Linke verliert erneut etwa 4.000 Mitglieder und die gespielte Einheit von Göttingen

Noch weist die Webseite der Bundespartei einen Mitgliederstand von 69.458 Genossinnen und Genossen für den Stichtag 31.12.2011 aus. Ganz nebenbei durfte die Öffentlichkeit nun erfahren, dass im abgelaufenen Jahr erneut über 4.000 Parteianhänger der Linken den Rücken gekehrt haben. Damit kommt Die Linke gerade noch auf knapp 65.000 Mitglieder. Der Abwärtstrend hielt also auch im Jahre 2012 unvermindert an. Neben der mangelnden Attraktivität der Partei im Westen, dürfte die Überalterung der Linken in den neuen Bundesländern verantwortlich für den Mobilisierungsschwund sein.

Die Zahl 65.000 ist am Montag vom Schatzmeister der Partei, Raju Sharma, über Twitter veröffentlicht worden. Sharma wies, gemeinsam mit Vorstandsmitglied Wawzyniak, darauf hin, dass der vermeintliche Spitzenkandidat für die Bundestagswahlkampagne, Gregor Gysi, eher kein Kompetenzteam benötigten würde, um seine ohnehin herausragende Bedeutung in der bundesrepublikanischen Politszene noch intensiver zu unterstreichen. Die Idee eines Kompetenzteams wurde, so diverse Pressequellen, von Katja Kipping ins Gespräch gebracht. Kipping scheint damit den Versuch zu unternehmen, in den kommenden Machtkämpfen zwischen dem ostdeutschen Reformern und dem Wagenknecht/Lafontaine-Lager, eine eigenständige Rolle einnehmen zu können. Für ihren Ko-Vorsitzenden Riexinger bedeutet der nun vorzeitig entfachte Machtkampf dagegen, dass er seine bisher moderierende Rolle aufgeben musste, um sich in der Frage der Spitzenkandidatur klar gegen Gregor Gysi zu positionieren. So legt der nun schwelende Konflikt die wirklichen Konfrontationslinien in der Partei und die Aufgaben Riexingers im Bundesvorstand offen.

Ganz unabhängig davon, dass verschiedene Parteien mit sogenannten Teamlösungen bereits schlechte Erfahrungen gemacht haben, dürfte auch die Wahlschlappe der PDS im Jahre 2002 in Erinnerung bleiben. Auch da hatte die Teamlösung zu einem wenig profilierten Wahlkampf ohne zuspitzende Alleinstellungsmerkmale geführt. Fraglich bleibt auch, was mit der Wortkreation Kompetenzteam angestrebt werden soll. Oder meint Kipping wirklich, dass die Mitglieder außerhalb des Teams inkompetent sind? Auch hier gilt erneut, vor dem Reden einer neuen Nachdenklichkeit mehr Raum zu geben. Nicht dass aus Phrasen-Kipping sehr schnell die Problem-Katja wird.
(jpsb)

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