Dehm Pleite: Im fds-Hannover müssen EndGame-Versteher „draußen“ bleiben!

Da halfen selbst Telefonanrufe bis tief nach Thüringen nichts. Jessica Kaußen, die neue Kreisvorsitzende der Linken in Hannover, musste letzte Woche ihren Hut als Sprecherin des Forum demokratischer Sozialismus (fds) in der Landeshauptstadt nehmen. Vorausgegangen waren interne Auseinandersetzungen um den Kurs des örtlichen fds und der versuchten Vereinnahmung der Strömung durch Anhänger des niedersächsischen Bundestagsabgeordneten Diether Dehm. Kaußen verlor damit in kurzer Zeit ihr zweites Amt bei den Reformsozialisten. Zur Neuwahl des fds-Landesvorstandes im März diesen Jahres war sie gar nicht erst zur Verteidigung ihres Amtes als Beisitzende angetreten.

Und auch zur Abwahl als Kreissprecherin erschien die Mittzwanzigerin nicht. Nachdem sie wochenlang die Neuwahl des Sprecheramtes blockiert hatte, musste letztendlich der fds-Landesvorstand zur Regelungen der Arbeitsstrukturen des fds-Kreisverbandes einladen. Auf der Sitzung wurde sodann, im Beisein von Vertreten des fds-Bundesvorstandes, Kaußens Abwahl einstimmig beschlossen. Zum neuen Sprecher wurde der Antifaschist Sebastian Bertram gewählt. Seine Wahl erfolgte ebenfalls einstimmig.

Damit endet eine Posse um die neue Kreisvorsitzende, die sich zwar gerne den Anschein der Reformpolitikerin gibt, tatsächlich aber im Verband die linksreaktionären Kräfte unterstützt, die eine Öffnung der Partei in das rechtspopulistische EndGame- und Friedenswintermilieu vorbereiten.

Vielen gilt Kaußens Engagement bei den Forumssozialisten ohnehin nur als Teil eines gezielten Unterwanderungsversuchs. Dabei stützt sich Kaußen fast ausschließlich auf eine eigenwillige familiäre Notgemeinschaft um ihren Vater Michael Kaußen, ihren Lebensgefährten Thomas Bicanic und den bekennenden „Dehm-Freund“ Rüdiger Hergt.

All dies hat jedoch einen strategischen Hintergrund. Diether Dehm konnte sich in den letzten Jahren immer auf lokale fds-Strukturen verlassen, die seiner Machtpolitik in Niedersachsen den Anschein einer flügelübergreifenden Konsenslösung gaben. Entweder war das fds dabei gezielt abgewirtschaftet worden oder „dehm-affine“ fds-Mitglieder, wie etwa Jörn-Jan Leidecker, kandidierten gegen das eigene Reformerpersonal bei Listenaufstellungen (Bundestagswahl 2013).

Mit dem politischen Neuanfang des fds in Niedersachsen und Hannover ist die Zeit fauler Kompromisse und des berufspolitischen Kuhhandels vorbei. Absehbar werden die Reformsozialisten nicht aus Gründen der Parteiräson zur Relativierung des Nationalsozialismus (Dehm:„antideutsche Shitstorm-SA“, Dehm-Mitarbeiter Klauke: „Gaza ist das Warschauer Ghetto der Neuzeit“) schweigen, auch wenn diese Relativierungen zunächst rein sprachlicher Natur sind. Und auch der Öffnung der Partei in rechtspolitische Querfrontprojekte wird das fds Widerstand entgegensetzen. Mit den bisherigen erfolgreichen Veranstaltungen des fds Niedersachsen und Hannover ist lediglich der Anfang für weitere Debatten um die Zukunft eines wirklich plural und flügelübergreifend agierenden Landesverbandes eröffnet worden. Freunde von Hamas- und Endgame-Verstehern sind bei diesem Prozess ausdrücklich nicht eingeladen.
(jpsb)

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Ein Kommentar zu Dehm Pleite: Im fds-Hannover müssen EndGame-Versteher „draußen“ bleiben!

  1. IM sagt:

    Inwieweit ist es eine Pleite, wenn man dafür die Leitung des größten PDL-Kreisverbandes übernimmt, der 50% oder so der Mitglieder in Niedersachsen umfasst?

    FDS hat in Hannover dagegen was, 30 Mitglieder?

    und wenn der Tarnmantel seine Zweck erfüllt hat, kann man ihn ja liegenlassen.

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