Eine Niederlage namens Sieg

In der Diktion des Parteiapparats der neuen Mosaiklinken mutiert nicht nur ein Appendix des deutschen Föderalismus gerne mal zum westdeutschen Flächenstaat. Nein, auf dem Weg Sahra Wagenknechts ins propagierte Regierungsgeschäft darf es keine Niederlagen geben. Und so wird der Verlust von über 9.000 Wählerstimmen und zwei Mandaten, bei gleichzeitig massiv gestiegener Wahlbeteiligung, anlässlich der gestrigen Landtagswahl im Saarland schnell in eine Niederlage der Sozialdemokratie umdeklariert. Obwohl genau diese zwei fehlenden Sitze der Linken das erste Rot-Rot-Bündnis in Westdeutschland möglich gemacht hätten.

Aber davon will Wagenknecht am Wahlabend in der Sendung von Anne Will nichts wissen. Schuld sind in der Verantwortungskultur linker Parteikader immer Andere. Zur Not die SPD, weil sie sich nicht offen genug für eine Regierungsoption mit Altstar Lafontaine ausgesprochen hatte. Das war natürlich gemein von der Sozialdemokratie. Warum jemanden auf Distanz halten, der sich dereinst geschworen hatte die SPD politisch ans Messer zu liefern? Der Verantwortung dafür trägt, dass der Vereinigungsprozess der „Alt-SED Ost“ mit den „SPD-Verlierern West“ die daraus zusammengerührte Linke in eine Hassmaschine gegen jeglichen sozialdemokratischen Ansatz verwandelt hatte. Immerhin reichte diese Verwandlung der gesamtdeutschen Linken, um politische Karrieren damit zu begründen und sich darin zu erschöpfen, dass dieser zur Schau getragene Hass auf die SPD ausreichte ein gutes Auskommen in und mit der Politik zu finden.

Mittlerweile nun sprechen die Zahlen eine andere Sprache und sie zeigen, dass Lafontaine schon lange seinen Zenit überschritten hat. Lafontaines Linke an der Saar kann auf zwei aufeinanderfolgende Wahlperioden Oppositionsführerschaft zurückblicken. In diesem Zeitraum von 2009 bis 2017 hat sie bei den Landtagswahlen rund 45.000 Wähler verloren. Ein Rückgang von knapp 40 Prozent. Von dereinst 21,3 Prozent Zustimmung sind im Jahre 2017 gerade noch magere 12,9 Prozent geblieben. Der von Lafontaines Entourage selber vollmundig angekündigte populistische Aufschlag gegen Rechts mit der Sprache von Rechts, endete folgerichtig als Rohrkrepierer. Den größten Stimmenverlust muss Die Linke an die AfD verbuchen. Rund 40 Prozent der verlorenen Stimmen wanderten am Sonntag in das Lager der rechtsextremen sogenannten “Alternative für Deutschland”.

Nur in der Linken werden solche Niedergangsbewegungen noch in politische Erfolge umgemünzt. Geschützt von flügelübergreifenden Kompromissen charakterloser Berufspolitiker gilt in der Partei seit langem “Mitgefangen ist Mitgehangen”. Jenseits dieser opportunistischen Täuschungsversuche allerdings, kann mit großem Interesse beobachtet werden, dass allein die Aussicht auf Bündnisse zwischen der Linken und der SPD ein enormes Mobilisierungspotential im bürgerlichen und rechtskonservativen Lager auszulösen in der Lage ist. Diese deutliche Tatsache wird auch Martin Schulz und seiner SPD nicht entgangen sein.

Und Die Linke? Die scheint wie durch Zauberhand ausgewechselt. Alle wollen nun Mitregieren. Insbesondere der linke Flügel scheint sein Geschwätz von Gestern für obsolet zu halten. Bis zum Wahltag gilt: Systemopposition ist Wahlurnengift. Danach kann dann wieder gegen die SPD gegiftet werden. Und darauf ist auch Verlass. Vielleicht unterschätzt Die Linke da den Wähler ein wenig zu sehr. Nur eine Minderheit glaubt an eine stabile Mitte-Links-Option auf Bundesebene. Und dafür ist das Bäumchen-Wechsel-dich-Ballett der realexistierenden Mosaiksekte namens Die Linke zu einem nicht geringen Teil mitverantwortlich. Allerdings will niemand in der Partei dafür die Verantwortung übernehmen. Und daher darf es auf dem nur noch kurzen Weg zur Bundestagswahl auch keine eingestandenen Niederlagen geben. Ganz gleich wie deutlich diese ausfallen.
(jpsb)

Dieser Beitrag wurde unter BTW 17, Kommentar, Landtagswahl, LTW 17, Oskar Lafontaine, Rot-Rot, Rot-Rot-Grün, Saarland, Sahra Wagenknecht, SPD, Wahlergebnis veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar