Nachruf auf einen Nachruf: Chávez ist tot!

Tod eines mutigen, weisen und revolutionären Führers

Tod eines mutigen, weisen und revolutionären Führers

Für die einen war er der Visionär des Sozialismus des 21. Jahrhunderts, für die anderen ein Phrasendrescher und linker Caudillo. Trotz einiger anderslautender Gerüchte wird sich nach dem Ableben von Hugo Chávez die Welt jedoch weiterdrehen. Ob für ein vermeintliches Gegenprojekt zur us-amerikanischen Dominanz der Weltaußenpolitik weiterhin günstige Öllieferungen aus Caracas beitragen werden, darf indes bezweifelt werden. Ebenso bleibt fraglich, ob dies bedauert werden muss. Schaut sich die linke Gemeinde die weltweiten „Kooperationspartner“ des verstorbenen Heilsbringers an, bilden diese das „Who ist Who“ der Abrissbirnen jeglichen emanzipatorischen Moderneprojektes.

Ihm selber wohnte viel von denen inne, die er zur Bildung seiner „antiamerikanischen Allianz“ gerne und ausgiebig besuchte. Chávez, das war nicht nur jemand der sich gerne selber reden hörte. Der Personenkult gehörte zum Herrschaftsinstrument des „neuen Sozialismus“, der bei genauerem Hinsehen nur eine lateinamerikanische Variante des staatssozialistischen Herrschaftsmodus des vergangenen Jahrhunderts war. Umverteilungsprojekte zur Sicherung der Gefolgschaften von Teilen der Lohnabhängigen waren solchen Modellen immer inhärent.

Es mag gute Gründe geben dieser rigiden Durchsetzung vermeintlich sozialer Interessen etwas abzugewinnen. Offensichtlich kehren solche Prozesse jedoch nur Machtszenarien um, ohne Machtprozesse selbst aufzulösen. Sie gewähren Sozialschwachen auch nicht bedingungslose Rechte, sondern verlangen Loyalität vor einer Instanz, die im Zweifel Garant für die individuelle Zukunft und Perspektive ist. Der Entäußerung der Selbstbestimmung durch den Verkauf der eigenen Arbeitskraft an kapitalistische Ausbeutungsinstanzen, weicht die Entäußerung politischer Freiheit. Ob solche Projekte nachholender lateinamerikanischer Linksentwicklung wirklich als Referenzmodelle für ein gesellschaftliches Umwandlungsprojekt in Europa taugen kann praktisch ausgeschlossen werden. Europa hat die staatsautoritäre linke Verteilungslektion bereits hinter sich.

Dies bedenkend fällt es schwer zu Glauben, dass die Parteiführung der Partei Die Linke einen Nachruf auf Chávez in die Welt setzt, der keine Stilblüte linksgestrickter Hierarchieverehrung auslässt. Von der Nennung aller Titel des Verstorbenen bis zur unkritisch übernommenen Selbstbezeichnung als „Commandante“ übt sich der Text in devoter Anbiederung an einen Staatsmann, der sich selber als den Freund der letzten Diktatoren dieses Erdballs sah. Getreu dem Motto, der Feind meines Feindes ist mein Freund, suchen Kipping & Co. post mortem den Schulterschluss mit einem, der die Despoten dieser Welt zu einer Handlungsgemeinschaft gegen ein System aufrufen wollte, welches Chávez selber nie verstanden hat.

Seine Angriffe gegen die Vereinigten Staaten konnten daher nie den Dunstkreis reiner Polemik überschreiten und Perspektiven jenseits des maroden Systems der warenproduzierenden Moderne bieten. Schlimmer noch, politische Unterdrückung für den Fall zu rechtfertigen, dass einem Teil der Bevölkerung soziale Wohltaten oder eher noch Almosen auf Zeit garantiert wurden, appellierte an die niedrigsten Entwicklungsstufen von Gewaltherrschaft im Dienste eines linken Leviathans. Genau einer solchen Figur mit einem Nachruf zu huldigen, stellt ein gewolltes oder ungewolltes Fraternisieren mit den rigiden Vorstellungswelten des Verstorbenen dar und öffnet einen erschreckenden Blick in die geheimsten Zwangsvorstellungen vieler linker Parteisoldaten für den Tag der eigenen Machtergreifung.

Erbärmlich und jämmerlich ist daher ein devoter Nachruf auf einen Mann, bei dem eine Trennschärfe zu undemokratischen Machtergreifungs- und Machtausübungsszenarien nicht mehr zu erkennen war. Da dieser Nachruf wohl kaum von einem Schreibautomaten verantwortet wurde, kann der Führung dieser Partei nach dieser „Selbstoffenbarung“ nur der politische Hirntod attestiert werden. Wer Chávez ernsthaft als Vision des Sozialismus des 21. Jahrhunderts offeriert, der hat jegliche Zukunft als gestaltende politische Kraft verloren.
(jpsb)

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11 Responses to Nachruf auf einen Nachruf: Chávez ist tot!

  1. roskar sagt:

    wie wäre es denn damit, dass sie erst mal den begriff faschistisch-zionistisch definieren? ist die sed zionistisch oder faschistisch gewesen. wo ist die kpdsu zu verorten? herrenmenschentum?.sie wissen schon wo der begriff herkommt? dass sich chavez selbst als sozialist sah, muss sie nicht weiter interessieren. sie wissen es aus großer entfernung sicherlich besser. schade, dass sie keine gelegenheit mehr haben, chavez seinen standpunkt zuzuweisen. dass sie offenbar auch den schwulenlyncher und frauensteiniger a. aus t. für eine zierde der menschheit halten, nun ja. da bleibt nur die frage: wo lernt man solch blühenden unfug?
    bleibt noch eins:in meiner langen und bewegten laufbahn als sonderschullehrer habe ich selten so viel dummes zeug in so wenig text gelesen oder gehört.

  2. Mike sagt:

    kannst du das differenzieren? wo tuts weh? da wo das gehirn sein sollte, vermute ich? phantomschmerzen:)?

  3. Hans-Georg sagt:

    Zum Nachruf der Linken selbst nur ganz kurz : Krokodilstränen von falschen Freunden. Die Linke hat die Politik von Chavez bis vor kurzer Zeit gleichgültig bis kritisch gesehen. Selbst bei Parteilinken und bei der SAV gabs nur Fundamentalkritik zu hören. Erst mit zunehmender Aufmerksamkeit weltweit für das ALBA-Projekt und wahrscheinlich mangels eigener Erfolge begann die Linke den “Commandante” für sich zu entdecken . Der Nachruf ist derartig schmalztriefend daß er einfach nur noch grotesk wirkt.

  4. Hans-Georg sagt:

    In Bezug auf Antisemitismus befand sich Chavez auch auf einer Höhe mit Peron…aber auch mit vielen europäischen Linken einschließlich der “Realsozialisten”. Mit antiimperialistischer Rethorik versehen und “Antizionismus” genannt sowie der Floskel man “habe schließlich nichts gegen Juden aber etwas gegen Israel,seine Regierung,den Zionismus.”garniert heute noch ideologisches Rüstzeug vieler Linker. Mittlerweile wird diese griffige Formel auch von vielen Rechtsextremisten gerne verwendet.

  5. roskar sagt:

    AUAAAAAAA

  6. Mike sagt:

    hm..mit welcher macht hätte er wegweisende Alternativen bieten können..? “dieser” sozialismus hat nichts, aber auch gar nichts mit der europäischen variante zu tun, die niemals sozialistisch, sondern faschistisch-zionistisch war, insofern bestätigt der autor nochmal chavez`durchblick. chavez fällt eher in den bereich koloniale emanzipation, die europäische “sozialistische” herrenmenschenfraktion ist doch gar nicht in der lage, das zu verstehen. und ahmadinejad ist also einer der zusammengewürfelten diktatoren? das nenne ich erbärmlich, da darf man außer tagesschau wirklich nichts sehen, um sowas zu glauben. alle beide weit daneben, die Linke, und auch diese Kritik; die verteilungskämpfe werden wohl wirklich folgen, da stimme ich zu.

  7. jpsb sagt:

    …wahrscheinlich stammt ihr Kommentar direkt aus dem Grenzgebiet zwischen Kolumbien und Venezuela…. 🙂

  8. Heuohr sagt:

    Ganz schwach weil undifferenziert. Solche Artikel lassen sich nur auf dem bequemen deutschen Sofa schreiben.

  9. roskar sagt:

    das wort commandante war ja schon im linksradikalen spektrum der 70er ein viel benutztes wort, eines mit kultstatus. man bewies durch den häufigen gebrauch sein revolutionäres bewußtsein.commandante klingt nach freiheit und abenteuer, nach ausbruch aus dem eigenen politisch tristen leben und dessen erfolgslosigkeit. man griff nach dem commandante wie der trinker zur flasche. hat sich wohl nicht viel geändert
    dass “commandante chavez” auch als rabiater antisemit unterwegs war, hat ihm innerhalb der linken nicht geschadet, im gegenteil.
    schönen tag noch wünscht commandante roskar

  10. Opa Hoppenstedt sagt:

    Früher war mehr Lametta!!!!

  11. Hans-Georg sagt:

    Chavez sehe ich eher in der Verwandschaft eines Juan Domingo Peron als in der eines Marxisten oder revolutionären Sozialisten. Mit seinem Namen verbindet für mich der Aufstieg einer neuen südamerikanischen Emanzipationsbewegung die sich in erster Linie gegen die US-Vorherrschaft in Lateinamerika gerichtet hat. Über seine Innenpolitik wird die Geschichte zu richten haben. Für seine Bewegung sehe ich heute schon schwarz. In der Regel haben Bewegungen die sich allein auf eine autoritäre Führungsfigur bezogen deren Ende politisch nicht lange überlebt. Sie brechen durch innerparteiliche Machtkämpfe und Streitereien um die “richtige” Auslegung der Lehren des verblichenen Führers auseinander. Siehe die ASU nach dem Tod Nassers,die Gaullisten,Francisten,Peronisten .