Antriebsloser Spitzenachter

Mittlerweile sind einige Monate vergangen seit Die Linke ihr achtköpfiges Spitzenteam für die im Herbst anstehende Bundestagswahl vorgestellt hat. Nur kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass bei der Zusammenstellung dieses Achters, mit Blick auf die komplizierte Machtarithmetik innerhalb der heterogenen Partei, zwar viel auf Strömungs- und Länderproporz geachtet wurde, man aber schlichtweg vergessen hat zu überlegen, wer hier eigentlich auch tatsächlich rudern kann. Der bundesdeutschen Wählerschaft dürfte die Besatzung zumindest in ihrer Eigenschaft als Team noch weitestgehend unbekannt sein.

Natürlich sind Gregor Gysi und Sahra Wagenknecht medial präsent. Gysi, weil er sich gerade zum wiederholten Male gegen Stasi-Vorwürfe zur Wehr setzen muss. Und Wagenknecht, weil sie wie keine andere Linke es versteht sich selbst über die Medien im Gespräch zu halten. Und sei es nur mit höfischer Berichterstattung über die Jugend der Freundin von Lafontaine. Dass sie Teil des Spitzenachters ist, vernimmt man nie. Dass sie Spitzenkandidatin in NRW ist, dürfte zumindest vor Ort im Westen präsent sein. Gleiches dürfte zumindest auch für Bartsch gelten, der in seinem Landesverband eine ähnlich herausgehobene Stellung einnimmt.

Der Rest der Bootsbesatzung, egal ob Ernst, Lay, van Aken, Golze oder Gohlke, kommt bislang im anlaufenden Wahlkampf noch nicht vor. Auch wenn Caren Lay in einer Politshow gegen Sido um einen Kofffer voll Geld debattieren durfte. Ein wirklich schlüssiges Konzept, was Die Linke mit diesem Team vor haben könnte, ist selbst für den Eingeweihten noch nicht zu erkennen. Die Spitzenkandidaten der anderen Partei könnten hier mit ihrer Aktivität durchaus Vorbild sein.

Steinbrück, Brüderle, das grüne Doppel mit Göring-Eckardt und Trittin und selbstverständlich Merkel machen das, was Spitzenkandidaten naturgemäss im Wahlkampf machen. Sie sind präsent, medial für den Wähler erfahrbar und vertreten die Politik ihrer Parteien nach Aussen. Ein Achter der Linken, der immer noch regungslos an der Startlinie dümpelt, wird hier keinen Vorsprung mehr heraus fahren. Es sei denn, dass man in der Parteiführung der Sozialisten immer noch abwartet, ob sich nicht doch noch ein saarländischer Einhandsegler selbst zum Kandidaten der Herzen kürt.

Sollte dem so sein und hier acht Hasen mitsamt Partei auf eine noch unentschiedene Schlange starren, lässt man leichtfertig Zeit verstreichen, die eine Partei mit aktuell 4% im Westen einfach nicht mehr hat. Und auch dieses Abwarten wäre, wie schon der Spitzenachter selbst, nur parteiinternen Vorgängen geschuldet. Mithin etwas was den Wähler, der über die politische Zukunft des Landes entscheiden soll, zu Recht nicht einmal ansatzweise interessiert.
(mb)

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