Linke Saarland: Erosion der Parteibasis setzt sich fort

Bereits vor der Landtagswahl im Saarland hatten 15 Mitglieder der Partei, darunter auch Mitglieder des Kreistages und des Gemeinderates, aus Protest die Partei verlassen. In einer an den Bundesvorstand gerichteten Erklärung nannten sie die systematische innerparteiliche Denunzierung und Diffamierung von Kritikern durch den Landesvorstand als Grund für diesen Schritt. Der Landesvorsitzende Rolf Linsler bedauerte die Austritte nicht, da es sich bei den Mitgliedern um Personen handele, “die schwer in eine Gemeinschaft einzugliedern” seien. Noch vor der Konstituierung des neu gewählten Landtages wechselte dann die frischgebackene Abgeordnete Pia Döring Partei und Fraktion und sitzt nun für die SPD im saarländischen Landtag. Landeschef Linsler und der Fraktionsvorsitzende Lafontaine werteten diesen Übertritt als Betrug am Wähler und kündigten rechtliche Schritte an. Der Abwanderungtrend in der saarländischen Linken hält allerdings trotz scharfer Töne der Parteiführung unverändert an. Einen Tag vor dem 1. Mai kehrten gleich drei der fünf Fraktionsmitglieder der Linken im Homburger Stadtrat Partei und Fraktion den Rücken und sitzen nun, zusammen mit zwei ehemaligen FDP Stadträten, in der Fraktion für Homburg (FFH). Bemerkenswert ist, dass auch diese aktuellen Austritte, wie auch die der 15 Mitglieder am Anfang des Jahres, den Kreisverband Saar-Pfalz betreffen, deren Vorsitzende die Landtagsabgeordnete Barbara Spaniol ist. Spaniol sitzt seit 2007 für die Linke im Landtag, seit sie unter Mitnahme ihres Mandates von den Grünen übergewechselt ist und bei den letzten Wahlen immer einen sicheren Listenplatz erringen konnte. Gleichzeitig ist sie auch noch Fraktionsvorsitzende der – nun nur noch zweiköpfigen – Fraktion im Homburger Stadtrat. Dieser erneute Verlust von kommunalen Mandatsträgern und Fachwissen an der Basis dürfte den Landesvorstand, Spaniol und auch Lafontaine ernstere Kopfschmerzen bereiten, als die vermutlich auch darauf folgenden harschen Töne des Nichtbedauerns über den Weggang von unbequemen Genossen vermuten lassen.
(mb)

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