Stasi-Jägerin des Monats: Sahra Wagenknecht

Nachdem Joachim Gauck, der oberste Stasiaufklärer der Republik, seinen verdienten Ruhestand als Grüssaugust der Republik geniesst, bietet sich mit Sahra Wagenknecht eine Nachfolgerin im Kampf gegen die Überbleibsel des DDR-Unrechts an. In der “Welt” fordert die stellvertretende Vorsitzende von Partei und Fraktion, dass man in der Linken darüber nachdenken sollte, eine Regelüberprüfung auf Stasi-Kontakte für Mitarbeiter einzuführen. Auslöser dieses Jagdeifers der ehemaligen Frontfrau der “Kommunistischen Plattform” dürften vordergründig die Enthüllungen über eine mutmassliche IM-Tätigkeit der Fraktionsgeschäftsführerin Ruth Kampa in eben diesem Erzeugnis des Springer-Verlages sein.

Dass sie für diesen unabgestimmten Vorstoss ausgerechnet das Flagschiff des Verlages nutzt, der immer die Speerspitze des bundesdeutschen Antikommunismus bildete, kann angesichts der Wandlungsfähigkeit Wagenknechts nicht weiter verwundern. Verwundert ist aber zumindest der Geschäftsführer der Partei, dass Wagenknecht nun öffentlich das verlangt, was ihre Partei bislang abschaffen wollte. Höhn verwies in seiner Reaktion zurecht darauf, dass Die Linke seit Jahren die Regelüberprüfungen im Bereich des Öffentlichen Dienstes kritisiere. Und die Ablehnung einer solchen Praxis “selbstverständlich auch für” die Beschäftigten der Linksfraktion gelte.

In der Presse wird bereits kolportiert, dass man in den Führungsgremien der Partei über die fortdauernden “unabgestimmten Aktionen” Wagenknechts “zunehmend stinksauer” sei. Trotzdem ist sich Wagenknecht sicher, so ihre Aussage im Interview der “Welt”, dass ihr spätestens in zwei Jahren der Fraktionsvorsitz nicht mehr verweigert werden kann. Ihr neues Engagement als linke Stasi-Jägerin dürfte, zumindest aus der Sicht Wagenknechts und vieler westlinker Genossen, dabei helfen, endlich Fraktion und Partei aus dem Zugriff der mehrheitlich ostdeutschen Führungskader zu befreien. Dass sie dabei auf überkommene antikommunistische Reflexe setzt, ist ihr augenscheinlich genau so egal, wie das Ausspielen der nationalpopulistischen Karte bei ihrer verkürzten Europakritik.
(mb)

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