Linke Hannover vor Tabubruch: Dem Hass auf Israel eine Chance?

Wenn am 11.4. diesen Jahres die Partei Die Linke in Hannover einen neuen Kreisvorstand wählt, dann soll der Presselandschaft vorgegaukelt werden, dass an der Spitze eine über die Flügelgrenzen hinweg eingefädelte Ämterübergabe bevorsteht. Frühzeitig wurde daher eine vermeintliche Pressemeldung der Partei an den Madsack-Verlag lanciert, um von den tatsächlichen Konfliktpotentialen im Verband abzulenken. Bereitwillig nahmen Hannoversche Allgemeine Zeitung (HAZ) und Neue Presse (NP) diese Meldung aus dem Umfeld der Basisorganisation Linden-Limmer zum Anlass über einen vermeintlichen Generationswechsel in der örtlichen Linken zu berichten. Der schlampigen Arbeit der handelnden Redakteure scheint es zuzuschreiben zu sein, dass sie damit zumindest mittelbar einem Parteimitglied eine Bühne boten, das für seine Hetze gegen das israelische Gemeinwesen mittlerweile in der linken Szene traurige Berühmtheit erlangt hat.

Johannes Drücker, so heißt dieser Kandidat für das Amt des Vorsitzenden, ist den Nutzern des sozialen Netzwerkes Facebook besser als „Johannes Redstar“ bekannt. Und genau auf diesem Medium hat es Drücker immer wieder geschafft mit provozierenden Aussagen seine israelfeindliche Gesinnung auf die Spitze zu treiben. Allein Drücker selber hat es dabei zu verantworten, wenn im Zusammenhang mit seiner Kandidatur nun die Frage gestellt werden muss, ob seine Hasstiraden als bewusster Tabubruch zwischen Israelhass oder Antisemitismus gewertet werden müssen. Damit gibt seine Kandidatur der Debatte um antisemitische Tendenzen in der Linken neue Nahrung und stellt den Kreisverband Hannover vor einen Paradigmenwechsel mit gegebenenfalls parteischädigenden Konsequenzen. Noch nie hatte hier ein Mitglied eine Kandidatur gewagt, der offenen Hass gegen die israelische Zivilgesellschaft in den Mittelpunkt seiner politischen Überzeugungen gestellt und dies auch noch öffentlich propagiert hat.

Es bleibt daher abzuwarten, ob es in der örtlichen und der überörtlichen Linken, aber auch in der Hannoveraner Zivilgesellschaft geduldet wird, dass eine Partei, die immerhin eine Stadtrats- und eine Regionsfraktion stellt, nunmehr Heimat derer wird, die in verkürzenden Weltbildern und rechtsnationaler Tradition predigen, dass ein einzelner Staat das Übel der Welt sei. Denn genau diese Anschauungen werden in den öffentlichen Referenzmedien Drückers gepredigt. Dem öffentlichen Youtube-Profil Drückers kann klar entnommen werden, woher er seine geistige Nahrung bezieht. Als Abonnent der Kanäle von Ken Jebsen und Russia Today bekommt er das Rüstzeug für seinen Hass frei Haus geliefert. Wenig verwunderlich ist daher, dass es Parolen wie „Fuck Israel“ oder „Enjoy Intifada“ sind, die Drücker auf Facebook verbreitet. Folgerichtig darf auch ein Boykottaufruf gegen israelische Waren im Profil einer Person nicht fehlen, die mit all diesen Aussagen mittelbar das Existenzrechts Israels hinterfragt und Gewalt als Mittel der politischen Arbeit predigt.

Verankert ist Drücker bei einigen Genossinnen und Genossen der Basisorganisation Linden-Limmer. Aber auch der ehemalige Kreisvorsitzende Rezzak Yayar posierte erst kürzlich mit Drücker zur Gründung der sogenannten Landesarbeitsgemeinschaft Naher Osten des Landesverbandes Niedersachsen stilgerecht mit Palästinenserschal. Die Strömung Antikapitalistische Linke (AKL) zählt Drücker zu ihren Mitgliedern und feiert ihn und seine Wahlerfolge bei parteiinternen Wahlen mit entsprechenden „Siegesmeldungen“. Als eine der Hauptunterstützerinnen Drückers gilt vielen daher insbesondere die ehemalige Bundestagsabgeordnete und AKL-Sprecherin Heidrun Dittrich. Genau die Heidrun Dittrich, die in Hannover mit dem linken Bundestagsabgeordneten Diether Dehm ein Bündnis zur Festigung der Vormachtstellung linksnationaler Gruppen in der Partei eingegangen war. Dem Dehm wiederum, der eine politische Männerfreundschaft mit Ken Jebsen pflegt und die HAMAS öffentlich als einen Bündnispartner linker Bewegungen eingestuft hatte. Dem Dehm, der ferner mit Oliver Klauke einen Mitarbeiter fördert, der die These vertritt, dass der Gazastreifen das Warschauer Ghetto der Neuzeit sei. Eine These, die von der linken Publizistin Jutta Ditfurth kürzlich auf Facebook als klar antisemitische Aussage eingestuft wurde. Klauke gehört folgerichtig in das Vorstandstableau, welches Teile der Basisorganisation Linden-Limmer nun als sogenannten Generationswechsel der örtlichen Presse zu verkaufen suchen. Der Etikettenschwindel kommt nicht von ungefähr. Es handelt sich um eine großangelegte Täuschungsaktion, um von den Intentionen der kandidierenden Akteure abzulenken und die örtliche politische und mediale Szene in Sicherheit zu wiegen. Eine Operation, die bei der HAZ und der NP scheinbar schon Früchte getragen hat.

Vor diesem Hintergrund kann nur geschlossen werden, dass im Kreisverband nicht ein Links- sondern ein Rechtsruck für die Partei droht. Es bleibt zu hoffen, dass sich gegen diese Versammlung der Gegner zivilgesellschaftlicher Strukturen nicht nur der Rest der Linken, sondern auch die Institutionen eines friedlichen und antirassistischen Hannover die Stimme erheben und die örtliche Presse nicht auf dem rechten Auge blind bleibt. Den Studenten der Uni Hannover war dagegen bei den letzten Wahlen zu den studentischen Vertretungen wohl klar, mit wem sie es bei dem selbsternannten „roten Star“ zu tun haben. Jämmerliche fünfzehn Stimmen konnte der zwanzigjährige Drücker da auf sich vereinen. Zumindest an der Uni Hannover hat manifestierter Israelhass keine Chance. Und das ist auch gut so.
(jpsb)

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