der Brockhaus impliziert des weiteren, dass „Macht als Voraussetzung für ein geregeltes gesellschaftliches Zusammenleben sozial notwendig sei.“

b) Sozial

„Die Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstände durchzusetzen, gleichviel, worauf diese Chance beruht. Machtstreben wird mit dem menschlichen Bedürfnis nach Sicherheit in einem engen Zusammenhang gesehen.
Macht ist (somit) ein Überbegriff für Beziehungen, in denen eine oder mehrere Personen das Verhalten, die Einstellungen oder Überzeugungen anderer bestimmen.“ http://www.iovialis.org/download/macht.pdf

3.2 Gedanken
Ich habe mich für dieses doch sehr komplizierte, undurchsichtige Thema eigentlich aus politischen Gründen entschieden. Nach einem kurzen Blick in politische Gefilde ist mir die übermächtige Machtstruktur aufgefallen, welche undurchdringbar wirkt. Jeder versucht durch Machteinsatz zu noch mehr Macht zu kommen. Vielleicht, weil das, was er erreichen will in seinen Augen etwas sehr erstrebenswertes für die Welt ist, vielleicht aber auch nur, um sich den Sommerurlaub zu finanzieren.
Ob das eine oder das andere: Beides beruht oft nur auf der Meinung des Einzelnen im Bezug auf Viele. Und das sollte meiner Meinung nach nicht so sein.

4. Die Thesen
Die Thesen, welche ich hier beweisen möchte lauten:

a) Macht ist allgegenwärtig.
b) Macht ist für jeden erreichbar.
c) Machtausübung gegenüber anderen ist unnötig…
d) …aber nicht vermeidbar.

5. Warum gibt es Macht?
Wie oben bereits erwähnt, halten einige Sozialforscher Macht für unabdingbar und fest mit dem menschlichen Sein verknüpft. Wenn man dieser Aussage glauben möchte, dann gibt es Macht, weil Menschen sie seit Anbeginn der Zeit in sich tragen und automatisch ausspielen. Der Zweck der Macht ist bereits in der Definiton zu finden: Menschen zu dem bringen, was man selbst möchte. Und das wird auch der Grund ihrer Existenz sein, denn warum sollte man Menschen nicht zu seinem Zwecke nutzen, besonders wenn man sein Ziel für dienlich und erstrebenswert hält – in welchem Fall auch immer.

5.1 Warum streben Menschen nach Macht?
Es beginnt bereits als kleines Kind, wenn man die Macht erkennt, die ein Schreien auslösen kann. Mutter (oder Vater) werden kommen, wenn man schreit und weint. Man bekommt die Aufmerksamkeit, das Glas Wasser oder einfach nur seinen Willen. Der Sinn dahinter scheint klar: Einfach nur das bekommen, was man will. Im Leben geht es dann so weiter. Je nachdem wie die Sozialisierung verlief und man sich gut oder schlecht mit seinem Machtstreben durchsetzen konnte, wird der weitere Weg gezeichnet. Doch wenn man mit seinem Machtstreben als Kind sich nicht durchsetzen konnte, waren dann nicht die Eltern diejenigen, welche die Macht in der Hand hatten?

Es scheint ein Kreislauf zu sein. Wenn dir jemand Macht verbietet, ist er selbst der, der die Macht inne hat. Offensichtlich kann man Macht dann wohl auch inne haben – und zwar immer einer von beiden.

Menschen haben Ziele. Jeder Mensch hat ein Ziel. Vielleicht nicht immer und dafür auch manchmal drei gleichzeitig. Und um Ziele zu verwirklichen muss man Wege gehen. Und wenn einem der Weg nicht freiwillig geöffnet wird, weil dort vielleicht jemand sitzt, der meint er müsste ihn verweigern, weil du „nicht einer von ihnen sein sollst“, also damit das elitäre Denken beibehalten werden kann, dann bist du entweder gezwungen dir ein anderes Ziel zu suchen oder aber du begibst dich selbst auf die Pfade der Macht und versuchst durch Einfluss, andere Machtinhaber, Geld oder Informationen an dein Ziel zu kommen. Denn den Machthabern wirst du nur als gleichwertiger Mensch vorkommen, wenn du selbst Macht in Händen hälst. Zumindest die Art von Macht, die ihrer eigenen entspricht.

So ist es ein Kreislauf, der nur schwer durchbrochen werden kann, denn auf viele seiner Ziele zu verzichten, nur um nicht mit den Mächtigen in Kontakt zu kommen, ist unmöglich. Der Nachteil an Macht und Menschen ist: Wenn man einmal etwas hat, dann will man mehr. Ganz nach der Maslowschen Bedürfnispyramide strebt der Mensch immer nach der höheren Stufe, wenn er die voherige erreicht hat.

Natürlich gibt es Alternativen zum Machtstreben, doch die sind unsicher und kompliziert. Und wie wir wissen ist der Mensch an sich doch eher nach dem einfachsten Weg ausgerichtet.

5.2 Was wollen Menschen mit Macht erreichen?
Dies ist eine Frage die nur sehr schwer beantwortet werden kann. Wenn wir im Kleinen anfangen, dann will das Kind vielleicht wirklich nur die Aufmerksamkeit der Mutter oder des Vaters erlangen, um nicht allein sein zu müssen, um Anerkennung zu bekommen, denn danach gelüstet es doch jedem Menschen, um sich nicht mit Dingen allein auseinandersetzen zu müssen, denn Menschen sind „Rudeltiere“ und nur die wenigsten von uns überleben allein.

Also geht es getreu dem Motto „Mächtig gewaltig, Egon. Mächtig gewaltig.“ – je gewaltiger, desto mächtiger. Und je mächtiger desto gewaltiger und das zieht die Menschen an.

Im fortschreitenden Alter zieht es uns dann in andere Gefilde. Nachdem es in der Grundschule darum ging nicht der Klassenaussenseiter zu werden passt man sich an. Aber ewige Anpassung wird langweilig und so sucht man nach Möglichkeiten sich zu profilieren. Nun ist es wirklich Pech, wenn man kein gesellschaftsfähiges Talent hat, welches die Mitschüler an einen bindet. Doch auch mit Talent fällt es schwer keine Macht auszuüben, denn durch den Einsatz eben jenes Talentes manipuliert man – und Manipulation ist nichts anderes als Machtausübung. Man stelle sich vor, man ist ein Kind mit einem bemerkenswerten Erinnerungsvermögen und das kleine 1×1 fällt ebenso leicht wie das große. Das führt auf der einen Seite zu Anerkennung, aber auf der anderen Seite auch zu viel Neid. Nun hat man schon mal ein Talent und es führt direkt wieder dazu, dass man ausgegrenzt wird.

Da hat es der Kleine XY doch viel leichter, dessen Talent es ist mit zwei Fingern zu pfeifen und so witzige Momente hervorzurufen. Nun hat man zwei Möglichkeiten: Man akzeptiert sein Grundschulleben (was in dieser Zeit ja das einzige ist was man sich jemals vorstellen kann) oder man versucht über andere Wege eine höhere Position in der Klassengemeinschaft zu ergattern.

So gibt es während der Schulzeit immer wieder viele Möglichkeiten seine Macht, die im späteren Schulverlauf auch wunderbar durch Wissen erlangt werden kann, auszubauen und sich darin zu üben. Wer erinnert sich nicht an die „coole Klassentussi“, die schon rauchte, hübsch war und dir gleichzeitig Schläge androhte? Man musste schon sehr stark sein um keine Angst vor ihr zu haben – und bewundert hat man sie trotzdem. Aus meiner Erfahrung haben es eben diese aber im Leben zu kaum einer wirklichen Machtposition gebracht.

Zu einem wirklichen, echten Machtgebrauch kommt es dann erst in der Weiterbildung, der Ausbildung oder (im Allgemeinen) in der Zeit nach dem 18. Lebensjahr. Hier zeichnet sich der Weg eines jeden, zumindest für die nächsten, vielen Jahre, in den meisten Fällen genau ab.

Ich kann eigene Entscheidungen unabhängig von meinen Eltern treffen und gelange so in die absolute Machtposition, zumindest mir selbst gegenüber. Das Leben lockt mich mit all seinen Möglichkeiten und aus jeder nur erdenklichen Ecke wispert es: „Du musst was aus dir machen. Du musst lernen. Musst Geld verdienen.“. Und Geld ist Macht. Das begreift man spätestens dann, wenn man sich das erste Smartphone mit eigens auf einen selbst zugeschnittenen Vertrag mit Apps und Flats abgestaubt hat. Ich habe die Macht ständig up to date zu sein, kann konfigurieren, modifizeren und kann mich so darstellen, wie ich sein will.

Früher war das Smartphone vielleicht das erste eigene Paar Seidenhandschuhe für die Damen oder der erste Zylinder vom eigenen Geld für die Herren. Vielleicht auch erst die eigene Kutsche samt Rappen – oder das Elektroauto. Doch auch Menschen, die aus Überzeugung Trabbi oder Ente fahren sind gierig nach Macht. Nicht, dass es sonst so erscheint, als würde Macht vom sozialen Status abhängen.

Aber um zurück zu kommen: Geld bedeutet Macht!

Nun muss man nur in die richtige Position kommen um möglichst viel Geld zu verdienen. Und wo geht das besser als an den Hebeln dieser Welt? Also trete ich in eine Partei ein, mache dann, meinen Eltern zuliebe, eine bodenständige Ausbildung bei der ich mich in Gewerkschaften engagiere, steige in der Leiter Stück für Stück nach oben. Studiere dann Politikwissenschaften und Jura und werde letztendlich entweder Politiker, ein hohes Tier in der Wirtschaft oder, für die, die richtig Kirmes wollen: Lobbyist.

Nur leider ist dieser Weg nicht für alle möglich, denn die, die jetzt schon oben sind, die möchten sich ihren Platz ja nur ungern streitig machen lassen. Wenn man also nun nicht zu den „Erwählten“ gehört, welche sich eben diesen Weg leisten können, denn ja, auch der ist eine Frage des Geldes, der hat nicht viele Möglichkeiten, an diese Form der Macht zu gelangen, die unseren Staat ausmacht. Mit Glück ist man vielleicht ein guter Redner oder sieht einfach nur gut aus, so dass man für die eine oder andere Chance durch gute Kontakte an die Öffentlichkeit oder an gewisse Strukturen zu kommen, die einen nun in eine Machtposition heben – aber nur, weil man gerade ihrem Zwecke dient. Nun kann man nur indem man wirklich klug und durchdacht handelt aus dieser Nutzrolle in eine Handelnde zu gelangen.

So einige Menschen in der Geschichte haben das geschafft, doch die die mir einfallen haben eher von der „bösen Seite der Macht“ genascht, wenn man vom Dalai Lama mal absieht, der – je nach Glauben – von einer höheren Macht erwählt und durch ein aufwendiges Auffindungsverfahren gefunden wird, oder einfach zufällig als „Die Reinkarnation“ betitelt und ernannt wird. Ansonsten sind da Staatsführer wie Berlusconi, Hitler, Bush, Bush jr., Stalin u.Ä, die aus mehr oder minder schwierigen Verhältnissen in Machtpositionen gelangt sind und sich auf die eine oder andere Art an ihrer Macht so stark vergriffen haben, dass es weh tut. Und doch gehe ich bei all ihnen davon aus, dass sie das, was sie taten, auch wirklich wollten und für das Beste hielten was sie für die Gesellschaft tun konnten. Das spricht aber auch dafür, dass der reine „gute Wille“ in Kombination mit Macht zu wirklich bösen Dingen führen kann.

Wenn man sich nur ein bisschen in die Psychologie einarbeitet, dann findet man schnell etliche Mittel, wie allein die De- und Resozialisierung, deren Anwendung doch recht einfach scheint, wenn man nur ein wenig die Zügel der Gesellschaft in der Hand hält. Würde es nicht Menschen geben, die mit Macht ein wenig anders umgehen, zumindest noch, dann wären all diese Menschen wohl weit gekommen. Doch glücklicherweise können sich gute Redner und schöne Menschen auch „für das Gute“ einsetzen, wie uns die Occupybewegung gerade zeigt oder die Piratenpartei beweist.

Diese Menschen sind noch nicht in den Genuss der puren Macht gekommen, aber bringen Talente mit, die die Hoffnung auf eine positive Veränderung des Begriffes „Macht“ mit sich bringt. Und das „Volk“, jeder einzelne kleine Machtinhaber, beginnt umzudenken und der Macht, wie wir sie in Formen von korrupten Politikern, Bankenchefs und Wirtschaftsbossen sehen eine neue Bedeutung zu geben. Wenn auch nur langsam.

Menschen wollen mit Machtausübung also immer nur das Beste. Ob das nun für die „Arier“, den „kommunistischen Arbeiter“, das Ferienhaus in Texas oder einfach nur „das Volk“ ist.

Natürlich ist Macht, obwohl zumindest ich immer zuerst an etwas negatives denke, nicht immer nur negativ. Und auch ist Macht nicht immer so mächtig, wie sie es in der Wirtschaft etc. ist. Der Staat gibt einem zum Beispiel die Macht, von seiner Macht gebrauch zu machen, in dem man z.B die Polizei rufen kann, wenn jemand ungerechtfertigt, ja illegal, versucht Macht uns gegenüber auszuüben. Das Grundgesetz verleiht uns allen die Macht unsere Grundrechte gegenüber dem Staat durchzusetzen. Das Grundgesetz an sich ist die pure Macht über uns selbst. So dürfen wir die von uns gewählte Religion ausüben, den Wohnort unserer Wahl beziehen und als Kinder dürfen wir uns bis zu einem gewissen Grund selbstbestimmen.

Doch auch hier kommen Probleme auf, eben weil eine weitaus machtvollere Organisation über uns steht, als wir selbst es sind. So dürfen uns unsere Religion zwar aussuchen und ausüben, aber nicht überall. Umziehen wann und wohin wir wollen dürfen wir nicht, wenn wir staatliche Transferleistungen à la ALG II erhalten und Kinder stehen immer noch unter der „Fuchtel“ ihrer Eltern und die wiederrum haben dem Staat bei „Bedarf“ Rechenschaft über ihr Handeln abzulegen. Doch wählen tun wir die Menschen, die den Staat ausmachen selbst und so fällt auch wieder viel auf uns zurück.

Denn wir haben die Macht weil wir die Wahl haben. Doch leider zeigt die Tendenz der Zeit, dass wir immer weniger von dieser Macht Gebrauch machen. Komisch doch, wo Macht doch so ein grundmenschliches Bedürfnis zu sein scheint. Warum streben wir, das Volk der BRD, also nicht nach der Macht, die uns dieses System ermöglicht? Auch haben wir, und auch andere Völker, im Laufe der Zeit auch schon oft die eine oder andere falsche Entscheidung getroffen, wenn wir uns für bestimmte Machthaber entschieden haben.

So kommen wir zu:

6. Die Macht in der Geschichte
Besonders wir Menschen in Deutschland wissen genau wie es sich anfühlt, wenn man den falschen Menschen die falsche Menge an Macht zuspricht. Hitler wurde zwar durch den hoch geschätzten, aber schwachen Hindenburg zum Reichskanzler ernannt und doch ermöglichte ihm die damalige Bevölkerung einen derartigen Aufstieg, der, wie wir alle wissen, kein Gutes Ende hatte.

Hier zeigte sich wie sehr sich Millionen täuschen lassen. Und dabei war Hitler weder schön, noch hatte er eine bezaubernde Stimme und dennoch – er riss die Menschen mit. Er versprach Dinge, die die Menschen hören wollten, die sie befreien sollten aus dem Chaos, das sich während der Weimarer Republik vermeintlich gebildet hatte. Merke: Suche die Schwäche der Menschen, mach ihnen Hoffnungen und habe dabei genug fähige Leute an deiner Seite.

So kam es nicht nur, dass Hitler die Regierungsgewalt für sich gewann, nein, man ließ ihn auch „einfach machen“. Wenn man bedenkt, dass er 1932 „nur“ 27000 und 1945 7,5 Millionen Mitglieder in der NSDAP waren, aber die Einwohnerzahl (Kinder mitgerechnet) 1945 schon 74 Millionen betrug, wie kann es dann sein, dass jemand, mit einem verhältnismäßig kleinen, wenn auch starkem Kreis um sich herum, solche Dinge wie die Reichsprogromnacht, die Verbrennungen und die Demütigungen gegenüber Juden und „anderen Feinden“ ungestraft durchführen konnte?

Eine Antwort wäre, dass die verbliebenen knapp 65 Millionen Menschen wirklich total auf Hitler Seite standen, auch ohne Parteimitglied zu sein, dass sie guthießen, was er tat. Aber wahrscheinlicher ist, da ich doch sehr drauf hoffe, dass Menschen, die ich zwar als grundsätzlich böse einstufe, so etwas nicht in der Form gutheißen würden, dass sie stark manipuliert wurden. Und das von einem Mann, der einfach nur Menschen und dadurch Macht gewonnen hatte.

Wie wenig hinterfragen wir wirklich? In der Psychologie ist das Verhalten einfach erklärt. Sobald es viele Menschen betrifft, denken wir uns: Der andere wird’s schon richten und lehnen uns selbst ruhig zurück. Doch leider denkt das jeder und so verspielen wir die Macht, die uns gegeben ist. Und die einzelnen, die versuchen dagegen zu wirken, werden entweder nicht gehört oder aus verschiedenen Gründen nicht unterstützt.

Am Beispiel Russland kann man besonders heute sehen, dass es auch anders laufen kann. Erst kürzlich demonstrierten in Russland 100000 Menschen gegen den „Wahlsieg“ von Putins Partei „Einiges Russland“, denn sie bezweifeln die Korrektheit der Wahl – sie vermuten einen Wahlbetrug. Die Menschen nutzen die wenige Macht die ihnen geblieben ist und gehen auf die Straße um ihrer Stimme Gehör zu verleihen. Bisher weiß niemand ob sie recht haben mit ihrem Verdacht und doch stehen hier fast vier mal soviele Menschen hinter einer Meinung als damals bei Hitler in Deutschland. Seien wir ehrlich: Die Geschichte hat uns gelehrt, dass diese Demonstranten verlieren werden. Putins Partei wird an der Macht bleiben, der Vorwurf des Wahlbetruges wird irgendwann vergehen und egal ob sie recht haben oder nicht: Es wird nie bewiesen werden.

Großmächte heißen nicht umsonst Großmächte. Sie haben große Macht. Wie die USA unter hervorgeholten Vorwürfen den Irak angegriffen hat (Gott, darf man das überhaupt sagen oder ist das immer noch keine bewiesene Tatsache?), wie sie interessanterweise immer nur die Länder mit Bodenschätzen entweder vor sich selbst oder vor anderen beschützen, wie Deutschland sich fein an die EU Richtlinien hält und seine Meinung national schwenkt wie ein Fähnchen im Wind (Atomkraft ja/nein/vielleicht/butterbrot), wie es sich dem Vertrag von Lissabon beugt ohne sein eher skeptisches Volk zu befragen, wie es sein Handeln an der längst vergangenen Hitlergeschichte ausrichtet und sich dann wundert, warum das so einigen nicht gefällt und sie sich wieder in eben jene Richtung bewegen. Nordkorea, die jetzt ihren „geliebten Führer“ (miesen Diktator) Kim Jong Ill in inszenierten Trauerfeiern beweinen und durch Unterdrückung und zur Not auch Gewalt ihre Art des Kommunismus zelebrieren…

Es ist schwer zu glauben, dass wirklich jedes Volk diesen Tanz mit macht und auch wenn es uns in Deutschland noch verhältnismäßig gut getroffen hat, so müssen auch wir nicht in die Hände klatschen vor Begeisterung. Wir werden kontrolliert von den Menschen die wir selbst wählen, aber diese Menschen verändern sich unter dem Einfluß den wir ihnen selber geben und so ist es schier unvorhersehbar, was wirklich passiert, wenn wir guten Gewissens unseren Zettel in die Wahlurne gesteckt haben.

Aber eine Alternative zum herrschenden System scheint es nicht zu geben. Zumindest noch nicht.

Diktaturen sind gescheitert bzw scheitern über kurz oder lang, der Sozialismus ist gescheitert, Anarchie ist kaum umsetzbar, da es dem Menschen grundlegende Züge im Charakter abspricht (z.B: Alles gehört Jedem, aber jeder will etwas, was ihm gehört), die Monarchie ist veraltet und passt nicht mehr in unsere heutige Gesellschaft. Und sämtliche Unterarten der Demokratie haben sich dem Kapitalismus zugewendet und verlieren langsam aber sicher an Substanz.

Es muss eine Mischung gefunden werden, doch um das durchzusetzen, muss das Volk zusammen halten – und das tut es nicht, denn die Herrschenden sägen sich doch sehr ungern ihre eigenen Äste ab, wie man alleine am Beispiel der Bundeländerzusammenlegung erkennen kann. Vor etwas mehr als 10 Jahren stand zur Debatte, dass mehrere Bundeländer zusammengelegt werden, um Geld zu spaen, da Deutschland am Hungertuch nagte. Aus Schleswig Holstein, Mecklenburg Vorpommern und Hamburg sollte beispielsweise ein Bundesland werden. Dies wird vom Grundgesetz (Artikel 29 GG ermöglicht eine Neugliederung des Bundesgebiets, „um zu gewährleisten, dass die Länder nach Größe und Leistungsfähigkeit die ihnen obliegenden Aufgaben wirksam erfüllen können.“ (Art. 29 Abs. 1). ) ermöglicht. Doch wer würde das dem Volk denn schmackhaft machen wollen, wenn man evtl. seinen eigenen Arbeitsplatz dadurch verliert und nur noch ein durchschnittliches Einkommen hat? Genau: Niemand.

7. Die Macht in der direkten Umgebung
Doch nicht nur in diesem großen Maßstab ist Macht vorhanden. Auch in der Familie und dem Beruf, unserem unmittelbaren Umfeld, ist sie unser ständiger Begleiter.

Wie anfangs schon beschrieben, beginnt es mit der Geburt. Normen und Werte werden uns „eingeprügelt“, wir können nichts dagegen tun und werden auch nicht gefragt. Wenn wir dagegen verstoßen, werden wir bestraft, ja sanktioniert. Und so lernen wir zwangsläufig wie man zu einem „Mitglied der Gesellschaft wird“. Wenn diese Prägung anfangs versäumt wird und unser Charakter nicht auf andere Form gefestigt und mit Wissen gefüttert wird, so enden wir im deutschen Niemandsland, bekannt als „Hellersdorf, Lichtenberg, Marzahn, Moisling, Buntekuh“… und wie die ganzen einschlägigen Bezirke noch so heißen, und letztendlich beim Jobcenter oder in einem unbefriedigenden, schlecht bezahlten Job. Und dieser Kreislauf lässt sich durch die nächsten Generationen nur schwer stoppen.

Unsere Eltern haben also anfangs die ultimative Macht über uns. Zwar haben sie auch die Pflicht, uns zu unserem Besten zu erziehen, denn auch sie werden ja vom Staat gegebenenfalls überprüft, aber seien wir mal ehrlich: Diese Rolle füllt der Staat ausgesprochen unzureichend aus, denn es ist ja vorrangig nichts, mit dem man Geld verdienen kann.

Und so wachsen wir heran mit einer, dem Durchschnitt nach zu urteilenden, praktisch nicht vorhandenen Vaterfigur und der Mutter. Und eben diese Mutter wird für die männlichen Nachkömmlinge mit der Zeit mehr und mehr zu einem nicht erreichbaren Bild und dies führt, oder kann führen, zu Veränderung im Jungen selbst. Wenn er jetzt kein gutes männliches Vorbild bekommt, kann das unabsehbare Konsequenzen haben, denn die Mutter, welche ihm immer am nächsten war ist eine Frau. Etwas, was er niemals sein kann. Und durch diese Erkenntnis, die ganz normal mit der Entwicklung einhergeht, können sich frauenfeindliche oder noch schlimmere Bilder herausbilden, denn der Junge ist plötzlich in einer ernsten Identitätskrise.

Wir sind abhängig von unserer Familie und das über Jahrzehnte hinweg, denn durch die von ihr genossene oder eben nicht genossene Erziehung werden wir passend gemacht. Es dauert lange in unserer Entwicklung, bis wir uns wirklich und eigenständig Bilder von etwas machen – bei manchen passiert es augenscheinlich nie. Und so sind wir Werkzeuge unserer Eltern, die die absolute Macht über uns haben. Zwar bekommen wir gesetzlich schon ein paar Rechte zugesprochen, doch welches 7 Jährige Kind geht den zur Polizei, weil ihm etwas nicht gefällt?

Später werden wir selbst zu Machthabern dieser Art werden und dennoch werden unsere Eltern, bis zu ihrem Tode, eine gewisse Gewalt über uns ausüben können, denn wer reagiert nicht auf ein „Ich mach mir solche Sorgen, wenn du das und das machst.“ von Mutter? Auch wen man selbst schon 40 Jahre alt ist, die Eltern bleiben die Eltern und die haben immerhin schon eh und je das Sagen gehabt. Dieser Prozess muss nun nichts Schlechtes sein, denn je nachdem wie unsere Erziehung und Sozialisation ausfällt können wir so zu hervorragenden Menschen heranwachsen, doch diese Macht ist etwas, was nicht genommen werden kann.

Selbst wenn man einen antiautoritären Erziehungsstil einschlägt ist Macht von Belang, denn die Eltern entscheiden dies aus ihrer Macht heraus und legen auch die Einschränkungen selbst fest. Und Erziehung bleibt Erziehung. Wenn man dann noch die Medien und die fernen Verwandten als auch Freunde und Feinde mit berücksichtigt, erkennt man die Spirale, in der wir uns befinden. Denn jeder versucht uns zu manipulieren und Manipulation ist ein Mittel der Macht. Und egal welche Position wir in der Gesellschaft erreichen: Dieses Spiel hört nicht auf.

Auch im Beruf dreht sich das Karussell weiter. Denn die Wahrscheinkeit, dass wir irgendwann niemanden mehr über uns haben ist doch sagenhaft gering. Und so sind wir gezwungen uns immer ein wenig eingekesselt und beobachtet zu fühlen, denn jeder unserer Fehler könnte bestraft werden und der Preis könnte höher sein, als ein läppisches Stück Papier weniger oder mehr, denn wenn wir beruflich scheitern, dann scheitern wir heutzutage auch in der Gesellschaft. Und so ist die Macht, die der Arbeitgeber auf uns ausübt, sagenhaft.

Wenn wir selbst in den Genuss einer Machtposition innerhalb unserer Arbeitsstelle gelangen, dann neigen wir dazu, dies ausnutzen. Warum? Ich rate mal: Ist es deswegen, weil man uns unser Leben lang durch Macht bestimmte? Weil wir die Macht ständig spüren, aber sie nicht nutzen können? Wahrscheinlich ist das so. Und das macht das Ganze so gefährlich. Denn durch das ständige Gefühl der Macht um uns herum, was wir natürlich nicht bewusst wahrnehmen, da wir damit geboren sind, ganz ähnlich dem Atmen, werden wir fast euphorisch, wenn wir einmal selbst die Zügel über IRGENDWAS in der Hand halten.

Anders mag das bei Menschen aussehen, die schon früh Macht ausüben konnten. Sei es, weil sie Haustiere oder Hausangestellte hatten, weil sie in Vereinen o.Ä. einer der Besten waren und so eine Vorbildfunktion hatten, weil sie kreativ waren, ihre eigenen Sachen auf die Beine gestellt haben und dabei unterstützt wurden, weil sie eine gute Gemeinschaft um sich hatten oder einfach nur, weil sie früh Verantwortung tragen mussten, bspw. für kleine Geschwister.

Doch die Welt der Kindheit tendiert dazu immer leerer zu werden, denn das System verlangt uns immer mehr ab und so fehlten und fehlen diese Faktoren zusehends.
So passiert es, dass wir auf den garstigen Vorarbeiter, den mürrischen Chef einer Abteilung oder den „ach-so-kreativen“ Untergruppenleiter in irgendeiner Firma treffen und uns wundern, warum dieser Mensch so ist, wie er ist. Ebenso neigen diese, sich in Dingen für die Größten zu halten, obwohl sie von der Sache an sich leider kaum Ahnung haben. Dies könnte daher rühren, dass ihnen in ihrer vorherigen Position kaum oder wenig zugehört wurde, aber auch dieses Problem ist lösbar. Diese Menschen aus ihrem „Wahn“ herauszubekommen ist schwer, aber machbar. Durch Coaching, Supervision und Wissen kann man hier evtl. Potential für einen gerechten Menschen nutzen und die Arbeitswelt ein wenig gerechter machen. Aber leicht wird das nicht.

Nicht nur in der Familie und im Beruf spüren wir die Allgegenwärtigkeit der Macht, auch in etwas viel intimeren, in unserer Sexualität, ist sie ständig vorhanden, denn Sex ist Ausübung und Druckmittel zugleich. Wie oft haben wir schon das Gefühl gehabt, dass unser Partner beim Sex einfach nur auf sich achtet und wir selbst viel zu kurz kommen? In jeder noch so guten Beziehung kommt dieses Phänomen vor. Und oft genug wagen wir es nicht, auch nur ein Wort darüber zu verlieren.

Mit Sex werden auch gerne Streits beendet oder Versöhnung gefeiert. Dass dieser Weg nur Mittel zum Zweck ist: Darüber sind sich beide Teile meist, zumindest Unterbewusst, im klaren. Man nutzt die Macht, die uns biologisch mitgegeben wurde. Als Frau weiss man, wie man sich zu bewegen hat, was für Körperteile man zeigen muss, damit der eigenen Mann sich einem anderen Thema zuwendet. Und als „kluger“ Mann, weiss man, was für Knöpfe man bei der Frau drücken muss, um sie sich wieder „gefügig“ zu machen. Oft sind diese Kniffe gar nicht verkehrt, denn sich über Kleinigkeiten aufregen ist ja nicht die beste Alltagsbewältigung. Kritisch wird es erst dann, wenn es große Sachen zu Kleinen macht.

Nehmen wir da den häuslichen Missbrauch: Die Frau wird geschlagen, schlecht behandelt und zum Objekt schlechthin dezimiert und dann, damit sie nicht aus der Spirale herausbricht, wird die Macht des Sex und die Macht der Gefühlsmanipulation eingesetzt. Natürlich spielen bei solchen Geschichten auch noch sehr sehr viele andere Faktoren eine Rolle, denn warum lässt sich die Frau das überhaupt gefallen, warum spielt sie nicht ihre Macht aus, welche psychologischen Hintergründe haben beide, und dennoch ist Macht in der Sexualität teilweise auch sehr schädlich.

Manche Menschen brauchen sogar die Macht, die bewusst genutzte, um sexuell überhaupt angesprochen zu werden. Die BDSM Szene (Bondage-Sado-Masochismus) in Kombination mit Dominance and Submission (Dominanz und Unterwerfung) wächst täglich, denn immer mehr gestehen sich ein, dass ihnen Macht und das Leiden unter der Macht eines anderen, unheimliche Freude bereitet. Warum sich dieser Kult entwickelt ist fragwürdig, Einige Psychologen sagen, dieser Drang nach Schmerz (physisch und psychisch), wie er beim „Bottom“ (der Part, der den Unterwerfenden gibt), aus der Kindheit und der Erfahrung der Verknüpfung von Sexualität und Gewalt herrührt.
Ich glaube nur jeder 10. BDSM’ler würde, auch nach ernsthaftem Nachforschen, diese These bejahen. Vielleicht ist es eine Art Kompensation? Die Macht, die wir tagtäglich auf uns lasten haben, ohne sie bewusst zu spüren wird an die Oberfläche geholt, wird sichtbar gemacht. Und vielleicht macht gerade dieses „sichtbar machen“ den Reiz aus.

Sei’s drum. Nicht nur in sexuellen Spielarten und persönlichen Konflikten spielt Macht beim Sex eine Rolle, denn auch bei unserer Entwicklung ist Sex ein unheimliches Druckmittel. Wir werden erwachsen und haben Sex. Für Eltern ist das oft sehr schwer zu akzeptieren, denn dieser Schritt ist einer, den man nicht zurückgehen kann. Für uns ist es ein Zeichen an die Mitmenschen, denn wer „liebt“, der weiss was vom Leben. Und wer kennt nicht das allseits beliebte „Hochschlafen“? Eine Möglichkeit ohne große Leistung zu Macht zu kommen. Denn aus einem anderen Grunde macht es niemand. Es geht um Geld und Geld ist Macht. Würde es um Wissen gehen, dann wäre diese Methode sinnlos, denn Wissen erlangt man nicht durch Machtspielchen. Informationen, ja, die schon, doch das was letztendlich zählt: Die eigenen Schlüsse aufgrund von bereits gelerntem, daraus ziehen zu können, daran kommt man nicht mit Sex.

8. Schlussbetrachtung
So, nun wurde viel geschrieben in all seinen Formen. Nun gut, zumindest die, die mir eingefallen sind. Natürlich könnte man auch noch die Tierwelt und verschiedene Kulturen mit einbeziehen, aber dann würden wir zu weit vom Wesentlichen abkommen. Denn bei dieser Geschichte geht es um uns. Wir, die in Europa leben oder zumindest in der näheren Umgebung. Wir scheinen gefangen in einem Netz, dem wir nicht entfliehen können. Egal wieviel Macht wir zu haben scheinen – im großen Kontext ist sie nicht real. Kind, Arbeiter, Fachkraft, Chef, Minister, Kanzler, EU-Ratsmitglied, Präsident von Amerika… immer ist da jemand, der über uns steht, uns kontrolliert – und das nach seinem „Gewissen“.

Und wie können wir uns nun aus diesem Teufelkreis befreien? Oder wie können wir ihn einfach besser machen? Vielleicht sollten wir unseren Blick doch mal auf andere Kulturen und ihre Lebensweisen richten. Die, die am wenigsten Ausbeutung durch sich selbst erhalten, sind die, die am wenigsten haben. Wenn man von der Natur abhängig ist, dann spielt Macht untereinander nicht eine ganz so große Rolle. Man erkennt wahrscheinlich irgendeinen Gott oder mehrere Götter als „Die Macht“ an, aber man muss nicht in jedem Fall viel dafür tun um dieser Macht gerecht zu werden (von den Völkern, die Opfer erbringen oder sich körperliche Schmerzen zufügen mal abgesehen).

Wir haben uns entfernt vom Alten und etwas Neues geschaffen. Uns geht es damit doch auch eigentlich nicht schlecht. Wir haben Autos, Häuser, iPods, Computer, Tiere, welche wir nicht essen daheim, können in den Urlaub fliegen und dadurch Anderes und wieder Neues kennenlernen. Wir haben so vieles, was uns den Alltag schöner macht. Wir haben dank der Waschmaschine Zeit um ein Buch zu lesen, durch den Trockner Zeit mit dem Hund Gassi zu gehen, dank dem Computer können wir unsere Arbeit von zu Hause aus verrichten und sparen uns so den Arbeitsweg, wir dürfen unsere Lebenspartner selber wählen und haben so unglaublich viele Möglichkeiten, wir bekommen eine Wohnung, wenn wir eine möchten ohne gleich selbst eine bauen zu müssen, wir können essen, trinken, feiern und lustig sein.

Ist das denn nichts? Und so hoch ist der Preis dafür ja nun auch wieder nicht. Durch die Waschmaschine bewegen wir uns weniger und sind seltener an der frischen Luft, durch den Trockner bilden wir uns ein, dass ein Hund sich im Heim wohler fühlt, als wenn er draussen leben dürfte, der PC ermöglicht uns, uns garnicht mehr aus dem Sessel bewegen zu müssen und wieder weniger von der Welt zu erfahren, die Lebenspartnerwahl führt zu Schmerzen, Verwirrung und Trugschlüssen, unsere Kreativität wird extrem eingeschränkt, da wir uns nicht mal um ein Dach über dem Kopf kümmern müssen, geschweige denn unser eigenes Feld bestellen, die frische Luft atmen und wirklich was gutes für die Erde zu tun um Essen zu bekommen. Und warum mit Freunden aus der Umgebung große Feste feiern, wenn man sich auch vollgepumpt mit Ecxtasy in kleine Keller verziehen kann?

Und auch, dass wir anderen Menschen durch all diese Technik eine Menge Macht über uns geben, ist doch nicht schlimm. Soll der machtlüsterne Chef uns doch einfach wieder zurück ins Büro holen, weil er es „netter“ findet, dann geben wir den Hund, der sich soeben an uns gewöhnt hat wieder weg, denn wir haben die Macht dazu. Etc. pp. Der Rest wird durch Geld gesteuert und durch Geld hat uns immer jemand in der Hand. Aber warum die Bequemlichkeiten aufgeben? Für ein bisschen Freiheit? Warum anders aber härter arbeiten? Für ein wenig mehr Macht über mich selbst? Warum das Kochbuch aus der Hand legen um sich mit neuen Themen zu beschäftigen? Kochen muss man doch schließlich können – denken „kann man ja schon“.

Macht hat viele Facetten und viele mit denen wir erst noch zu leben lernen müssen – wenn wir es denn wollen. Wir müssen üben, mächtig zu sein und vor allem müssen wir lernen und vieles überdenken, wenn uns etwas an einem ehrlichen Miteinander liegt. Es reicht nicht in den Genuss der Macht zu kommen, man muss sie auch richtig einsetzen und die Pflichten vor ihn stellen. Ansonsten enden wir letztendlich im „Niemandsland“ und werden von Einzelnen hin und her geschubst.

Ich komme zu dem Schluss, dass Macht Schmerz bedeutet. Denn egal wie wir sie einsetzten, sie verletzt. Zumindest in unserer heutigen Zeit. Sie ist oft zu subtrahieren, aber nie vollständig. Sie ist immer da. In der einen oder anderen Form. In meinen Augen, ist sie immer negativ, heute, denn die Menschen können mit ihr nicht umgehen. Es fehlt an Aufklärung.

Meine Thesen sehe ich als „bewiesen“ an, aber da dies hier keine wissenschaftliche Arbeit sein kann, ist bewiesen das falsche Wort. Macht ist allgegenwärtig. Es beginnt, wie wir gesehen haben, mit der Geburt. Macht ist auch für jeden erreichbar, zumindest in den kleineren Formen. Macht ist ebenfalls unnötig, zumindest eingeschränkt, denn würden wir anders leben und lernen, wäre die Ausübung nicht schmerzvoll. Macht ist unvermeidbar. Ja, in einigen Punkten schon. Denn wenn wir unser Kind erziehen ist Machtausübung zum Beispiel Pflicht. Nur auf das „Wie“ kommt es an. Macht herrscht nicht nur, sie beherrscht uns. In unseren Taten, in unserem Streben, in unserem Leben. Wir richten alles auf sie aus. Aber das Risiko ist hoch. Nicht nur das im Kleinen, auch das im Großen. Es kann uns passieren, dass wir nicht wieder herauskommen – und das über Generationen hinweg.

Ich habe hier vielleicht keinen wissenschaftlich korrekten Text abgeliefert und doch haben meine eigenen Gedanken mit selbst wieder zum Nachdenken gebracht – und ich hoffe auch den Leser. Uns entgeht viel zu viel, weil wir einfach keine Zeit haben. Wenn wir unserem Leben Themen geben könnten, so wie ich es für die Zeit dieser Arbeit getan habe, dann nehmen wir Dinge ganz anders wahr. Wir beschäftigen uns anders mit ihnen und ziehen andere Schlüsse. Wir sollten das öfter tun.

Und Rio Reiser behält letztendlich doch nicht recht, denn Macht ist unabdingbar und jeder braucht ein kleines Stückchen davon für sich. Nur an der Umsetzung und der Ausübung müssen wir noch viel arbeiten. Wir müssen aufhören zu manipulieren und einfach ehrlich zu uns und zu anderen sein. Und wenn wir das nicht alleine können, dann müssen wir soviel Mut aufbringen uns helfen zu lassen, denn diese Hilfe gibt es en masse. Wir müssen aufwachen, bevor es zu spät ist.

In diesem Sinne: Macht kaputt was euch kaputt macht!

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Essay, Gastbeitrag veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentare sind geschlossen.