Mit der groben Kelle: Maurer teilt aus

Lafontaine / Maurer: Einer schweigt, einer teilt aus

Lafontaine / Maurer: Einer schweigt, einer teilt aus

Wenn Holger Börner als gelernter Bauarbeiter in der SPD einstmals unter dem Eindruck der Proteste im Land und des Einzugs einer neuen Partei in den Landtag noch die Drohung “Früher auf dem Bau hat man solche Dinge mit der Dachlatte erledigt” in Richtung des politischen Gegners ausserhalb der Partei ausgesprochen hat, kann man ihm diese bildhafte Sprache des deutschen Proletarieradels eventuell noch nachsehen. Wenn nun aber ein Parteibildungsbeauftragter und aktueller MdB der LINKEN, dessen Name Maurer auch irgendwie an das Baugewerbe erinnert und den mit Börner zumindest eine Ex-Mitgliedschaft in der SPD verbindet, meint mit der groben Maurerkelle gegen die vermuteten Gegner des eigenen Lagers austeilen zu müssen, ist es mit der Nachsicht doch deutlich schwerer. Angesichts der mehr oder weniger offen geführten bzw unterdrückten Debatte über den zukünftigen Vorsitz und die plakative Unentschlossenheit eines Oskar Lafontaine hatte der Landesvorsitzende der Linken in Mecklenburg-Vorpommern, Steffen Bockhahn, davor gewarnt, eine Personaldebatte wegen der anstehenden Landtagswahlen zu vermeiden. Auch als nicht direkt Angesprochener, erteilte Maurer dem aufmüpfigen Junggenossen den Rat, er solle “sich auf seine Aufgaben als Verwaltungsrat der Ostseesparkasse konzentrieren”. Eine mehr oder weniger verklausulierte Aufforderung in Zukunft zumindest den Mund zu halten, wenn nicht sogar die Finger von der grossen linken Politik der weissen alten Männer zu lassen. Dabei sollte es eher der als Parteibildungsbeauftragter (ein Verlust von über 10.000 Mitgliedern seit 2009) und bundespolitisches Zugpferd der Linken im seinem Heimatland Baden-Württemberg (2,8% bei den letzten Landtagswahlen) gescheiterte Maurer sein, der statt der Kelle zum Austeilen lieber die Klappe zum Schweigen halten müsste. Fraglich, ob Maurer dieser Akt der Selbstkritik gelingt, denn im Austeilen war er schon immer ein Meister des groben Klotzes. So musste sich schon vor fast genau 12 Monaten der Landesvorsitzende der Linken in Sachsen zum gleichen Thema, nämlich der Rolle des Lafontaine in der Partei, vom Maurer sagen lassen: “Wenn er irgendwann mit seinem Landesverband wenigstens bei Bundestagswahlen das Niveau von Brandenburg oder Sachsen-Anhalt annähernd erreicht, dann kann er auch wieder laut werden”. Ob sich der so zum Schweigen aufgeforderte Rico Gebhardt angesichts der 20,6%, die “sein” Landesverband bei den letzten Landtagswahlen einfahren konnte, überhaupt angesprochen gefühlt hat, ist nicht überliefert. Dass der Wähler und die Mitgliedschaft der Linken sich von Maurers Art nicht angesprochen fühlen, dürfte hingegen auf der Hand liegen. Zu raten wäre ihm, auf das Angebot von Bockhahn einzugehen und wieder zu einer sachlichen Art der innerparteilichen Diskussion zu finden.
(mb)

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