Mythos Internationalismus: Vaterland pre-pissed…

Diether Dehm auf Facebook 14. Juni 2016

Diether Dehm auf Facebook 14. Juni 2016

Vor einigen Tagen machten ein Bild und ein dazugehöriger Eintrag im sozialen Netzwerk Facebook die Runde. Das Lichtbild zeigt den leicht in die Jahre gekommenen Bundestagsabgeordneten Diether Dehm samt dunkler Limousine auf einem etwas abgetakelten Hof Marke deutsche Provinz. Dehm posiert dabei im Jogginganzug vor seinem Panzerzugersatz und siehe da, auch eine deutsche Fahne ziert den motorisierten Albtraum umweltbewusster Linksökologen.

Abgerundet durch das gewählte Textformat, einen ziemlichen intellektuellen Totalausfall zur Rechtfertigung nationaler Symbolik, bilden Text und Bild eine Gemengelage in dem es Linken darum geht, die Nation, Deutschland und das Vaterland einfach nur wieder toll finden zu dürfen.

Dietmar Bartsch bei Weltnetz.tv am 17. Juni 2016

Dietmar Bartsch bei Weltnetz.tv am 17. Juni 2016

Und siehe da, weil einige Aktivisten des Nachwuchses der Grünen, in abgesicherter linker Tradition zur Vorsicht mahnen die fußballerische Volksekstase nicht auf die leichte Schulter zu nehmen, springt kein geringerer als Filialleiter Dietmar Bartsch seinem Fraktionskollegen Dehm bei. Natürlich freut sich auch „Die Linke“ über die Unterstützung der deutschen Nationalmannschaft mittels der Symbolik „Schwarz-Rot-Gold“ lässt Bartsch von der Küste wissen.

Überraschend ist nur, dass dieser Schulterschluss zwischen Dehm und Bartsch einige überrascht. Der Landesverband des Fraktionsvorsitzenden zieht mit der Losung „Aus Liebe zu Mecklenburg-Vorpommern“ in den Wahlkampf, da ist der Schritt zur “Liebe zum deutschen Vaterland“ nur noch ein kleiner.

Die ostdeutschen Landesverbände sind tatsächlich bis zum heutigen Tage ohne die Seilschaften alter SED-Kader größtenteils nicht arbeitsfähig. Das krude Selbstverständnis der Partei beim besten Willen ohne die Einsicht in deren Sozialisation und den Wendeverlierermythos nicht nachzuvollziehen. Das Verhältnis dieser Blut- und Ehre-DDRler zu „ihrer“ Nation war indes immer eindeutig. Gerade mittels und durch den Sport als Waffe im Klassenkampf, wurde dem vermeintlich besseren Deutschland künstlich das sozialistische Nationalpathos im wahrsten Sinne des Wortes eingeimpft.

Die Idee einer Erhabenheit des Nationalen geboren aus Blut, Schweiß und Wettkampf spielte in diesem Totalitarismus von Links genau die gleiche Rolle wie auch in den Nationalismen von Rechts. Auch hier wurde die Illusion gemeinsamer Interessen auf Grund gleicher Abstammung, mittels der Suggestion rein kompetitiver und leistungsfixierter Metaphern, zur Manipulation ganzer sozialer Gruppen eingesetzt. Dehms und Bartschs Nationalismus treffen nur auf den ersten Blick aus vermeintlich zwei unterschiedlichen Richtungen zusammen. Beiden ist eigen, dass der propagierte Internationalismus an der Überlegenheit des „Deutschen“ keinen Zweifel aufkommen lässt.

Es ist daher kein Zufall, dass flügelübergreifend den linken Kritikern der Partei der vermeintliche Makel „antideutsch“ angehängt wird. Dies ist nicht nur ein Abwehrreflex um die Wähler der nationalrechte Elitenkritik wieder in die Partei zurückzuholen, sondern ein weiterer Schritt der Funktionärsseilschaft von SED-Tätern, Spitzeln und Blockflöten ganz unverhohlen das linksnationalistische Erbe der DDR mit dem rechten Querfrontbetrieb der heutigen Bundesrepublik perspektivisch vereinen zu können.

Dehms Jogginghosenausflug in die Welt der Arier pre-pissed Modeedition der Marke Rostock-Lichtenhagen 1992 hat mehr Symbolkraft als so mancher glaubt. Weniger auf Grund Dehms selbstverliebter postgermanischer Dödelei, mehr aber in der Perspektive die Bartsch skizziert, um das nationale Erbe seiner ehemaligen Täterpartei in die Protestkultur einzuspeisen, die zwischen rechter und linker Systemkritik nicht mehr unterscheiden möchte und sehr zeitnah auch nicht mehr in der Lage dazu sein wird.
(jpsb)

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