Marx is Muss auch bei den Piraten?

Marx21: Piraten im Visier?

Marx21: Piraten im Visier?

Der Erfolg hat viele Väter und zieht noch mehr erwünschte und unerwünschte zukünftige Nutzniesser an. Dies musste Die Linke, beziehungsweise besonders ihr Vorgänger die WASG, lernen und nach wenigen Monaten auf der grossen politischen Bühne scheinen nun auch die Piraten vor dieser Lektion zu stehen. Flackern rechte Positionen nur hin und wieder als Irrlichter des politischen Wanderzirkus auf, haben linksextreme Kleinstorganisationen und Sektierer ein höheres Beharrungsvermögen und sind zum Teil deutlich besser organisiert, um das Eindringen und Festsetzen in Parteien zu betreiben.

Vom 7. bis 10. Juni findet in Berlin der alljährliche “Marx is Muss”-Kongress der trotzkistischen Organisation Marx21, vormals Linksruck, statt. In den Jahren seit Gründung der WASG und dem Zusammenschluss zur Linken ist dieses Netzwerk über seine Mitarbeit in der innerparteilichen Strömung “Sozialistische Linke” und den Jugendorganisationen SDS und solid in den westlichen Bundesländern zu einem der Machtfaktoren der Partei geworden. Zahlreiche Mandats- und Funktionsträger, hauptamtliche Mitarbeiter und Delegierte bekennen sich zu Marx21 und vernutzen die Ressourcen der Linken, um die Ziele ihrer eigenen Organisation zu verfolgen. Hauptsächlich darauf orientiert in Bewegungen zu wirken und über die Mitarbeit in gesellschaftlich und politisch erfolgreichen Prozessen, wie zB der Bildung einer gemeinsamen Linken in Deutschland, neue Mitglieder zu rekrutieren, Einfluss in entsprechenden Organisationszusammenhängen zu erreichen und materielle Mittel für die eigene politische Arbeit zu binden, scheint man bei Marx21 nun die Piraten als nächstes Betätigungsfeld erkannt zu haben.

Der elektorale Aufwind der Piraten, mit dem zahlreiche zu besetzende Mandate und Arbeitsstellen verbunden sind, die damit einhergehenden finanziellen Ressourcen, die Wirkung, die die Piraten nach Aussen entfaltet und ihre noch ungefestigte Programmatik und Organisation, lassen diese Partei für Marx21 noch attraktiver erscheinen, als die sich derzeit im Abwind befindliche Linke. Nicht von ungefähr taucht daher im offiziellen Werbevideo zum Kongress das Symbol der Freibeuter gleichberechtigt neben dem Schriftzug der Linken auf und es finden sich unter den 60 Diskussionsveranstaltungen solche Themen wie: “Parteien – Auslaufmodell politischer Organisation?”, “Wird die Revolution getwittert? Soziale Bewegungen und neue Medien” oder “Parlamente, Liquid Democracy, Räte – welche Demokratie für die 99 Prozent?”, die deutlich zeigen, dass Marx21 nach inhaltlichen Schnittmengen mit Diskussionen und Forderungen der Piraten sucht, um daraus Angriffspunkte für eigene Mitarbeit zu entwickeln.

Der offene Politikstil der Piraten in Fragen der eigenen Organisation und der Abarbeitung von Antworten auf unterschiedliche Themen kann für die Piraten Schwäche und Stärke zugleich im Umgang mit Annäherungsversuchen von Marx21 sein. Es bleibt abzuwarten, ob der klaren Abgrenzung der Piraten gegen das Ausfransen nach Rechts durch einzelne Mitglieder auch eine genauso klare politische und organisatorische Abgrenzung gegen Einflussnahme durch Linksaussen folgt. Noch scheinen die Selbstreinigungskräfte der Piraten, trotz der noch lange nicht abgeschlossenen Phase der politischen Selbstfindung und des durchaus auch belastenden politischen Erfolges, stark genug.
(mb)

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One Response to Marx is Muss auch bei den Piraten?

  1. Frank Heinze sagt:

    Selbstverständnis und Organisation der Piraten verhindern mM ebendiese Gefahr. Marx21 ist auf Intransparenz, Geheimnistuerei, geschlossene Kreise, geschlossene Verteiler, alleinbestimmende Vorstände, Kreisverbände als Strömungsbeute, Quotierungen etc. aufgebaut. Deswegen sind die in der Linkspartei auch so erfolgreich, weil genau diese Strukturen vorhanden und gewollt sind.

    Bei den Piraten gibt es derlei nicht,. im Gegenteil, das sind die Antagonisten dieser Zustände. Ein Vorstand hat gar nix zu sagen, geschlossene Verteiler/Mailinglisten gibt es nicht, Intransparenz würde sofort geahndet werden von der Mitgliedschaft. Und ohne Delegierte und Absprachen sind Parteitage nicht planbar, was mögliche, gewünschte Ergebnisse angeht. Ich glaube, die Linksrückler werden es versuchen, aber scheitern.