Die Linke entdeckt den Soldaten als Mittel zum Zweck

Inge Höger und Christine Buchholz, zwei der Antragsteller, die sich im Namen der Linken vorgeblich um die Kommunikation der Bundeswehrangehörigen im Kriegseinsatz sorgen, haben in einer persönlichen Erklärung die wirklichen Beweggründe des Antrages dargestellt. Es geht, neben allerlei friedensfolkloristischem Beiwerk, schlichtweg darum, die Soldaten und ihre Angehörigen gegen die Parteien in Stellung zu bringen, die Krieg als Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln betrachten. Der Soldat interessiert hier nicht als Subjekt mit seinen Sorgen, Ängsten und Nöten, sondern ist lediglich Objekt des oppositionellen Handelns einer Partei, die sich mit ihrem selbstgefühlten Markenkern “Pazifismus” im Abwind befindet.

Beide argumentieren damit, dass der Soldat “die Heimkehr noch sehnlicher herbeiwünschen und sich häufiger die Frage nach dem Sinn und Unsinn dieses Krieges stellen” wird, der “von seinem Sohn (!) jeden Abend am Telefon gefragt wird: „Wann kommst du endlich nach Hause?“”. Wie weit man als Linker dieser durchaus menschenverachtenden Logik des Friedens folgen mag, in der die betroffenen Familien gegen das Handeln ihrer Angehörigen im Dienst ausgespielt werden sollen, bleibt offen. Aber scheinbar heiligt der pazifistische Zweck die Mittel, denn “Der freie und ungestörte Internetzugang fördert nicht die Kampfmoral, er dämpft diese.”. Und wenn die Menge der demoralisierten Kriegsversehrten und durch ungehinderte Berichte nach Hause traumatisierten Familien nur gross genug ist, wird jeder Auslandseinsatz in sich zusammenbrechen. Immerhin kann der Rest der Bevölkerung diese kommunikative Abrüstungskampagne mitverfolgen, denn “Alle Zeitungen, und speziell die „junge Welt“ würde von einer Situation profitieren, in der sie ungehindert Kontakt mit einzelnen Soldaten im Kriegseinsatz aufnehmen könnten.”.

Allenfalls in Nuancen ist eine solche linke Friedenspolitik damit noch von der Politik der bürgerlichen Parteien unterscheidbar, die Soldaten als Instrumente im globalen Machtpoker begreift. Folgt man der Logik der Antragsteller, dient der Soldat im “besten” Fall dazu, durch ungehinderte Schilderung des Erlebten und Durchlittenen über seine Angehörigen Druck auf die politische Klasse zu erzeugen. Im “schlimmsten” Fall liefert er selbst durch Dokumentation und zensurfreie Verbreitung seiner eigenen Gewaltexzesse (hier sei auf die Auswüchse im US-amerikanischen Militär und anderen Streitkräften verwiesen) die Munition, die nicht nur die linke Presse braucht, um die öffentliche Meinung zu bilden und damit die Entscheidungsträger in der Politik zum Umdenken zu zwingen. In beiden Fällen geht es aber nicht, und da ist zumindest solch eine Erklärung der beiden MdB hilfreich, um den Soldaten als Menschen. Auch für manch Linke ist der “Bürger in Uniform” nur Mittel zum eigenen politischen Zweck.
(mb)

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