Liebe Sahra Wagenknecht

Liebe Sahra Wagenknecht,

am Wochenende haben in Berlin Hunderttausende gegen den Rechtsruck und gegen die Entsolidarisierung unserer Gesellschaft demonstriert. Auch wenn einige Medien die wahre Bedeutung dieser seit Jahrzehnten eindrucksvollsten politischen Demonstration der gesellschaftlichen Linken gerne herunterspielen, so war dieser Tag doch ein Glanzstück für eine Republik, die vor einer historischen Bewährungsprobe steht. Eine Wohltat ist auch der Umstand, dass die gesellschaftliche Linke weit mehr ist als nur der kümmerliche Haufen von Parteisoldaten, die sich in einer Art ideologischer Hybris völlig zu Unrecht „Die Linke“ nennen.

Sie, Frau Wagenknecht, haben es vorgezogen mit Thesen, die nicht zufällig von Herrn Gauland abgefeiert werden, in bayrischen Bierzelten Stimmung gegen eine offene multikulturelle Gesellschaft zu machen. Freilich diese wird so oder so kommen. Ganz gleich welcher Rechtspopulismus dagegen agitiert.

Aber nicht nur das. Sie haben auch noch den Versuch unternommen gegen die Unteilbar-Demonstration von Berlin zu demobilisieren. In der für Sie typischen Art, haben Sie stellvertretend für Ihre „Bewegung“ deklariert, dass diese Demonstration nicht zu unterstützen sei. Allein deshalb nicht, weil dort auch offene Grenzen, also das Recht auf freies Reisen für alle Menschen auf diesen Planeten, eingefordert werden.

Ihre Demobilisierung, sie hat niemanden interessiert. Und das zeigt, sie sind ein Talkshow- und Bücherlesungsereignis, aber keine, die die Massen politisch bewegt. Ohne die Partei Die Linke wären sie das was Frauke Petry heute für die AfD ist: Nichts. Im Internet können Sie eine Plattform aufbauen und sich mit denen umgeben, die Ihnen gerne huldigen wollen. Aber das Konstrukt ist genauso dürr, wie ihre Selbstdarstellung als Politikerin. Trauen Sie sich doch etwas zu. Rufen Sie zu einer zentralen Demonstration von „Aufstehen“ nach Berlin auf. Wie viele werden kommen? Ein paar tausend, ein paar hundert oder ein noch kläglicherer Haufen. Wie viele Rechte werden dabei sein? Wie viele noch oder bald nicht mehr Afd-Wähler werden dabei sein, die lieber Sie als das Original Gauland wählen wollen?

Dass ihre Wahlauftritte Stimmungen nicht drehen können, haben doch bereits etliche Wahlkämpfe in Westdeutschland gezeigt. Selbst ihr „Heimatverband“, also da wo Ihnen regelmäßig ein Bundestagsmandat geschenkt wird, konnte mit Ihrer Unterstützung nicht in den Landtag einziehen.

Mit diesem Wochenende hat sich jedoch etwas verändert. Noch nie hat sich eine „Spitzenpolitikern“ des linken Spektrums gegen die „eigene“ kulturelle und ideologische Heimat derart bewusst aber auch inkompetent aufgestellt. Als „linke“ Politikerin in einer Spitzenposition sind sie untragbar geworden. Mit Ihnen kann sich die Partei nicht weiterentwickeln ohne ihren linken Charakter zu verlieren. Es wird Zeit, dass Sie das Amt als Fraktionsvorsitzende abgeben. Ihren bettvorlegenden „Mitvorsitzenden“ können sie gleich mitnehmen. Es wird Zeit für eine Erneuerung von Partei und Fraktion. Dass Ende der faulen Kompromisse ist gekommen, denn diese stinken so sehr nach rechts, dass es in dieser Partei kaum noch auszuhalten ist.

Nach der Unteilbar-Demonstration von Berlin bleibt nur zu bilanzieren: Sahra Wagenknecht, nicht meine Fraktionsvorsitzende…

(jpsb)

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