Gysi, Assad und Dehm: Streitfall Syrien und Pazifismus

Bildschirmfoto 2015-12-28 um 16.34.59Mal wieder hat es der linke Zampano Diether Dehm geschafft für Unwohlsein in seiner Partei zu sorgen. Der sogenannte Europatag der Fraktion der Partei Die Linke am 18. Dezember, ein ansonsten von allen Medien zu recht gemiedenes Ereignis, nutzte der Wahlniedersachse um über seine persönliche Webseite grundlegend Stimmung für den syrischen Diktator Assad zu machen. Als Kronzeugen für dessen legitimes Recht auf militärische Hilfe für sein Land musste dann Gregor Gysi herhalten.

Denn Dehm wusste interessantes über die oben genannte Veranstaltung zu berichten. So folgert er auf seiner Webseite:

Besonders hat mir gefallen, dass Gregor Gysi dort zum Ausdruck brachte, Assad habe einen legitimen Anspruch auf militärische Hilfe für sein Land. Ein Standpunkt, den ich teile.

Dass es sich bei der „linken linken Samtgemeinde“ um ziemlich üble Teilzeitpazifisten des „Kalten Krieges“ handelt war zwar seit längerem bekannt. Denn die russischen Militäraktionen in Syrien, die auch im erheblichen Umfang zivile Opfer fordern, werden dort völlig anders bewertet, als die militärische Unterstützung der USA für die syrische Opposition und die Kurden im Bürgerkriegsland. Dass nun aber auch Gysi höchstpersönlich, auf einer vermeintlich internen Veranstaltung, dem syrischen Diktator die sprichwörtliche Stange hält ist indes neu.

Auf den sozialen Netzwerken wurde umgehend darüber spekuliert, dass Gysi diese Aussage nicht oder nicht so getätigt hätte. Freilich fehlt dafür bisher der O-Ton des Genossen Gysi. Zumindest auf seinem Facebook-Profil und seiner Webseite sucht man entsprechende Distanzierungen bislang, zum Stand des heutigen Vormittages, vergeblich.

Mit Gysis bisherigen Schweigen zu der von Dehm unterstellten moralischen Unterstützung Assads, setzt sich der Trend bei den vermeintlichen Reformergruppen fort, für Wahlsiege im Osten die Einheit mit den autoritär linken Westkadern nicht zu gefährden. Der Burgfrieden in der Partei ist auf einer Aufteilung von Einflusssphären in bestimmten Landesverbänden aufgebaut. Im Bund gilt es dagegen die Truppe als Protestsammelbecken von ganz links bis möglichst weit rechts aufrecht zu erhalten. Wagenknecht punktet daher schon seit Jahren unwidersprochen auch im nationalrechten Lager mit Parolen gegen die bürgerliche Demokratie, gegen die vermeintliche Lügenpresse, ein gemeinsames Europa und im Querfrontwählermilieu mit gezielter Nähe zu postsozialistischen Machthaben aus der Zeit des „Kalten Krieges“.
(jpsb)

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