Wagenknechts Einsamkeit. MdB unterstützt LL-Demo-Aufruf 2013!

So richtig gut läuft es für Sahra Wagenknecht derzeit nicht. Zwar hat der Landesverband Nordrhein-Westfalen der Genossin bereits in diesem Jahr einen praktischen Freifahrtschein für eine aussichtsreiche Kandidatur für den nächsten Bundestag verschafft. In der nächsten Fraktion könnten jedoch Mehrheitsverhältnisse herrschen, die es der Wahlwessi Wagenknecht deutlich erschweren könnten ihren politischen Wunschtraum, den Fraktionsvorsitz, tatsächlich wahr werden zu lassen.

Denn auch der demoskopische Abgesang der Piratenpartei vermag der Linken in den alten Bundesländern nur geringen Auftrieb zu verschaffen. Sofern die aktuellen Trends weiterhin Bestand haben, könnte die Bundstagswahl 2013 überwiegend zu einem Opfergang für die bisherigen Bundestagsabgeordneten aus den westlichen Landesverbänden werden.

Dass sich in dieser Situation Altlafontainist Maurer frühzeitig aus dem Geschäft der zukünftigen Fraktion verabschiedet hat, ist insbesondere ein strategischer Verlust für die Seilschaften, die Mittels ihrer Hegemonie in den Westverbänden, auch die Bundestagsfraktion weiter in die politische Isolation treiben wollten.

Ein zusätzlicher Rückschlag für Wagenknecht ist nun der heutige Rückzug von Wolfgang Neskovic aus den Geschäften von Partei und Fraktion. Der ehemalige Bundesrichter Neskovic hat die Linksfraktion aufgrund von Streitigkeiten mit dem Landesverband Brandenburg verlassen. Auch Neskovic galt als Lafontainist und spielte in der Frage über die Zulässigkeit eines Mitgliederentscheids zur Wahl der Parteivorsitzenden in diesem Jahr eine eher unrühmliche Rolle.

Da mag es für die Seele der Hoffnungsträgerin der westdeutschen Traditionslinken tröstend sein, dass sie wenigstens am 13.1.2013 in Berlin nicht alleine marschieren muss. Ist Sie doch bisher die prominenteste Unterstützerin auf der Unterschriftenliste der Veranstalter der sogenannten Luxemburg-Liebknecht Demo 2013. Die Posse um das nunmehr zweigeteilte Gedenken sagt mehr über den tatsächlichen Zustand der Partei aus, als das Taktieren der beiden Parteivorsitzenden um die zerbrechliche Einheit der Linken nach dem Parteitag in Göttingen.

Die Schlagzeilen, die eine Woche vor der Niedersachsenwahl (20.1.2013) die Berichterstattung über die Linke und „ihren“ sozialistischen Fronleichnamszug bestimmen werden, können bereits jetzt antizipiert werden. Dass dabei auch die Bundestagsfraktion getrennt marschiert und Wagenknecht mit ihrer Unterstützungsunterschrift für die Leistungsschau historisch überholter Anschauungen einen sehr frühzeitigen Grundstein fürs gespaltene Gedenken gelegt hat, muss als schwerer politischer Fehler der ansonsten auf taktische Genauigkeit abonnierten Vollblutpolitikerin gelten (Schweigen wäre hier Gold gewesen). Denn die frühzeitige Positionierung der stellvertretenden Parteivorsitzenden für die sog. LL-Demo 2013 muss auch als Abgrenzung für die u.a. vom Jugendverband der Partei unterstützte Rosa & Karl Demonstration gelten.

Letztere fußt auf einer Initiative, die sich um ein zeitgemäßes und parteiübergreifendes Gedenken an die bekannten linken Politiker bemüht. Dahinter stecken selbstverständlich weitreichende strategische Überlegungen des Reformflügels der Partei, die Linke aus dem Isolationsparadigma zu holen, in das Oskar Lafontaine diese seit 2007 getrieben hat. Es bleibt an Genossin Wagenknechts zu klären, warum sie völlig bedenkenlos einen Demonstrationszug unterstützt, in dem regelmäßig auch „politische Größen“ wie Stalin, Mao und andere Protagonisten realsozialistischer Diktaturen gefeiert bzw. deren Huldigung kritiklos zur Kenntnis genommen werden. Für die Absage an ein modernes, verbindendes, gesellschaftsoffenes und demokratisches Luxemburg und Liebknecht Gedenken wird sie am 13.1.2013 sicherlich Unterstützer finden. In der nächsten Bundestagsfraktion wird ihre Linie dagegen zu einer weiteren Vereinsamung führen.
(jpsb)

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