Niedersachsens Linke startet in den Wahlkampf

Aktuell feiert sich Die Linke in Niedersachsen für ihren Wahlkampfauftakt. Immerhin war es den Genossinnen und Genossen an der Leine gelungen zur Veranstaltung mit Oskar Lafontaine rund 400 Funktionäre und Mitglieder in das etwas abgelegene Bürgerhaus in Misburg zu lotsen. Misburg, ein Bezirk am Rande des hannoverschen Stadtgebietes, gehört sicherlich nicht zu den Hochburgen der Linken in Niedersachsen. Da war es durchaus angebracht sogar Busse aus der Küstenregion (etwa Emden) zu chartern, um den verhältnismäßig kleinen Veranstaltungsraum mit überzeugten “Mitgliederwählern” der Linken zu füllen.

Dass die Partei sich zu Beginn des Wahlkampfes ohnehin eher mit Selbstagitation beschäftigt, zeigt auch der Internetwahlkampf auf der Plattform “Wir wählen links”. In ansprechenden Videos erklären ein Rentner und eine Studentin, warum sie “diesmal” Die Linke wählen werden. Nun, bei dem Rentner handelt es sich um das langjährige PDS und nun Linken Mitglied Frank Puin, der wahrscheinlich nicht nur diesmal “links” wählen wird. Puin war in den letzten Jahren vor allen Dingen deshalb in den Fokus des Interesses geraten, weil er, als einer der Honorarbegünstigten der letzten Linksfraktion im Stadtrat, für eine auftragsgemäß durchgeführte Stadtführung die nicht geringe Entlohnung von 400 Euro in Anspruch genommen hatte. Und auch die Studentin im Video ist ein bekanntes Gesicht in der Partei. Unter anderem ist sie Mitglied im Kreisvorstand Hannover und belegt Platz 25 der Landesliste der niedersächsischen Linken.

Gut, dass da die Genossin und Noch-Landtagsabgeordnete Flauger Verständnis dafür aufbietet, dass die Mobilisierung der eigenen Mitglieder wohl kaum für einen Wahlerfolg am 20. Januar 2013 reichen wird. Segensreich wie immer wurden von ihr ganz aktuell “Wahlkampfideen” an die geneigte Mitgliedschaft versandt. Ideen, die dem Klassenfeind endlich das Fürchten lehren werden. Unter der Projektbeschreibung “Um-fair-teilen” behandelt eines dieser genialen Versatzstücke die Versinnbildlichung des kapitalistischen Übels mittels eines kleinen öffentlichen Rollenspiels.

“Ein entsprechend gekleideter reicher Typ”, so die flaugersche Regieanweisung aus dem Internet, “klammert sich einen Sack voll Geld und will alles behalten. Nette Linke verteilen dieses viele Geld um: an die PassantInnen und geben gleich mal ein passendes Flugblatt mit”. Flauger denkt scheinbar an alles, denn diese linke Form von darstellender Kunst im Straßenwahlkampf muss ja auch gut vorbereitet sein. Kurz und knapp, aber dennoch kollegial, empfiehlt die Mail für die Vorbereitung

Goldpapierverpackte Schokomünzen
Jutesack, darauf ein fettes Eurozeichen (aufmalen, aufheften, aufkleben)
Leichtes Füllmaterial für den unteren Teil des Sackes (z.B. zusammengeknülltes Zeitungspapier)
Eine “Zwischenebene”oben im Sack, darauf kommen gut sichtbar die Münzen
Ein “reicher Typ” im feinen Anzug
geeignete Flugblätter

Und auch bei der Durchführung wird nichts dem Zufall überlassen:

Der reiche Typ steht klammert sich an seinen Geldsack, darf gerne dazu rufen “Alles meins” oder “Ich geb nix ab” oder “Hart ererbt” oder was ihm sonst passendes einfällt.
Die netten Linken nehmen jeweils einzelne Goldmünzen aus dem Sack und geben sie mit einem Flugblatt an Passanten, etwa mit den Worten “Die Linke verteilt um” oder ähnlich.

Wer diese oberammergausche Passion des Hirten zur guten Linken unbefleckt und rein dargeboten bekommt, der wird sicherlich in sich gehen und Die Linke wählen. Denn endlich wird der Wähler dort abgeholt, wo ihn die Schar linker Parteiführer vermutet, am unteren Ende der Debilitätsgrenze.

Und sollte auch dies nicht helfen, wird Flauger nochmals zu Ehren des seligen Joe Hill ein Liedchen zum Besten geben. Wer nach einem solchen Frontalangriff auf Hirn und Herz (und sicherlich auch Ohren) immer noch nicht für Die Linke agitiert ist, dem ist ohnehin nicht mehr zu helfen. Dass allerdings Dehm bereits für über 50 Auftritte im flaugerschen Krippenspiel zugesagt hätte, ist wohl nur ein Gerücht. Schade eigentlich, dem “reichen Typen im feinen Anzug” hätte sein Mitwirken zumindest etwas Authentizität verliehen.
(jpsb)

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