Bravo, Bravo, Hurra, die Zentristen mit dem besseren Aufruf sind da!

Der Kreisverband Hannover der Partei Die Linke wird am kommenden Samstag (5.5.2012) seine Delegierten für die Wahlkonferenz zur Aufstellung der Landeliste im Juni dieses Jahres wählen. Die Tatsache bedenkend, dass der größte Kreisverband in Niedersachsen fast 20% des Delegiertenkörpers stellt, können sich so manche Träume über eine aussichtsreiche Kandidatur zur Landtagswahl 2013 bereits am kommenden Wochenende erledigen oder begünstigt werden. Dies mag wohl auch der Grund dafür sein, warum Manfred Sohn der Einladung der Kreisvorsitzenden folgte, in einer Art “Vorbesprechung” am vergangenen Montag, Kampfkandidaturen und Flügelmobilisierungen zu verhindern. Vor den Listenaufstellungen soll vom größten Kreisverband das Signal ausgehen, dass der Landesvorstand den Verband im Griff hat und die Vorgaben des Führungsgremiums auch in Hannover umgesetzt werden. Ob jedoch die Kreisvorsitzenden Yayar und Hasenjäger gute Vermittler sind ist fraglich. Beiden werden selber Ambitionen auf vordere Listenplätze nachgesagt. Ein von diesen Personen vorgeschlagenes Tableau dürfte damit einen bitteren Beigeschmack haben.

Termingerecht wurde daher noch ein sog. Appell zur Handlungsfähigkeit der Partei lanciert. Tenor des Aufrufs: Die Kreispartei müsse ein “flügelübergreifendes” Delegiertenticket vereinbaren, nur so könne der Weltfrieden gesichert, die Eurokrise beendet und den Schlecker Beschäftigten geholfen werden. Ironie des Ganzen: Der Aufruf einen Kuhhandel voranzutreiben und damit einen vermeintlichen Siegeszug der Unterstützer der Basisorganisation Linden-Limmer zu verhindern, ist überwiegend von Personen unterschrieben, die selber Teilnehmer von Klüngelrunden waren. Ob der hauptamtliche Mitarbeiter der schwarz-gelben Landesregierung und Ex-KB-Mitglied Braedt oder der nunmehr hauptamtliche Mitarbeiter der Reformtruppe in der Stadtratsfraktion Michael Kuhlendahl, beide waren und sind stets Flügelstürmer in eigener Sache gewesen. Da aber jetzt die Strukturen, die noch die Stadtratsfraktion in die Hände der Truppen aus der Honorarvertrags-WG in der Nordstadt gebracht haben, nicht mehr funktionieren, besinnt sich das politische Duo auf vermeintliche Einheitsfloskeln. Dass eine solche Verklappse der Mitgliedschaft wenig Anhänger findet verwundert nicht. In Hannover ist noch gut in Erinnerung, dass den “Kaiserklüngel”-Stadtratsmitgliedern die politische Flurbereinigung der Mitarbeiterstruktur der Fraktion wichtiger war, als ein Signal der Einheit zu setzen. Dass nun Nutznießer Kuhlendahl einen solchen Aufruf initiiert ist an politischer Dreistigkeit kaum zu überbieten.

Wer sich die weitere überschaubare Schar der Unterstützer des Aufrufs anschaut, wird schnell den wahren Drahtzieher des Ganzen erkennen. Der Politiker mit den besseren Jobangeboten kann nach wie vor nicht seine Finger vom Kreisverband der Leinemetropole lassen. Richtig ist jedoch, dass der ganze Tanz ums goldene Aufstellungskalb völlig uninteressant ist, handelt es sich doch um die unendliche Geschichte ausgeklüngelter Mandatsvergaben in der Partei Die Linke. Ob es also zum Winterwahlkampf mit Manfred Sohn an den Gulag-Kanonen kommen wird, dürfte sich wohl kaum am 5.5.2012 in Hannover entscheiden. Sohn und seine antiquierte Sicht auf den Staatssozialismus sind im Landesverband nämlich hundertprozentig durchsetzungsfähig, ganz gleich wie der Delegiertenkörper aussieht.
(jpsb)

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