Schwund im Kreisvorstand Hannover

Der mitgliederstärkste Kreisverband der Linken in Niedersachsen verliert wenige Monate vor der für die Partei bundesweit bedeutenden Landtagswahl seinen langjährigen Kreisschatzmeister. Ole Fernholz, der dem Reformlager zugerechnet wird und sich schon seit PDS-Zeiten gegen jeden Gegenkandidaten durchsetzen konnte, hat überraschend seinen Rücktritt aus beruflichen Gründen erklärt.

Auch seine Lebensgefährtin, die bei der Listenaufstellung zur Wahl unberücksichtigt gebliebene, amtierende Landesgeschäftsführerin Maren Kaminski gehört ab sofort nicht mehr dem Kreisvorstand an. Sie möchte sich in den nächsten Monaten auf die Leitung des Wahlkampfes konzentrieren, für den sie zusammen mit dem Geschäftsführer der Landtagsfraktion Jörn Jan Leidecker die Budget- und Organisationsverantwortung übertragen bekommen hat.

Damit verliert der Kreisvorstand in dieser wichtigen Phase bereits das dritte Vorstandsmitglied innerhalb weniger Monate. Den Anfang machte im Mai die Bezirksrätin Sabine Daniels, die Kreisvorstand und Partei verlassen hat und unter Mitnahme ihres Kommunalmandates zu den Piraten wechselte.

Gerade Kaminski als Landesgeschäftsführerin muss schon bei ihrer erfolgreichen Kandidatur zum Kreisvorstand bewusst gewesen sein, dass nur wenige Monate später die Landtagswahlen in Niedersachsen den Grossteil ihrer Arbeitszeit in Anspruch nehmen werden. Es stellt sich somit die Frage, ob beide Rücktritte nicht eher auf Streitigkeiten innerhalb des Kreisvorstandes im Hinblick auf die Listenaufstellungen und über die Organisation des Wahlkampfes zurückzuführen sind.

Im Gegensatz zu Kaminski konnten das Kreisvorstandsmitglied Gülten Kelloglu, die Kreisvorsitzende Agnes Hasenjäger und das Vorstandsmitglied Jessica Kaußen mehr oder weniger aussichtsreiche Plätze auf der Landesliste erringen. Auch die zentrale Leitung des Wahlkampfes durch Kaminski und Leidecker wurde im Kreisvorstand deutlich kritisiert. So lässt sich vielleicht erklären, dass die Äusserungen des Kreisvorsitzenden Rezzak Yayar zu den beiden Rücktritten durch ihre politische Höflichkeit eher wie ein Nachruf auf beide ehemalige Vorstandmitglieder wirken
(twak)

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